ARCHIPEL - AKTUELL: Gegen die Herrschenden des G8-Gipfels
ute


Die G8 vereinigt die acht reichsten Industrienationen der Welt, um eine Ordnung zugunsten einer sehr reichen Minderheit und auf Kosten einer überwiegenden Mehrheit von unterdrückten und ausgebeuteten Menschen durchzusetzen. Wir meinen, dass es zwischen den Menschen andere Beziehungen als nur die von Macht, Handel, Entfremdung oder Ausbeutung geben muss.


Die Umweltverschmutzung, die Vergeudung natürlicher Rohstoffe und das Reichtumsgefälle werden immer katastrophaler. Die Globalisierung offenbart sich in einer Verschlechterung der Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie einer verstärkten sozialen Kontrolle. Mit Unterstützung des Staates geht die Arbeitgeberschaft zum Angriff über: Aushöhlung der öffentlichen Dienste, Einschränkung der Arbeitsrechte, Prekarisierung und Flexibilisierung, Abbau der sozialen Errungenschaften (Sozialversicherungen, Renten...).


Ende Mai bis Anfang Juni wird in Evian das nächste Gipfeltreffen der G8-Staaten stattfinden. Seit mehreren Jahren verstärkt sich der Widerstand gegen die Herrschenden dieser Welt. Nach den brutalen Polizeieinsätzen und dem Mord an Carlo Guliani im Juli 2001 in Genua scheut die G8 die Massen und beschloss, ihre Zusammenkünfte an abgelegenen Orten durchzuführen.


Dieses Jahr empfängt also Frankreich die G8 in Evian, einer kleinen Stadt in den Bergen der Haute-Savoie. Gegen die G8 zu kämpfen heißt für uns nicht, eine "humane" Ausgestaltung des Kapitalismus oder seine Regulierung/Besteuerung durch die Staaten zu fordern, sondern eine andere Gesellschaft, in der die menschlichen Beziehungen nicht auf Profit und Macht aufgebaut sind.


Der Krieg


Im Namen des Kampfes gegen den Terrorismus hat man uns auf einen neuen Krieg der westlichen Länder gegen den Irak vorbereitet und in Bälde gegen viele andere Länder, mehrheitlich muslimisch oder nicht. Zugleich erhielt Putin eine Blankovollmacht, um weiterhin gegen das tsche-tschenische Volk vorzugehen.


Was die Palästinenser angeht, verschlimmert sich ihre Situation mit jedem Tag. Das Verschwinden des sozialistischen Blocks sollte zum Ende des Kalten Krieges und zum Weltfrieden führen. Aber mit dem Auftauchen neuer ökonomischer Blöcke (ALENA, ZLEA, ASEAN, Eurozone) zirkulieren immer mehr Waren und Kapital, begleitet von steigenden Spannungen und Rivalitäten. Die Streitigkeiten und Gegensätze zwischen bestimmten Staaten sind nur Ausdruck dieses Machtkampfes von Bourgeoisien, welche die Welt ökonomisch, militärisch und kulturell beherrschen wollen. Der Krieg kann nicht nur auf eine militärische Frage reduziert werden. Er spielt sich auch auf ökonomischer und sozialer Ebene ab. Die Globalisierung führt zu einer Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen im Süden wie im Norden und stützt sich auf die Plünderung der Ressourcen im Süden.


Der Krieg gegen die Armen im Inneren des Landes wird an den zahlreichen Gesetzen deutlich, die in den letzten 20 Jahren auf den Gebieten der Sicherheit, sozialen Kontrolle (Sicherheitsgesetz der pluralistischen Linken oder das neue Gesetz zur inneren Sicherheit des französischen Innenministers Sarkozy) eingeführt wurden, aber auch an der Prekarisierung (Flexibilisierung, Renten).


Mobilität und Reisefreiheit


Die Möglichkeit, in unserer Welt frei reisen zu können, ist nur denjenigen vorbehalten, welche die Mittel dazu haben. Für die Menschen aus dem Süden gilt es, die Festungen des Nordens (Europa oder USA) zu überwinden und dies für einen hohen Preis: Tod, Rassismus, Diskriminierung usw. Diejenigen, welchen es gelingt, die Grenze zu überschreiten, werden zu billigen Arbeitskräften und schuften für einen größtmöglichen Gewinn von Arbeitgebern und Mafias.


Aber auch in den reichen Ländern des Nordens ist der freie Personenverkehr nur für jene möglich, die sich das finanziell leisten können. Dies zeigt sich an der Art und Weise, wie man gegen Leute, die ohne Fahrkarte reisen, vorgeht.


Globalisierung und Rückschritte in der Situation der Frauen


Die kapitalistische Globalisierung reproduziert und verstärkt die patriarchalische Herrschaft in der Gesellschaft. Die Globalisierung wirkt sich auch in Form einer massiven Prekarisierung bei einem großen Teil der Weltbevölkerung aus: Die Frauen sind am stärksten davon betroffen, und dies sowohl in den armen als auch in den reichen Ländern. Einerseits sichern die Frauen in den Industrieländern den Hauptteil der "Intendanz" (durch ihre Lohnarbeit ebenso wie durch die Hausarbeit), die für ein gutes Funktionieren und die Produktion des Kapitals nötig sind. Andererseits haben die Beziehungen zwischen Nord und Süd und die durch internationale Institutionen (UNO, Weltbank, IWF usw.) im Süden hervorgerufenen Verhältnisse mehr als unheilvolle Nachwirkungen für die Frauen in den armen Ländern. Unter dem Deckmantel einer "guten Führung" und "Entwicklungsprogrammen" erweist sich die Kostenübernahme durch diese Institutionen als katastrophal für die Lage der Frauen vor Ort (autoritäre Geburtenkontrolle, eine Überverschuldung mit dem Resultat einer noch intensiveren Ausbeutung, "Sextourismus" inbegriffen). Außerdem führt eine Institutionalisierung politischer Programme gegenüber Frauen (hauptsächlich von UNO und NGOs) letztendlich zu einer Entpolitisierung der lokalen Frauenbewegungen und zum Verlust der konzeptionellen und organisatorischen Autonomie, was ihre Radikalität sowie ihr Potential für eine Neugestaltung beeinträchtigt.


Für solidarische und emanzipatorische Alternativen


Solche Gipfeltreffen sind oft Anlass zur Ratifizierung, zum Wachstum einer Deregulierung des Marktes, zur Vermarktung der Dienste, zur Infragestellung der sozialen Errungenschaften. Gipfel wie der von Evian ermöglichen oft das Dogma von Wachstum, gebunden an technischen Fortschritt und Konsum, als einzig mögliche Zukunft offiziell zu bekräftigen. Das westliche Modell ist sowohl vom materiellen als auch vom ökologischen Standpunkt aus nicht universal. Der Kampf für weniger Wachstum oder eine Ökonomie, in der die Produktion an eine soziale Nützlichkeit geknüpft ist, muss sich auf verschiedenen Niveaus gestalten: Individuell, indem man seine Konsummethoden ändert und kollektiv, indem man neuen überflüssigen Projekten hier und anderswo, die allein nur der verstärkten Waren- und Kapitalzirkulation dienen, den Kampf ansagt. Es geht darum, von einer Gesellschaft mit unendlichen Bedürfnissen in eine Gesellschaft mit gerechten Bedürfnissen überzugehen - im Sinne einer sozialen Gerechtigkeit und des ökologischen Gleichgewichts unseres Planeten.


 


Praktische Informationen


Anlaufpunkte und Infostellen in der Schweiz:


Genf: Fabrik, Place des Volontaires und Universität, UNI-Bastions, Rue de Candolle


Dorf ZAAGE, www.zaage.lautre.net, Stadion "Bout du Monde", Carouge


Lausanne: Espace autogéré, César-Roux 30


Alternativdorf C´VILLAGE,  www.squat.net/contre-attaque


Provisorischer Kalender


Donnerstag, 29. Mai


Annemasse: Festliche Demonstration, in der wir uns an die Einwohner wenden, die uns in ihrer Stadt empfangen. Wiederbelebung des öffentlichen Platzes


Lausanne: unberechtigter G8 (ebenso)


Chamonix (France): Demonstration im Mont-Blanc-Tunnel gegen den internationalen Fernlastverkehr und für die Reisefreiheit der Menschen


Freitag, 30. Mai


Aktionen in Genf auf dem Gelände der Plattform No Borders


Samstag, 31. Mai


Feuer am See


Webseiten zum Thema:


http://www.claaacg8.org    http://www.squat.net/contre-attaque


http://www.antig8org   http://www.evian-g8.org


 

verfasst von Kollektiv gegen den G8 (CLAG),  10.05.2003, eingestellt von ute
Thema im Archipel 105 (05/2003)
Tags: ARCHIPEL - AKTUELL
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Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 105 (05/2003)

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