DEMOGRAPHIE: Stirbt die Schweiz aus? Erster Teil
Claude

In der Schweiz beträgt die Gesamtfertilität 1,37 Kinder pro Frau zwischen 15 und 48 Jahren (Soll 2,1); die Schweizerinnen allein ? ohne Ausländer ? haben den historischen Tiefstwert von 1,21 erreicht. Bei der einheimischen Bevölkerung besteht seit 1998 ein negativer Geburtenüberschuss, d.h. die Aufrechterhaltung der Einwohnerzahl wird nur noch durch Immigration gewährleistet.

In der Schweiz beträgt die Gesamtfertilität 1,37 Kinder pro Frau zwischen 15 und 48 Jahren (Soll 2,1); die Schweizerinnen allein – ohne Ausländer – haben den historischen Tiefstwert von 1,21 erreicht. Bei der einheimischen Bevölkerung besteht seit 1998 ein negativer Geburtenüberschuss, d.h. die Aufrechterhaltung der Einwohnerzahl wird nur noch durch Immigration gewährleistet. Bei Weiterbestehen dieser niedrigen Geburtenziffern würde die einheimische Bevölkerung ohne weitere Zuwanderung schon innerhalb von 200 Jahren auf 2% der heutigen Grösse zusammenschrumpfen, also praktisch aussterben. Ursachen dieser demografisch bedenklichen Entwicklung und allenfalls mögliche Gegenmassnahmen werden kurz skizziert.

Als Gott die Welt und mit ihr den Menschen erschaffen hatte, übertrug er ihm seine Schöpferkraft, indem er gebot: pru u rvu, «Seid fruchtbar und mehret euch». Diesem «ersten Gebot Gottes» hat die Menschheit Folge geleistet, nicht weil es in der Bibel steht, vielmehr steht es in der Bibel, weil schon der damalige Autor dieser Erzählung im 6. vorchristlichen Jahrhundert erkannt hatte, dass der Drang zur Fortpflanzung und zur Erhaltung der Art das fundamentale Grundgesetz der Biologie darstellt. Jede Kreatur ist dazu mit einem kaum unterdrückbaren Geschlechtstrieb ausgestattet, der auch bei der Gattung Homo sapiens sapiens eindeutig stärker ist als dessen Sapientia. Und so hat sich die Menschheit entwickelt.1

1000 v. Chr. waren es nach Schätzung der entsprechenden Wissenschaftler etwa 100 Millionen, 1800 n. Chr. Eine Milliarde und in 50 Jahren sollen es 10 Milliarden sein. Eine gewaltige Bevölkerungsexplosion innerhalb der letzten 200 Jahre 2, 3. Aber so weit wird es nicht kommen. Der Mensch hat zwar nicht den Sexualtrieb zu beherrschen gelernt, vielmehr hat die Wissenschaft und Forschung das ihre dazu beigetragen, diese Triebbefriedigung von der Fortpflanzung durch einen hormonellen Eingriff oder andere Praktiken systematisch zu entkoppeln. Das hat bei uns dazu geführt, dass die Geburtenzahlen massiv eingebrochen sind. Die Erhaltung der Art ist bei den meisten europäischen Völkern nicht mehr gewährleistet. Wir stehen mitten in einer Implosion des Fortpflanzungsprozesses. Die Entwicklungsländer hinken dieser Entwicklung (per definitionem) etwas hintennach. Aber auch dort ist die Geburtenrate in den letzten 50 Jahren markant gefallen. Die Kinderquote ist in allen Kontinenten – ausser in Afrika – soweit gesunken und noch am Sinken, dass in wenigen Jahren nur noch der Erhaltungsbedarf gedeckt sein wird. Bevor im Detail auf diese Situation eingegangen wird, ein paar demografische Schlüsselbegriffe. Die Grösse, das Wachsen und Schwinden einer Population ist abhängig vom Geburtenüberschuss, d.h. der Differenz Natalität minus Mortalität, und vom Wanderungssaldo: Immigration minus Emigration – Einbürgerungen. Die Natalität (Zahl der Geburten) ihrerseits wird beeinflusst durch die Altersstruktur der Bevölkerung (eine junge Population ist produktiver als eine vergreiste); das Gebäralter der Mutter/Generationenabstand; die Praxis der Antikonzeption/Interruptio/Stillzeit (Stillen verlängert die Abstände zwischen den Geburten; exklusives Stillen [Tag und Nacht] garantiert theoretisch eine Antikonzeption während sieben Monaten); sozioökonomische Gegebenheiten und massenpsychologische Faktoren (eine solidarische Gemeinschaft in Bedrängnis reproduziert sich stärker als ein Haufen gesättigter Individualisten 4).

Analyse

Die Natalität kann in folgenden Begriffen umschrieben werden:

Absolute Geburtenzahl/Jahr/Land-Region.

«Rohe Geburtenziffer» = Geburten/1000 Einwohner.

«Zusammengefasste Geburtenziffer» (Gesamtfertilität) = Kinderzahl pro Frau im Alter von 15–48 Jahren.

Unter Fertilität versteht der Mediziner meist die potentielle Fruchtbarkeit, der Demograph hingegen die effektive, getätigte Fruchtbarkeit, d.h. die Zahl der Kinder pro Frau. Der Sollwert zur Konstanterhaltung einer Population beträgt in Industrieländern heute 2,1 Kinder, in der 3. Welt liegt er wegen höherer Kindersterblichkeit entsprechend höher (2,2–2,6). Die 0,1 beruhen aber auch darauf, dass mehr Knaben als Mädchen geboren werden. Konstant bleibt eine Bevölkerung dann, wenn jede Frau im Schnitt ein überlebendes Mädchen zur Welt bringt. Und dazu braucht es bei uns 2,1 Kinder.

- Nettoreproduktionsrate (NRR) = Zahl der überlebenden Mädchen pro Frau (im Alter von 15–48 Jahren). Die frühe Mortalität ist dabei schon berücksichtigt. Soll = 1,0.

Den Einfluss des Generationenabstandes bei NRR 1,0 bedeuten grosse Sippenbildung und höhere Geburtenzahl bei jungem Gebäralter, geringe Kontakte zwischen den Generationen und geringe Sippennatalität bei langen Generationenabständen.

Zu den Fakten

Die Geburtenzahlen im 20. Jahrhundert in der Schweiz ergeben folgendes Bild:

a) Absolute Zahlen: 90000–100000 Geburten zu Beginn des Jahrhunderts (bei 3,3 Mio Einwohnern); Einbruch während des 1. Weltkrieges, weiterer Rückgang in den 20er- und vor allem 30er-Jahren. Wiederanstieg während des 2. Weltkrieges (ein solidarisches Volk unter Bedrohung!) und ein massiver Geburtenboom Mitte der 60er-Jahre mit 113 000 Kindern. Danach abrupter Abfall und eine Sekundärwelle anfangs 1990. Gegenwärtig ein Tiefpunkt mit 71 800 Geburten (7,37 Mio Einwohner). In den nächsten Jahren werden es wegen kleiner werdender mütterlicher Jahrgänge voraussichtlich noch weniger sein.

- Die rohe Geburtenziffer: Gestartet bei 29 Geburten pro Tausend, heute 9,75‰, also ein Rückgang um das Dreifache. Selbst während des Babybooms gab es anteilmässig weniger Kinder (19,5‰) als zu Beginn des Jahrhunderts.

- Als objektivstes Mass die zusammengefasste Geburtenziffer der Gesamtfertilität, die in den letzten 40 Jahren beinahe eine Halbierung erfuhr. Hier wird auch ersichtlich, dass der kleine «Geburtenhügel» anfangs der 90er nicht auf einer Fertilitätssteigerung beruhte, sondern lediglich auf Grund der grossen Jahrgänge aus den 60er-Jahren zustande kam. Betrachten wir die Fertilitätskurve noch etwas genauer. Die Daten für die Gesamtbevölkerung (Schweizer und Ausländer) zeigen einen eindrücklichen Abfall seit 1965 bis zum Tiefpunkt von 2003. 1970 wurde der Erhaltungsbedarf erreicht und danach unterschritten. Die Ausländerinnen, in den 50er- und 60er-Jahren noch vorwiegend junge Frauen aus dem Süden, haben diesen Abwärtstrend mit einer gewissen Verzögerung mitgemacht, eigentlich erst gleichzeitig mit dem Einbruch der Kinderzahlen in ihren Heimatländern Italien und Spanien 5. Die Gesamtbevölkerung ist jetzt bei einer Fertilität von 1,37 angekommen; das entspricht einer Nettoreproduktionsrate von 0,65, also nur knapp zwei Drittel der für eine Konstanterhaltung notwendigen Kinderzahl, die Schweizerinnen allein auf einem Tiefpunkt von 1,21 Kinder pro Frau oder einer NRR von 0,58. Ein Blick in den übrigen deutschsprachigen Raum zeigt, dass wir uns durchaus im Rahmen von Deutschland und Österreich bewegen. In Deutschland fällt die unterschiedliche Entwicklung zwischen der alten Bundesrepublik und der damaligen DDR auf, die in den 70er-Jahren durch sozial- und familienpolitische Massnahmen einen eindrücklichen Aufschwung erlebte, wo man andererseits nach der Wiedervereinigung einen dramatischen Absturz erlebte. Im Vergleich mit den andern europäischen Nationen können wir uns als Gesamtvolk (dank der Ausländer) noch einigermassen im Mittelfeld halten, die Schweizerinnen allein aber nur noch knapp vor den wenigen Oststaaten mit noch tieferen Kinderzahlen. Am besten schneiden neben Albanien ein paar nordische Staaten und Frankreich ab, am schlechtesten der Süden und Osten, wobei Italien und Spanien sich seit etwa fünf Jahren aus ihrem Tief von 1,14 erholt haben und wieder über den autochtonen Schweizern liegen.

Zum Gebäralter

Die Geburtshelfer wissen aus eigener Erfahrung, dass dieses in den letzten 30 Jahren erheblich angestiegen ist. Schon das Heiratsalter entspricht diesem Trend. Heirateten 1970 fast zwei Drittel aller Frauen vor dem erfüllten 25. Lebensjahr, so macht diese Altersklasse heute nur noch 20% der Eheschliessungen aus. 61,6% aller Frauen sind bei der Erstheirat 30 oder mehr Jahre alt. In der Alterskategorie der 35- bis 40-jährigen hat sich der Anteil der «ledigen» innerhalb von nur 20 Jahren von 10 auf 20% verdoppelt. Sogar verdreifacht hat sich die Zahl nicht ehelicher Geburten: 1975 3,8%; 1990 6,1%; 2003 12,4%. Dementsprechend ist das Durchschnittsalter bei Erstgeburt von 26 auf 29 hinaufgeklettert, das mittlere Alter aller Geburten auf über 30, bei Schweizerinnen fast 31 Jahre. Die Altersaufteilung der gebärenden Mütter macht es deutlich: Vor 30 Jahren wurden über 70% der Kinder von Frauen unter 30 geboren. (...) Der Anteil der Neugeborenen von über 35-jährigen Müttern hat sich verdoppelt und liegt heute bei 20%, davon sind mehr als die Hälfte dieser Kinder Erstgeburten. Diese Entwicklung ist zwar begreiflich: Die Frauen wollen zuerst in ihrer beruflichen Laufbahn Tritt fassen. Dass dieses Zeitfenster aber biologisch nicht optimal ist, bedarf keiner weitläufigen Erklärung. Das Problem der geburtshilflichen Schwierigkeiten wird zwar elegant per Sectio caesarea umschifft, aber eine Reihe anderer Nachteile bleibt: zunehmende Sterilitätsquote, höhere Frühgeburtenrate, höhere Anfälligkeit für chromosomale und andere genetische Störungen (auch wegen des vorgerückten väterlichen Alters) und schliesslich auch der grosse Generationenabstand: späte Erstgeburt führt unweigerlich zu kleinerer Kinderzahl. Wenn dieser Trend auch nur über zwei Generationen anhält, werden diesen Kindern die Grossmütter fehlen! Ein Dialog zwischen den Generationen entfällt. Die Grossmütter verrichten heute rund 100 Millionen Betreuungsstunden für ihre Grosskinder, mehr als alle Kindergärtnerinnen und Unterstufenlehrerinnen zusammen.

Eine weitere Folge ist die Tatsache, dass der ursprüngliche Kinderwunsch mit zunehmendem Alter nicht mehr realisiert werden kann. Es gibt eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Erfüllung, aber auch, dass die Kinderzahl mit dem Bildungsgrad der Mutter negativ korreliert 6. Sollten wir also aussterben, dann wenigstens gebildet! Entsprechend geschrumpft sind natürlich auch die Familiengrössen. Die Zweikindfamilie ist führend, aber bedenklich ist die Tatsache, dass in den Städten die Nullkindfamilie den Rekord hält 7. Die Zahl der kinderlosen 35- bis 45-jähringen Frauen aller Zivilstände steigt seit 1970 zusehends an und macht heute gegen 30%, in den Städten und reichen Vorortsgemeinden sogar 40% aus. Der Geburtenüberschuss 2003 hat mit 8780 einen Tiefenrekord erreicht, einen Wert, der letztmals 1918, dem Jahr mit 20 000 Grippetoten, unterboten wurde. Bei den Schweizern beträgt der Geburtenüberschuss –6150. Ein negativer Wert, d.h. ein Sterbeüberschuss, besteht in der einheimischen Bevölkerung seit 1998. Soviel zur «Lage der Nation». Was für Auswirkungen auf unsere Zukunft bringt dieser Fertilitätswinter – auch für die Geburtshelfer – mit sich? Es wurde bereits angemerkt, dass wir im Jahr 1970 zum letzten Mal eine ausgewogene Geburtenrate hatten. Wir hatten damals,  bei einer Bevölkerung von 6,3 Millionen, fast 100000 Geburten und eine ausgewogene Fertilitätsziffer von 2,09 Kindern pro Frau und eine NRR von 1,0. Wir nehmen für die folgenden Überlegungen also diesen Jahrgang 70 zum Ausgangspunkt und lassen die Zuwanderungen vorderhand ausser Betracht.

Wir reproduzieren eine Generation später, also im Jahr 2000, nur 70% des Sollwertes. Bleibt diese Fertilitätsrate konstant, so werden in der nächsten Generation wiederum nur 70% dieser Zahl, also 49% des Sollwertes erreicht – von den Schweizerinnen noch deutlich weniger, nämlich nur noch 36% – und so geht das weiter nach den unerbittlichen Gesetzen der exponentiellen Funktion. Schon zu Beginn des nächsten Jahrhunderts wären nur noch 10% der Neugeborenen Nachfahren des Schweizervolkes von 1970 – und wenn wir diese Kurve noch etwas verlängern und sie beispielsweise mit Frankreich vergleichen, so gelangen wir zur bitteren Einsicht, dass wir in etwa 200 Jahren, also nach 7–8 Generationen, faktisch ausgestorben sind, während Frankreich mit einer Geburtenrate von 1,8 Kinder pro Frau zu diesem Zeitpunkt erst bei komfortablen 50% – dort, wo wir nach schon 2 Generationen waren – angekommen ist. Nach seriösen Berechnungen fehlten im deutschen Sprachraum ohne Zuzüger ab 2030 jährlich 750000–800000 Neugeborene, und schon in 25 Jahren fehlen in Europa 15 Millionen junge Leute 8, ausgerechnet dann, wenn sich der Geburtenberg der 60er-Jahre aus dem Erwerbsleben zurückzieht und grosse Lücken aufklaffen lässt. Selbstverständlich wird dieses Vakuum durch Zuwanderungen aus dem Ausland aufgefüllt (es wird also nichts mit der Hoffnung auf freie Parkplätze!). Auf diesen Immigrationssog werden wir noch zurückkommen.

Zur Alterspyramide

Vorerst sollen noch die Auswirkungen auf die Altersstruktur unserer Gesellschaft darlegt werden. 1900 hatte das Schweizervolk noch die klassische Form einer Pyramide mit einer sicheren, breit abgestützten Basis. 30% der Bevölkerung waren jünger als 15 Jahre (heute noch 16,2%). 1950 erkennen wir die Kerbe, die der 1. Weltkrieg hinterlassen hat, sowie den Rückgang während der Krisenzeit der 30er-Jahre; schliesslich den Aufschwung während des 2. Weltkrieges, wo wir uns bedroht, aber solidarisch fühlten. 2000 zeigt den «Babyboom» der Nachkriegszeit mit dem anschliessenden Pillenknick und der bedenklichen Ausdünnung der jungen Generation. Aus der Pyramide ist ein Pilz geworden! Bei gleich bleibender Fertilität und Mortalität und ohne Wanderungen ergibt sich im Jahr 2050 eine noch schmälere Basis. Der Babyboom ist zum Omiboom aufgerückt, während dieser auf der männlichen Seite schon weitgehend ausgestorben ist. Wie Sie sehen, ist es falsch, von einer Überalterung zu sprechen. Die Vermehrung der Alten steht nicht im Vordergrund. Es geht ganz eindeutig um eine «Unterjüngung»! Bei der jungen und mittleren Generation herrscht das gewaltige Defizit. Überalterung ist nur relativ zu verstehen, Unterjüngung aber absolut. Trotzdem ist «Überalterung» oder das «Methusalemkomplott» ein schon abgedroschener Begriff, während für die Unterjüngung noch nicht einmal ein deutsches Wort kreiert ist. Wenn wir die Bevölkerungspyramide nochmals um eine Generation, ins Jahr 2080, hinausschieben, dann hat ihre Form nichts mehr mit einem kraftvollen, aufwärts strebenden Block zu tun, sondern erinnert eher an ein Suppositorium für Kleinkinder. Natürlich wäre es verlockend, den Umfang der Bevölkerung etwas zu reduzieren, eine gewisse «Gesundschrumpfung» anzustreben, aber ein solcher Aderlass führt nie zu einer Verjüngung, sondern immer nur zur Vergreisung. Man rechnet damit, dass die Bevölkerung Deutschlands bis zur Jahrhundertmitte um 20 Millionen schrumpfen wird 9. Ein derartiger Crash ist nicht nur von einer Unterjüngung des Volkes, sondern immer auch von einem wirtschaftlichen und kulturellen Einbruch begleitet. Athen war drei Jahrhunderte nach seiner Blütezeit in die Bedeutungslosigkeit versunken!

Prof. Othmar Tönz*

Luzern

 

*O. Tönz ist ehemaliger Chefarzt des Luzerner Kinderspitals. Dieser Text ist ein Vortrag, den Prof. Tönz an der Jahresversammlung der «Schweizer Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe» im Juni 2004 in Interlaken gehalten hat.

6. Fehr J: Luxus Kind: Vorschläge für eine neue Familienpolitik. Zürich, Orell Füssli, 2003.

7. Engstler H: Gründung und Erweiterung von Familien in der Schweiz: Eine Analyse der ehelichen Fruchtbarkeit am Beispiel des Heiratsjahrganges 1980. Bern, Bundesamt für Statistik, 1995.

8. Dumont GF: Europa stirbt vor sich hin, Bevölkerungspolitik vor dem Bankrott, Wege aus der Krise. Aachen, MM-Verlag, 1997.

9. Birg H: Die demografische Zeitenwende. München, Beck, 2002.

 

 

1. Münz R: Demografische Vergangenheit und Zukunft der Industriegesellschaften Europas.

Schweiz Monatsh 1998;78/11:19–30.

2. Birg H: Die Weltbevölkerung: Dynamik und Gefahren. München, Beck, 1996.

3. Knussmann R: Die bevölkerungsbiologische Situation und die Zukunft des Menschen; in Knussmann R: Vergleichende Biologie des Menschen. Lehrbuch der Anthropologie und Humangenetik. Stuttgart, Fischer, 1996, pp 449–474.

4. Miegel M, Wahl S: Das Ende des Individualismus: Die Kultur des Westens zerstört sich selbst. München, Verlag Aktuell, 1998.

5. Wanner P: Die Geburtenhäufigkeit der Ausländerinnen in der Schweiz seit 1981. DEMOS

Informationen der Demografie. Neuchâtel, Bundesamt für Statistik, 1996.

 

 

 

Wenn die Opfer zu Tätern werden

Am 3. April sterben zwei obdachlose algerische Asylbewerber elendiglich in Basel. Während der Reichtum dieses Landes prahlend an der Uhren- und Schmuckmesse in Basel zur Schau getragen wird, suchen zwei verzweifelte Menschen in einem Gartenhaus Schutz für die Nacht. Um sich zu wärmen, entfachen sie ein Feuer mit einem Grillofen. Tragischerweise ersticken sie im Rauch der Holzkohle.

Keine zehn Zeilen sind diese zwei Menschenleben unseren Zeitungen wert. Und der Gipfel der Gefühllosigkeit: das unbewilligte Betreten des Gartenhauses wird erwähnt, von Einbruch ist die Rede! So schnell können Opfer zu Tätern gemacht werden.

Diese zwei Todesfälle sind keine Zufälle. Dahinter steckt eine unerbittliche Abschreckungslogik. Der Aufenthalt in der Schweiz soll für Asylbewerber explizit unattraktiv gemacht werden. Dafür verantwortlich zeichnet ein Migrationsminister, der ein bekennender Apartheidsfreund war und der als Justizminister unverhohlen die eigenen Gerichte und die Verfassung verhöhnt.

Um dagegen unsere Wut auf die Strasse zu tragen, findet dieses Jahr am Flüchtlingstag unter dem Motto «Wir sind die Schweiz. Kein Mensch ist illegal» wieder eine gesamtschweizerische Demonstration statt.

Der Ausgang unserer Wette im letzten Jahr, aus dem bis dahin braven Flüchtlingstag mit Kebab-Ständen, Frühlingsrollen und Folkloretänzen eine freche Demonstration gegen die Blocherpolitik zu machen, war alles andere als gewiss. Das Initiativkomitee für die Demo war damals sehr klein. Am Anfang waren wir keine 10. Zum Schluss waren wir aber an die 10‘000. Der Aufwand hatte sich -zigfach gelohnt. Deshalb beschlossen wir im Demokomitee, solange mit der Umgestaltung des Flüchtlingstages weiterzumachen, bis sich der besagte Apartheidsfreund von den Schalthebeln der Macht verabschiedet hat.

So kommt es, dass wir wieder aufrufen:

Alle nach Bern zum 17. Juni

Wir hoffen dieses Jahr noch zahlreicher zu sein, nicht zuletzt, weil das Referendum gegen die verschärften Asyl- und Ausländergesetze erfolgreich ergriffen wurde. Über 100‘000 Menschen setzten ihre Unterschriften hinter das Anliegen einer offeneren Schweiz. Warum sollte auf diesem Hintergrund nicht die grösste Kundgebung für eine menschlichere Asyl- und Migrationspolitk zustande kommen, die es je in der Schweiz gegeben hat?

Claude Braun C.E.D.R.I.

 

 

verfasst von Claude Braun C.E.D.R.I.,  10.05.2006, eingestellt von Claude
Thema im Archipel 138 (05/2006)
Tags: DEMOGRAPHIE
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 138 (05/2006)

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