AKTUELL: Was ist Peoples? Global Action ?
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Dieses Jahr finden die europäischen Treffen der Peoples’ Global Action (PGA) an mehreren Orten in Frankreich statt.  Danach werden während einiger gemeinsamee Tage die Ergebnisse der Diskussionen zusammengetragen. In den nächsten Ausgaben des Archipel werden wir eine Reihe von Texten dazu veröffentlichen.


 


 Der vorliegende Text ist ein Auszug aus einer Vortsellungsbroschüre der PGA und befasst sich mit dem europäischen Teil von PGA, aber darüber hinaus auch mit ihrer Geschichte. Niemand kann PGA repräsentieren. Es handelt sich bei diesem Text um die Meinung einiger engagierter Individuen aus dem umfassenden, komplexen und faszinierenden PGA-Prozess.


Von den «Frühen Tagen» bis zu den Gegengipfeln


In Folge des zapatistischen Aufstands im Januar 1994 in Mexiko fand eine Reihe von Treffen statt, darunter auch die berühmten «Intergalaktischen Treffen gegen den Neo-Liberalismus und für die Menschlichkeit.» Das erste dieser Treffen fand in Chiapas/Mexiko, die folgenden in Spanien statt. Die Mauer war gerade gefallen und der Freihandels-Kapitalismus hat - wie kurzfristig auch immer – den Sieg davon getragen. Eine Auswirkung dieser Treffen war die Idee, ein weltweites Netzwerk für die Koordination und den Austausch von Informationen unter AktivistInnen zu schaffen. Die Idee entstand zuerst in der theoretischen Diskussion und wurde anschließend in die Praxis umgesetzt. Eines der ersten Ziele war der Kampf gegen die Welthandelsorganisation. Die erste weltweite «Peoples’ Global Action gegen die WTO und den Freihandel» - Konferenz fand im Februar 1998 in Genf statt. Einige hundert VertreterInnen von Basis-Bewegungen aus der ganzen Welt versammelten sich. Es gelang ihnen, sich auf ein politisches Manifest zu einigen. Unter den TeilnehmerInnen waren kanadische PostarbeiterInnen, ÖkologInnen von Earth First!, französische Bauern und Bäuerinnen, Anti-Atom-AktivistInnen, VertreterInnen der Gesellschaften der Maori, der U’wa und der Ogoni, koreanische GewerkschafterInnen, indigene nordamerikanische Frauenorganisationen, radikale ukrainische Öko-AktivistInnen und Bauernbewegungen aus allen Kontinenten.


Ihr Manifest umfasste Themen wie z.B. die direkte Aktion als Mittel des politischen Kampfes, die Einrichtung von Organisationsprinzipien basierend auf Dezentralisierung und Autonomie und den Aufbau von direkten demokratischen Alternativen. Die gesamte Struktur sollte von zwölf verschiedenen Gruppen, den sogenannten Convenors (Einberufende) aus den verschiedenen Regionen der Erde verbreitet werden.


 


Die Convenors


Bei den Convenors handelt es sich um Gruppen, die als Kontakt-, Informations- und Koordinierungspunkte dienen. Sie ko-organisieren globale und regionale Konferenzen und verbreiten die Aufrufe für globale dezentrale Aktionstage, insbesondere zu den WTO-Gipfeltreffen. Im ersten Convenors-Komitee waren drei Gruppen aus Lateinamerika, eine aus Westeuropa, eine aus Osteuropa und zwei aus Asien. Zur Zeit gibt es manchmal auch mehrere Convenors in einer Region, insbesondere in Lateinamerika.


Der erste europäische Convenor war Reclaim the Streets, eine Gruppe, die in der radikalen Ökologie und in Straßenprotesten ihre Wurzeln hat. Sie hat zu einer Erneuerung der antikapitalistischen direkten Aktionstechniken beigetragen, vor allem durch den Einsatz von Straßenparties als Blockaden und durch den Aufbau von Verbindungen zu ArbeiterInnenorganisationen, wie z.B. jenen des Liverpooler Hafens oder der Londoner U-Bahn. In Asien wurde die Arbeit der Convenors von Organisationen wie der KRRS übernommen, einer indischen Bauerngewerkschaft mit mehreren Millionen Mitgliedern. Sie sind dafür bekannt, die genmanipulierten Getreidefelder von Monsanto zu zerstören sowie für die Schaffung der National Alliance of People's Movement, einem nationalen Bündnis von Basisbewegungen aus dem ganzen Land (einschließlich Narmada Bachao Andolan, dem nationalen Fischer-Forum, der Gewerkschaft der landlosen ArbeiterInnen von Andhra Pradesh, etc). Die aktuellen asiatischen Convenors sind die Krishok Federation (Landlosen- und Marginalisierten-Bauernbewegung) aus Bangladesh. In Lateinamerika hat PGA verschiedene Kulturen und Bewegungen zusammengebracht, von den CONFEUNASCC, einer kleinen Bauerngewerkschaft in Ecuador, der Movimiento de la Juventad Kuna, der bolivianischen Kokabauern-Bewegung in Chapare, bis hin zum kolumbianischen Prozess der Schwarzen Gemeinschaften.


 


Widerstand so global wie das Kapital


Im Mai 1998 wurden während der vier Tage des weltweiten Widerstands gegen den G8-Gipfel in Großbritannien und den WTO-Gipfel in Genf die ersten Erfolge von PGA sichtbar. Der WTO-Gipfel in Genf war die zweite Ministerkonferenz seit der Gründung der WTO und eine Feier zum 50-jährigen Bestehen des GATT-Abkommens. Zu diesem Anlass fand der erste Gegengipfel statt. Viele weitere sollten noch folgen. Dabei gab es die heftigsten Proteste, die Genf jemals erlebt hat, und in Birmingham wurden die TeilnehmerInnen des G8-Gipfeltreffens gezwungen, durch heimliche Flucht aus der neu besetzten Stadt zu entkommen. Währenddessen demonstrierten 200.000 indische Bauern und Bäuerinnen für die Auflösung der WTO.


In jenen Tagen ging die Dynamik von lokalen Gruppen aus. Von PGA initiierte globale Aktionstage waren dezentrale Ereignisse. Einer der beeindruckendsten Global Action Days war der «J18», der 18. Juni 1999. An diesem Tag fanden alle weltweiten Protestaktionen zeitgleich mit dem G8-Gipfel in Köln statt. An 72 verschiedenen Orten wurden Aktionen organisiert, einschließlich der Ankunft der International Caravan for Solidarity and Resistance in Köln (gebildet von Basisbewegungen aus Indien und anderen Ländern des Südens) und einer festlichen Besetzung der Stadt London. Der Slogan «Das Kapital ist global, der Widerstand ist global» wurde in die Praxis umgesetzt.


In Seattle, im US-Bundesstaat Washington, zeigte 1999 der Abbruch der WTO-Ministerkonferenz die Effizienz der Kombination verschiedener direkter Aktionen. Teilweise wurden sie gut koordiniert durchgeführt, wie z.B. die Blockaden sämtlicher Straßen, die zum Gipfeltreffen führten. Diese wurden alle von kleinen Bezugsgruppen organisiert. Dazu gab es Solidaritätsaktionen in mehr als 70 Ländern.


Im September 2000 waren die Treffen des Internationalen Währungsfond (IWF) und der Weltbank in Prag eine Gelegenheit für PGA festzustellen, wie gut Aktionen mit einer großen Bandbreite an Taktiken, wie Straßenparty-Tanzen und bewegliche Konfrontation (pinker Block), Sabotage (blauer Block) und konfrontativer ziviler Ungehorsam (gelber Block), sich ergänzen können. Außerdem gab es eine Vielzahl an Vorbereitungsinitiativen, wie die «Karawane gegen den Kapitalismus», eine Folge von Aktionen in französisch sprechenden Teilen Europas, die vom Reseau Sans Titre (Netzwerk ohne Namen) organisiert wurden.


Die Gegengipfel und globalen Protestaktionen verwandelten sich schnell in Treffen von AktivistInnen aus der ganzen Welt. Diese Treffen gehen bis heute weiter, trotz des Präzedenzfalles, der durch die Repression während des G8-Gipfels in Genua geschaffen wurde. Die heutigen Gegengipfel bringen ein Spektrum an Gruppen, politischen Parteien und NGOs der Zivilgesellschaft zusammen, das viel breiter ist, als nur das Ensemble der Gruppen, die mit PGA zu tun haben. Tatsächlich wird oft vergessen, dass der ursprüngliche Anstoß zu den Gegengipfeln von radikalen Gruppen kam, die gegen Lobbyismus sind und die den Wohlfahrtsstaat und die parlamentarische «Demokratie» genau so sehr anprangern wie den (neoliberalen) Kapitalismus.


 


Politische Entwicklung


Abseits der Großereignisse, deren Zeitplan von den Kalendern der großen kapitalistischen Institutionen bestimmt wird, ist PGA auch verantwortlich für die Entwicklung anderer Prozesse, die weniger bekannt sind. Die interkontinentale Karawane ermöglichte es 400 Mitgliedern einer indischen Bauernorganisation und weiteren 50 Menschen aus anderen Bewegungen aus der «dritten Welt», nach Europa zu kommen und vor den wichtigsten Institutionen wie der WTO, dem IWF, der OECD, der NATO usw. sowie vor den Firmensitzen multinationaler Konzerne, zu demonstrieren. Sie zerstörten Genfelder und ein staatliches Forschungslabor. Und als ein weiterer wesentlicher Punkt ermöglichte die Karawane es den «3. Welt»-Gruppen, Kontakte zu einer Vielzahl europäischer Bewegungen aufzubauen.


Die von PGA inspirierten globalen Aktionstage stellen Rahmen dar, kreative Formen direkter Aktion auch für kleine Kollektive zu entwickeln. Die Dezentralisierung und Herausbildung von Kontakten zwischen verschiedenen Gruppen führten zur Einführung von partizipativen Werkzeugen zur Kommunikation nach außen, wie Indymedia (Independent Media Centers, IMC, unabhängige Medien-Zentren). Es gibt zur Zeit mehr als 130 einzelne Indymedia-Zentren in der ganzen Welt, mit noch weit mehr Kleinkollektiven innerhalb der IMCs sowie «Imitate», die unabhängig vom Netzwerk arbeiten. Indymedia wurde daher auch schon als die «größte Freiwilligenorganisation der Welt» bezeichnet. Andere interne Werkzeuge, wie die internen PGA-Mailinglisten, wurden entwickelt und bieten auf der ganzen Welt ein Forum für Aktionen und Analysen.


Im Juli 2002 schaffte das internationale «No-Border-Camp» in Straßburg einen Raum für ein Zusammentreffen von verschiedenen Organisationsansätzen der PGA sowie für praktische Aktionen, die sich um das Thema Immigration drehten. Das Ergebnis war eine neue Erfahrung der Selbstverwaltung und des autonomen Lebens, der direkten Demokratie und dezentralen Aktion mit 2.000 Menschen während neun Tagen. Diese Erfahrung ließ während der Anti-G8 Demonstrationen im Mai und Juni 2003 in Frankreich und der Schweiz andere Camps und «autonome Dörfer» entstehen.


Neben diesen positiven Entwicklungen und nach einigen Jahren von - vielleicht zu frenetischem - Aktivismus wurde einige Kritik an den Organisationsansätzen und politischen Zielen von PGA laut. Die europäische PGA- Konferenz in Leiden im August 2002 hatte zum Ziel, dieser Kritik zu begegnen und darauf zu reagieren.


 


Die europäischen PGA-Konferenzen


Die erste europäische PGA-Konferenz fand im Jahr 2000 in Mailand statt und wurde von der italienischen Ya Basta!-Bewegung für zivilen und sozialen Ungehorsam organisiert. Die zweite fand im September 2002 in der kleinen Stadt Leiden in Holland statt. Eurodusnie, ein anarchistisches Kollektiv, zusammen mit dem katalonischen Movimiento de Resistencia Global (MRG) europäischer Ko-Convenor, waren die Gastgeber. Min-destens 650 Menschen waren offiziell angemeldet, es nahmen aber viele einfach so teil.


Die TeilnehmerInnen waren aufgefordert worden, sich auf lokaler Ebene auf die Konferenz vorzubereiten. Die Diskussionstage waren wirklich harte Arbeit. Sie verliefen größtenteils in kleinen Diskussionsgruppen zu all den vielen vorgeschlagenen Themen, aber auch zu generellen strategischen, für die Bewegung als ganzes relevanten Fragen sowie Arbeitsgruppen zu Organisationsstrukturen von PGA in Europa. Die Frage, wie Diskussionen zusammengeführt und wie Entscheidungen gefällt werden sollten, war Thema einer lebhaften Debatte, mit einem Fokus auf gleichberechtigter Beteiligung und der Bekämpfung von Machtspielen.


Die dritte europäische Konferenz fand 2004 in Belgrad statt und sollte PGA auf Osteuropa ausweiten. Der Kontext war schwierig und motivierend gleichzeitig: Ein Land, das einen Krieg und eine Diktatur hinter sich hatte und in dem es zahlreiche nationalistische Gruppen und sehr aktive «Hooligans» gab, wo Privatisierungen und Arbeitslosigkeit sich breit machten, wo es aber auch noch Spuren einer Vergangenheit mit Praktiken der Genossenschaft und der Selbstverwaltung gab. Auch wenn diese Konferenz noch stark von Aktivisten aus Westeuropa dominiert war, ermöglichte sie dennoch ein besseres Verständnis zwischen den TeilnehmerInnen sowie die Vorbereitung gemeinsamer Aktionen wie z. B. einen Tag der Solidarität mit


südamerikanischen Bewegungen.


 


Keine (formalen) Strukturen


Die Ausgewogenheit zwischen formeller und informeller Arbeit von PGA als Netzwerk war ein weiterer Schwerpunkt der Strukturdebatten. Es wurde offensichtlich, dass der Mangel an Klarheit darüber, wer sich um was kümmert, die Entscheidungsfindung erschwerte. Dies wiederum macht es für neu hinzukommende Menschen schwierig, sich zu integrieren und führt zu informellen Hierarchien, die, weil unsichtbar, besonders schwer zu verstehen sind. Es geht daher darum, weder Starrsinn noch bürokratische und autoritäre Strukturen zu reproduzieren. Letztendlich soll die Arbeit an den europäischen PGA-Strukturen (Mailinglisten, Web-Seiten, Informationsverteiler, Kontaktlisten und Konferenzorganisation) in einer wesentlich formaleren und offeneren Art und Weise erledigt werden, um mehr Menschen aufzufordern, sich einzubringen.


Konfrontiert mit dem Nichtvorhandensein neuer Convenors und der Notwendigkeit, die Arbeit, die für die Netzwerkstrukturen notwendig ist, zu klären, gab es ein Arbeitsgruppentreffen in den Tanneries, einem autonomen selbstverwalteten Raum in Dijon im März 2003. Auf diesem Treffen hatte sich DSM, eine Belgrader antikapitalistische Gruppe, angeboten, als Convenor aufzutreten.


Detaillierte Zusammenfassungen der Diskussionen und Entscheidungen zum europäischen PGA-Prozess in Leiden, die in Dijon abgeschlossen wurden, stehen im Internet zur Verfügung. Sie basieren auf den Organisationsprinzipien von PGA, die in Cochabamba beschlossen wurden.


 


Die Infopunkte


Um PGA in großem Rahmen voranzubringen und um es auf lokaler Ebene zu verbreiten, beschloss die Konferenz in Leiden einige «Infopunkte» zu schaffen, einer Reihe von lokalen Gruppen, die sich für PGA engagieren. Jede Infopunkt-Gruppe ist verantwortlich dafür, Informationen über die Konferenzen, Geschichte und Projekte des PGA-Netzwerks an Leute, die daran interessiert sind, zu vermitteln.


Diese Infopunkte sind nicht «Mitglieder» von PGA, weil PGA keine Mitgliedschaft kennt, sondern sie arbeiten daran, das Netzwerk sichtbarer zu machen - eine wichtige Aufgabe, wenn man bedenkt, dass das Netzwerk nicht als ganzes oder als eine Organisation spricht. Es gibt im Internet eine Kontaktliste zu diesen Infopunkten.


 


Also, was ist PGA?


Ein Netzwerk? Eine Koordinationsstruktur? Diese Diskussionen stellen die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen für ein Netzwerk, welches auf Dezentralisierung und Autonomie basiert und das keine offizielle Mitgliedschaft, keine Büros oder Bankkonten hat. Die Debatte über die Rolle von PGA geht seit Leiden und Dijon weiter und ist immer noch weit davon entfernt, abgeschlossen zu sein. Für einige ist der entscheidende Punkt, dass, im Gegensatz zu politischen Parteien und anderen Koordinationsstrukturen, PGA nicht darauf abzielen sollte, Aktionskampagnen in ihrem eigenen Namen zu führen, auch wenn der Austausch zwischen Gruppen, Kommunikationsstrukturen und Netzwerken konkrete gemeinsame Initiativen wesentlich vereinfacht hat (so z.B. in letzter Zeit die globalen Aktionstage im Dezember 2002 in Solidarität mit dem Aufstand der argentinischen Bevölkerung oder einige der Anti-G8 Blockaden und Ereignisse im Jahr 2003).


Das bedeutet nicht, dass PGA-Konferenzen, Convenors oder einfach Gruppen in diesem Netzwerk nicht die Initiative ergreifen können, Vorschläge oder Kampagnen in das ganze Netzwerk einzubringen. Im Gegenteil, die Originalität und Dynamik von PGA ist, dass es - dank eines Minimalkonsenses über Ziele sowie Mittel von Aktionen und koordinierter Autonomie - Aktionen lancieren kann.


In der Praxis waren die Ursprünge der Vorschläge sehr dezentralisiert. Die Aufrufe zu Aktionen während Seattle oder Prag z.B. wurden zunächst von lokalen Gruppen dort gestartet und danach von den Convenors aufgegriffen. Im Gegensatz zu anderen Organisationen können nicht nur die Vorschläge von irgendwoher kommen, sondern es gibt auch kein Bestreben, die Aktionen als internationale Aktion von PGA erscheinen zu lassen. Aus diesem Grund bleibt das Netzwerk als solches relativ unbeachtet, was es nicht unbedingt weniger effizient macht als eine traditionelle Organisation.


Es ist mit Sicherheit nicht das Ziel von PGA, eine Konsensentscheidung zu globalen Strategien für die Weltrevolution zu schaffen. Neben den Grundsätzen und dem Manifest können PGA-Gruppen zu allen möglichen Dingen unterschiedlicher Meinung sein (wie z.B. bestimmte Aktionsformen, oder auf Sozialforen zu gehen), ohne sich spalten oder endlos streiten zu müssen. Einige sind der Meinung, PGA-Europa sollte nichts offiziell entscheiden, außer seiner eigenen Struktur, und der Art, wie man Treffen, Listen, Webseiten und die anderen Kommunikationsmittel organisiert. Für diese Menschen ist PGA vor allem ein Mittel zum Austausch zwischen verschiedenen Gruppen, welche die Zustimmung zu den Prinzipien teilen. Trotz dieser Betonung auf Dezentralisierung und autonome Aktionen finden andere, dass PGA-Europa auch in der Lage sein sollte, regelmäßig Wege zu finden, Kampagnen in die Wege zu leiten und Aktionstage in seinem Namen zu koordinieren.


 


 


Aus dem «AktivistInnen-Ghetto» ausbrechen...


Die Frage, wie wir unsere Gruppen und Netzwerke öffnen, die sich manchmal zu geschlossenen Gesellschaften entwickeln, abgeschottet durch unsere Identitätspolitik, hat viele Facetten. Wie brechen wir aus dem «Ghetto» der «Hardline»-AktivistInnen aus, die sich der Wahrheit ihrer Mission und der Richtigkeit der Mittel absolut sicher sind, ohne die radikalen Hoffnungen unserer Kämpfe und Praktiken aufzugeben? Mit einem analytischen Blick auf unsere Treffen kann man zumindest in Europa sehen, dass sie vor allem aus Aktionsspezialisten zwischen 20 und 30 Jahren bestehen (auch wenn es ein paar Senioren hier und dort gibt), die größtenteils aus der weißen Mittelklasse kommen. Diese Beobachtungen verdeutlichen den Mangel an Verbindungen zu anderen Bevölkerungsgruppen, insbesondere zu MigrantInnen (mit und ohne Papiere), aber auch generell zur Arbeiterklasse. Dieser Widerspruch ist zumindest in Europa problematisch für unsere Kämpfe, in einem Netzwerk, das sich Peoples’ Global Action nennt.

 


 Reflexionen zur Strategie


Die Gegengipfel und globalen Gipfelproteste, die seit 1998 ein gemeinsames Spielfeld für die Bewegung waren, stehen seit Frühjahr 2000 aus verschiedenen Gründen unter Kritik: Die Repressionsspirale, der mangelnde Fokus auf lokale Kämpfe, die Ausbeutung der Bewegung von linken «Zivilgesellschafts»- und Reformistengruppen, die Suche nach einem Konsens der Massen anstelle einer fundamentalen Analyse, den Verlust des Überraschungsmoments, den Verlust der Wahl von Zeit und Ort unserer Aktionen und der Mangel an einer kontinuierlichen Erneuerung, die nötig ist, um unsere Aktionen effektiv zu halten. Seit Seattle argumentieren einige AktivistInnen, dass wir die Gegengipfel den Gewerkschaften und NGOs überlassen sollten. Manche finden aber, dass wir aber das Terrain nicht einfach den Bullen und Reformisten überlassen könnten, obwohl wir wüssten, dass dieser große Magnet, den wir geschaffen haben, immer noch Tausende von Menschen anziehe, von denen viele hauptsächlich nach uns suchten und nicht nach reformistischem Blabla. Und wie können wir sagen, dass wir aus dem Ghetto ausbrechen und mit allen möglichen Leuten reden wollen, aber nicht mit Menschen aus z.B. dem Attac-Hintergrund, oder anderen, die hinzukommen?

Es wurde auch gesagt, dass es nicht länger genug sei, den Feind hauptsächlich in großen internationalen Konzernen und finanziellen Institutionen zu sehen. Wir sollten unsere Kritik neu fokussieren, am Staat und sozialer Kontrolle sowie an allen Formen von Herrschaft in menschlichen Beziehungen. Außerdem müssen wir unsere Kritik an der Art und Weise, wie diese Herrschaftssysteme in unsere eigene Welt eingebettet sind, in unseren Alltag und in die verschiedenen Ebenen sozialer Interaktion, an denen wir beteiligt sind, einbeziehen. Indem wir unsere Taktiken und unsere Diskursfelder dadurch, dass wir kreativ und unvorhersehbar bleiben, verändern, können wir unsere ZeitgenossInnen immer noch aus ihrer Resignation und Entfremdung reißen. Einige Menschen sprachen dar-über, Strukturen aufzubauen, um autonome Kommunen und Selbstversorgung, Spaßguerillaaktionen und Kunst im öffentlichen Raum, Straßenversammlungen, sporadische oder permanente Karawanen, Aktionscamps, Besetzungen oder neue internationale Aktionstage zu Zeit und Ort unserer Wahl zu unterstützen.


Die Bedeutung von Experimenten in Selbstverwaltung, von besetzten Häusern und anderen Zonen temporärer Autonomie, die im Moment in Europa unter Druck stehen, wurde betont.


Ohne Medienstars, ExpertInnen oder professionelle TheoretikerInnen bewegt sich PGA dank der vielen Gaben, die im Netzwerk durch die Kreativität zahlreicher Individuen zusammenkommen, weiter. Dabei ist das Ziel, einen gemeinsamen Rahmen von kollektiven Aktionen zwischen denen zu schaffen, die kein Bedürfnis haben, innerhalb der linken politischen Parteien und institutionellen Gewerkschaften zu stehen.


 


Nützliche Links:


 


http://www.nadir.org/nadir/initiativ/agp/en/pgainfos/manifest.htm


 


http://www.pgaconference.org/_postconference_/pp_plenarydecision.htm#P3


 


http://www.nadir.org/nadir/initiativ/agp/free/dijon/report.htm


 


http://www.nadir.org/nadir/initiativ/agp/cocha/principles.htm


 


http://www.agp.org/


 


http://www.pgaconference.org/_postconference_/mailform_1.htm


PGA Grundsätze


 


(Hallmarks)


Das Ziel des PGA Austausches und des PGA Netzwerks ist, verschiedene lokale Gruppen zu verbinden, die den Grundsätzen von PGA zustimmen:


- Eine klare Ablehnung von Kapitalismus, Imperialismus und Feudalismus sowie aller Handelsabkommen, Institutionen und Regierungen, welche die zerstörerische Globalisierung vorantreiben.


- Wir lehnen alle Formen und Systeme von Herrschaft und Diskriminierung ab, einschließlich aber nicht beschränkt auf Patriarchat, Rassismus und religiösen Fundamentalismus aller Art. Wir anerkennen die vollständige Würde aller Menschen.


- Eine konfrontative Haltung, da wir nicht glauben dass Lobbyarbeit einen nennenswerten Einfluss haben kann auf undemokratische Organisationen, die maßgeblich vom transnationalen Kapital beeinflusst sind.


- Ein Aufruf zu direkter Aktion und zivilem Ungehorsam, Unterstützung für soziale Bewegungen, die für den Respekt für das Leben und die Rechte der unterdrückten Menschen kämpfen, wie auch den Aufbau von lokalen Alternativen zum Kapitalismus.


- Eine Organisationsphilosophie die auf Dezentralisierung und Autonomie aufgebaut ist.


- PGA ist ein Werkzeug zur Koordination, keine Organisation. PGA hat keine Mitglieder und ist keine juristische Person und wird auch keine werden. Keine Organisation oder Person repräsentiert PGA.


 


 
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 141 (09/2006)

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