ARCHIPEL AKTUELL: Von Schafen und Menschen
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.Die elektronische Identifikation von Tieren  besteht darin, jedem Tier ein elektronisches


Microchips (RFID) einzupflanzen. Wir werden mehr und mehr dazu angehalten, die Tiere auf diese Weise zu markieren. Angeblich gibt es dabei keine Nachteile, nur Vorteile. Dann schlägt man uns vor, auch die Menschen mit solchen Chips zu markieren.


 


Alle Maßnahmen, die heute an Tieren vorgenommen werden, sollen später an Menschen angewendet werden – mit dem Ziel, dass die menschliche Herde sich normal und nicht frei bewege.


Man kann sich weigern, seine Tiere elektronisch markieren zu lassen, so wie andere sich trotz gerichtlicher Verfolgung weigern, eine ADN-Probe an sich machen zu lassen. Es liegt an uns, Widerstand zu leisten, um diesen Prozess zu unterbrechen. Wir haben Mittel, uns dagegen zu wehren, einzeln oder gemeinsam.


Diesen Sommer war ich Schäfer. Zu zweit haben wir eine 1700-köpfige Schafherde in den französischen Voralpen (Alpes de Haute Provence) gehütet. Fünf Züchterinnen und Züchter schicken ihre Tiere von Ende Juni bis Mitte Oktober auf eine Alm in 2000m Meereshöhe. So bleiben die Schafe nur von Januar bis Mai im Stall.


Die weiblichen Schafe, die vor 2006 geboren sind, tragen einen Plastikohrring, an dem man den Betrieb, auf dem sie geboren sind, und ihre persönliche Nummer erkennen kann. Diejenigen, die im Jahr 2007 geboren sind, tragen an beiden Ohren so einen Ring, außerdem ist die Nummerierung eine andere.1


Ich wusste schon, dass es sich irgendwann nicht mehr um einfache Ohrringe handeln würde, sondern um ein elektronisches Gerät, das zum Beispiel unter der Haut eingepflanzt wird. Viele Viehzüchter warten schon mit Ungeduld auf diese Reform, da die Ohrringe nicht nur hässlich sondern auch mühsam anzubringen sind. Die in die Ohren gestanzten Löcher entzünden sich leicht, die Art der Nummerierung hat sich vor Kurzem geändert und überhaupt verstehen viele Züchter nicht, warum man sie mit diesen lästigen Ohrringen ärgert. Offenbar wird mit der elektronischen Methode der Mühsal ein Ende gesetzt. Vielleicht. Jedenfalls wird diese Reform in nur einem Jahr, ab 2008, in Kraft treten.


Es gibt ein Thema, das zur Zeit die Diskussion unter den SchäferInnen, die Gespräche auf den Viehmärkten und sogar die T-Shirts beherrscht, die von den Landwirtschaftskammern bedruckt werden: Der Wolf. Meiner Ansicht nach sind die Elektrochips viel beunruhigender. Denn «Tausend Milliarden Spitzel» 2 sind vielleicht viel gefährlicher als ein paar große Raubtiere. Ich bin kein Tierzüchter, sondern nur Gelegenheitsschäfer. Vielleicht betrifft mich das nicht direkt. Trotzdem beschäftigt es mich. Ich wollte Euch erklären warum, also habe ich mir die Zeit genommen, diesen Text zu schreiben. Erwartet jetzt nicht einen Katalog mit allen Argumenten gegen die elektronische Markierung: Ich habe meine Ablehnung einfach in Worte gefasst.


Das winzige Microchip, das den Tieren eingepflanzt wird, nennt man «Transponder RFID» (Radio Frequency Identification Device). Dieser Transponder ist ein Signalempfänger und –sender. Im Unterschied zu dem Chip einer Kreditkarte oder einer Telephonwertkarte, muss man ihn an keinen Apparat anschließen, um ihn lesen zu können: Ein RFID-Chip ist auf eine Distanz von ein paar Zentimetern bis einigen hundert Metern lesbar. Nachdem es mit einem verbesserten Bar-Code verglichen wurde, stellte die Zeitung Le Monde richtig: Es handelt sich um einen kommunizierenden Miniaturcomputer, mit der Stärke eines PCs des Produktionsjahres 1985.3


Die Identifizierung von fleischfressenden Haustieren (Hund, Katze, und Frettchen) ist obligatorisch; bei Nichteinhaltung wird das Tier eingeschläfert.4


Im Juni 2001 haben zwei Verfügungen die Identifikationsmöglichkeiten festgelegt: Einerseits die klassische Tätowierung, ande-rerseits das elektronische Chip, das unter der Haut angebracht wird. Die elektronische Markierung ist bei Haustieren also möglich, aber nicht vorgeschrieben. Wir stellen jedoch fest, dass immer mehr Leute zur elektronischen Markierung übergehen. In Frankreich sind bereits


1,5 Millionen Haustiere mit Chips markiert. Das ist jedes zweite Tier. Außerdem nimmt die Zahl der elektronischen Markierungen jedes Jahr zu (200.000 im Jahr 2002, 500.000 im Jahr 2005). Die Kartei darüber wird von der Gewerkschaft der Tierärzte verwaltet.


Und wie ist es bei den Zuchttieren? Nach Vergrößerung der Herden und den jüngsten Nahrungsmittelskandalen (Rinderwahn, Vogelgrippe) kann man die Herkunftsnachweise nicht mehr umgehen.5 Bald werden die ZüchterInnen gesetzlich dazu verpflichtet werden, ihre Tiere elektronisch zu markieren, wenn sie welche verkaufen wollen, so wie sie heute die Ohrmarken anbringen müssen. Ab Januar 2008 soll für Rinder und Pferde die elektronische Markierung eingeführt werden.6 Die Art dieser elektronischen Markierung ist noch nicht festgelegt. «Es wurden mehrere Arten der Anbringung von Transpondern entwickelt, um sich an die verschiedenen Charakteristika der Tiere und ihre Fütterungsweise anzupassen. Die einfachste Methode besteht darin, einen Transponder mit Plastikmarkierungen, die vom Züchter gelesen werden können, traditionsgemäß am Ohr des Tieres anzubringen. Das zweite System, das oft bei Haustieren verwendet wird, besteht darin, den Transponder, der mit Glas oder Hartplastik umhüllt ist, unter die Haut des Tieres zu injizieren. Ein drittes System, speziell für Wiederkäuer wird als «Bolus» bezeichnet. Der Bolus ist ein Keramikzylinder von großer Dichte, jedoch je nach Tierart variierbarer Masse und Größe, der in den Vormagen des Tieres eingepflanzt wird. Es gibt noch ein viertes System und zwar für Schweine. Hier wird ein Transponder in die Bauchhöhle injiziert. In Zukunft sollen alle Zuchttiere in der Europäischen Union durch eine dieser vier Methoden markiert werden.» 7


Die Technologie scheint effizient, obwohl Professor Gilbert Mouthon (Veterinärschule von Maison-Alfort) behauptet, dass diese Chips leicht zu sabotieren sind. 8 In vielen europäischen Ländern ist die elektronische Markierung von Haustieren bereits Pflicht. Zur Zeit wird Hunden, Katzen und Frettchen das Chip am Halsansatz eingepflanzt. Bei den Tests, die man bei französischen Rindern durchgeführt hat, wurden den Tieren elektronische Ohrringe verpasst.9 Das heißt Ohrringe, wie sie sie schon vorher trugen, jedoch mit einem integrierten RFID-Chip; beide mit derselben Nummer, die das Tier vorher hatte. Wie auch immer: Die Züchterinnen und Züchter werden so jedes Tier elektronisch identifizieren können.


Ich denke jetzt an Blanquette, die einzige Ziege in unserer Herde von 1700 Mutterschafen. Sie trug


ihren kleinen Ohrring


N°4013 . Bei der großen Schafherde schockierten mich die Markierungen nicht. Es ist ja nicht so einfach N°3065 von N°3057 zu unterscheiden, ohne ihre Ohrmarken anzuschauen. Bei Blanquette aber wurde mir die Absurdität dieser industriellen und bürokratischen Vorgangsweise deutlich. Sie hört auf ihren Namen, ist unsere Begleiterin, weckt uns auf, wenn die Schafe sich aus dem Staub machen. Sie ist die einzige Ziege in der ganzen Umgebung. Warum hat man ihre diese Ohrmarkierung aufgezwungen? Lächerlich, absurd … aber auch beunruhigend, wenn man weiß, dass die Art, wie die Menschen die Tiere behandeln, oft darauf hinweist, wie sie miteinander umgehen.


 


Das Problem mit den Chips


Ich werde, um mich verständlich zu machen, die Welt der Tiere einen Moment verlassen. In Großbritannien z.B. hat der Innenminister angekündigt, dass er in Zukunft einige Sexualstraftäter elektronisch markieren will, um ihre Wege per Satellit überwachen zu können. Gleichzeitig könnten so, auf freiwilliger Basis, ihr Blutdruck und ihr Herzrhythmus gemessen werden. Es wurde an ein Unternehmen, das bereits Geräte herstellt, mit denen Autos durch GPS überwacht werden können, mit dem Projekt herangetreten. Die Argumentation der Projektträger: «Wenn man Autos verfolgen kann, warum nicht auch Menschen?»,10 aber vor allem: «Es werden ja schon massenweise ähnliche Chips zur Sichtung bei Tieren verwendet.»11


Hier liegt für mich der Kern des Problems. Zuerst werden wir dazu ermutigt, die Tiere elektronisch zu markieren. Es gäbe dabei keine Unannehmlichkeiten, nur Vorteile. Dann schlagen sie uns vor, auch alle möglichen Menschen so zu markieren. Ganz abgesehen von Straftätern. Das amerikanische Unternehmen Applied Digital Solutions hat sich auf ein Chip, das man unter die Haut pflanzt, spezialisiert: Das Veri-Chip. «Anfangs 2006 hatten bereits über 2000 Personen einen Veri-Chip im Arm.»12


Kunden von Nachtclubs in Barcelona und Amsterdam, Polizisten in Mexiko, Menschen in stationärer Behandlung in den Vereinigten Staaten und in Rom…die Liste ist lang. In den USA entschied sich der in Brooklyn wohnende


28-jährige Mickey Sklar dazu, mit einem elektronischen Mikrochip in seiner linken Hand zu leben. «Es handelt sich um ein Billigprodukt, ein bisschen klobig, das für das Vieh serienmäßig produziert wird. Es kostete mich zwei Dollar, und das Lesegeräte vierzig Dollar das Stück. (…) Ich habe den RFID Leser mit meinem Macintosh gekoppelt. Sobald sich meine Hand der Tastatur nähert, verbindet er sich automatisch. Ich fabrizierte auch einen kabellosen Bildschirm: er identifiziert meine Hand und zeigt meine E-Mails oder meine wichtigsten Webseiten».13 Ein Produkt, das «für die Viehzucht serienmäßig hergestellt wird?» Genau, es handelt sich um den bekannten VeriChip, Applied Digital Solutions der nur «ein in den USA geläufig benutztes System, das der Markierung von Vieh und Haustieren dient», verbessert14. Einfach nur das.


Manchmal geht es um eine freiwillige Einpflanzung eines Chip für ein Medizinaldossier in gewissen Spitälern, ein anderes Mal um eine obligatorische Überwachung für gewisse Kategorien (Kriminelle, Papierlose…). Und schluss-endlich zweifellos um eine auf jede und jeden ausgeweitete Praxis. «Unsere Gesellschaft wandelt sich auf eine kaum wahrnehmbare Weise. Und sie wird aufwachen, festgefahren in einem Dschungel von Dateien und Kontrollen, und letzten Endes ist uns das Privatleben und unsere Identität amputiert wor-den».15


Diese Worte stammen nicht von einem Aufwiegler. Es handelt sich um Alex Türk, parteiloser Senator der (rechten) Mehrheit und ebenfalls Präsident der nationalen Kommission für Informatik und Freiheit (CNIL), eine Institution, die jede neue Datei, jede neue Kartei, jede neue Kontrolle absegnen muss. Wir sind darüber niemals befragt worden und niemand von uns, weder Sie noch ich, fanden den Mut oder die Energie, sich diesem schleichenden Totalitarismus, gemacht aus kleinen Dingen, die dazukommen und sich «bloß» vervielfachen, zu widersetzen.


 


Hin zur totalen Kontrolle


Ich übertreibe? Sie finden das absurd? Sie sind überzeugt, dass wir niemals dazu kommen werden, die gesamte Bevölkerung mit elektronischen Chips zu versorgen? Sie denken, die Markierung von Tieren, von einigen gefährlichen Kriminellen und Elektronikfreaks, die sich einen solchen «Hightech Spitzel» einpflanzen lassen, heißt noch lange nicht, dass die ganze Bevölkerung davon betroffen ist? Sie sind der Meinung, dass die Ethikkommissionen und Bürgerbefragungen uns vor eventuellem Missbrauch schützen werden? Ich möchte das auch gerne glauben. Aber ich unternahm einige Nachforschungen, und historische Beispiele machten mich skeptisch.


Gendateien, Identitätskarten: anfangs reserviert für «Randgruppen» (Kinderschänder, Terroristen, Gewohnheitsverbrecher, Ausländer…), weiteten sich in wenigen Jahren auf alle Verbrechen und Vergehen aus und zum Schluss auf die gesamte Bevölkerung. Trotz Überwachung durch Ethikkommissionen und anderen Bürgerkonferenzen. Für subkutane RFID-Chips wird es zweifellos nicht anders sein.


Erinnern Sie sich an William Harwin, einen in diesem Artikel schon zitierten Forscher, der uns beruhigen will? «Solche Chips für ähnliche Identifizierung werden bei Haustieren und Viehherden schon intensiv angewendet.» Ich möchte Ihnen einen seiner Kollegen von der Abteilung für Kybernetik der Universität von Reading vorstellen: Kevin Warwick. Er ließ sich 1998 und 2002 solche Chips unter die Haut einpflanzen, damit sich Türen automatisch öffnen und die Beleuchtung beim Betreten angeht. Seine Gattin beschaffte sich auch einen solchen Chip, so kann das Pärchen nun seine Emotionen elektronisch austauschen. «Diese Technologie wird es längerfristig ermöglichen, durch Gedanken zu kommunizieren. Dies ist die nächste Etappe der Entwicklung. Die eingepflanzten Chips werden den Menschen verbessern und seine Kapazitäten vergrößern. (…) Ich denke, die Welt wird sich in zwei Sphären spalten, eine davon in Untermenschen ohne Implantat, die sich selbst überlassen blei-


ben».16


Eine schreckliche Vision, die an die «Schöne neue Welt» von Aldous Huxley erinnert.17 Nach den Eugenikern handelt es sich hier um eine «transhumanistische» Bewegung, die vorgibt, die menschliche Gattung zu übersteigen. In Wirklichkeit wird die Menschheit auf die Stufe des Viehs herabgesetzt. Gleichzeitig gewöhnt man sich langsam daran, die Tiere wie Fleischmaschinen


zu behandeln.


Also, was soll man davon halten? Ist der Elektronenchips bei Tieren schluss-endlich schockierender als Hunderte von Schafen zu schlachten und ihre Kleinen zu essen? Ich persönlich esse kein Fleisch. Mich schaudert schon, wenn die Leute davon reden, ein Kaninchen oder ein Huhn zu schlachten. Aber ich habe dieses Jahr erfahren, dass einige Züchter ihren Beruf auf menschlichere Art ausüben als andere. Sie kennen jedes einzelne ihrer Tiere mit seinem Namen. Sie sind eher bereit, stundenlang auf dem Berg herumzuklettern, als sich damit abzufinden, eines verloren zu haben. Und es ist ihnen egal, dass die vom Wolf gerissenen Schafe mit x Euros entschädigt werden. Dies ist vielleicht der Unterschied zwischen einem «Bauern» und einem «Landwirt». Werden diese Schäfer es hinnehmen, ihre Tiere mit RFID-Chips zu versehen?


Die elektronische Markierung der Schafe wird ab Januar 2008 obligatorisch. Dies ist ein schlechtes Zeichen für die Bauern, die sich nach und nach Dinge aufzwingen lassen, die sie nicht brauchen (GVO, Batteriehaltung von Hühnern, intensive Landwirtschaft…). Und so verschwindet allmählich die Welt der bäuerlichen Landwirtschaft. Aber das bedeutet vor allem, dass sich das Netz enger um mich, um uns zusammenzieht. Diese Maßnahme kommt noch hinzu, zu all den anderen technologischen und administrativen Einrichtungen und zur gegenwärtigen juristischen und politischen Situation. Einen Schritt weiter in einer schon stark genormten Gesellschaft, in der alle «die sich nichts vorzuwerfen haben» aufgelistet, überwacht und kontrolliert werden, als würde es sich um Schwerverbrecher handeln und wo anormales Verhalten, kollektive Treffen und subversive Initiativen als «terroristisch» abqualifiziert werden. Geht diese Normalisierung der Gesellschaft in Richtung Vermenschlichung oder Vertierung? Wer profitiert davon? Die Bevölkerung oder doch mit größerer Wahrscheinlichkeit die Elite?18 Sind wir bereit, alle unsere Freiheiten für mehr Sicherheit fallen zu lassen? In diesem Falle sollte nicht mehr von Demokratie die Rede sein. Der totalitäre Charakter dieser Tendenzen zur Normalisierung muss erkannt werden, und wir sollten uns fragen, welche «Sicherheit» wir so gewonnen haben.


Mein Onkel Philipp, Schafzüchter im Ruhestand, erklärte mir, dass dieser «Herkunftsnachweis» zwar bei den Tieren nützlich sei, bei den Menschen jedoch gefährlich würde. Ich denke, er irrt sich: Es geht nicht um die Frage des Nutzens, sondern um jene der Welten. Ich will das erklären: Natürlich haben diese Technologien ihre «positiven» und «negativen» Seiten. Aber sie sind nicht neutral. Sie sind untrennbar verbunden mit der Welt, in der sie produziert werden und die dadurch verstärkt wird: die moderne Welt, die von Waren regiert wird. In ihr verstärken Wissenschaft und Technik in erster Linie die Macht der herrschenden Klasse. Sie werden für die entfremdete Produktion und die soziale Kontrolle eingesetzt. Was heute an Maßnahmen bei den Tieren vorgeschrieben ist, wird eines Tages auch auf den Menschen angewendet - mit dem Ziel, dass die menschliche Herde sich normal - und nicht frei - verhalten soll. Wollen wir in einer Welt leben, die Menschen mit Chips braucht? Ich will das nicht. Ich habe größere Träume als bloß ein Leben «ohne Reibung, ohne Einbrüche und Zwischenfälle, ohne intensiven Stimmungswechsel, (…) Abenteuer und Begegnungen»,19 denn diese Welt erlaubt uns nur noch ein solches Leben. Ein Leben, das uns aufgezwungen wird, durch Überwachungskameras, RFID-Chips, DNS-Dateien. Ein erbärmliches Leben, das wir verinnerlichen, durch Lohnarbeit, verblödendes Fernsehen, normierten sozialen Beziehungen. Ich lehne im Namen meiner Träume diese elektronischen Chips ab und die Welt, die sie produziert und dadurch gestärkt wird.


Aber wie kann man sich dieser diffusen Macht widersetzen? Wogegen Widerstand leisten, gegen wen und zu welchem Zeitpunkt? Es ist doch so einfach sich zu sagen, dass wir sowieso schon alles geschluckt haben, wieso nicht auch das noch? Und überhaupt, es ist doch alles nicht so schlimm. Wir werden den Kampf aufnehmen, wenn es wirklich gefährlich wird, wenn der offene Totalitarismus vor der Türe steht. Aber leider ist selbst der Totalitarismus heute nicht mehr so offensichtlich. Auf nichts ist mehr Verlass. Es ist also besser, dem ganzen zuvorzukommen.


Werden wir revoltieren, wenn die Kinder bei der Geburt «bechipst» werden? Ach nein! Dies ist eigentlich nicht skandalöser als die Gendateien oder die elektronische Markierung des Viehs heute. Man gewöhnt sich schließlich an alles.


Es ist möglich, die RFID-Chips bei Tieren abzulehnen, wie andere schon den Gentest verweigert haben, trotz gerichtlicher Verfolgung.20 Aber wenn wir heute nicht handeln, wenn nicht die Viehzüchter als erste handeln, kann eine Wette darauf abgeschlossen werden, dass dieser Text in zehn Jahren ein erstauntes Lächeln auslöst. «Na echt? 2007 hatten die Menschen noch keine Chips?»



 



*Kontaktadresse: 10, rue Yves Farge,


38600 Fontaine, Tél. 04 38 02 99 49



1. Neue Identifikations- und Registrierungsregeln von Juli 2005, unter Berücksichtigung der Schafhaltungsregelmentierung 21/2004 vom 17.12.2003


2. Le Monde 02.06.2006


3. Le Monde 02.06.2006, Artikel über RFID-Chips


4. Gesetz von 1991 und 1999


5. Über allgemeine Herkunftsbestimmung, zu lesen in «Nanotechnologie maxiservitude», l’Esprit Frappeur, 2005


6. Im Rahmen des Europäischen Programms IDEA – Elektronische Identifikation von Zuchttieren.


7. Europäisches Büro für Patente


8. Perso.orange.fr/bouledoguefrançais.cdlb/puceelectro.htm.


9. Pilotprojekte vom Komitee für nationale Pilotage der elektronischen Identifikation, www.inst.-elevage.asso.fr/.


 


0. Ken-Jones, Verantwortlicher des Projektes


11. William  Harwin, Universität von Reading


12. Le Monde, 17/04/2006


13. Le Monde, 11/04/2006


14. Le Monde, 17/04/2006


15. Politis, 02/11/2006, diese Wochenzeitschrift zitiert  Alex Türk ohne jede kritische Bemerkung über die Rolle der CNIL.


16. Kevin Warwick, Ca m’intéresse, 02/2005


17. Aldous Huxley, Schöne neue Welt, 1932


18. «Wir leben nicht in Demokratien. Wir leben aber auch nicht in Lagern (…). Wir leben in Staaten oligarchischer Natur, d.h. Staaten, in denen die Macht der Oligarchie durch die Souveränität des Volkes und die individuellen Freiheiten begrenzt ist.  Das heißt ein Regime, in dem die politische und wirtschaftliche Elite die Polizei-Gewalt ausübt, währenddessen die demokratischen Bewegungen ständig kämpfen müssen, um ihren politischen Einfluss zu erhalten oder zu vergrößern.» Nach Jacques Rancière, La haine de la démocratie, La Fabrique Editions, 2005


19. Flugblatt  «Zerstören wir die Überwachungskameras», Lyon, Oktober 2006


20.  http://refusadn.fr.


 

verfasst von Nicolas Bonanni*,  14.06.2007, eingestellt von ute
Thema im Archipel 148 (04/2007)
Tags: ARCHIPEL AKTUELL
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 148 (04/2007)

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