Die Landwirtschaft Sloweniens
ute


Die Landwirtschaft


Slowenien mit 2 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 20.000 km2 ist ein junger Staat, der 1991 aus dem Vielvölkerstaat Jugoslawien hervorgegangen ist. Fast 90 Prozent der Landesfläche wird als ländlicher Raum eingestuft (Siedlungsdichte unter 150 Einwohner pro km2). Hier leben 57 Prozent der Bevölkerung. Mehr als die Hälfte des Landes ist bewaldet.


Die landwirtschaftliche Nutzfläche besteht zum Großteil aus Wiesen und Almen. Daraus ergibt sich eine kleinstrukturierte, bäuerliche Landwirtschaft mit nur 5,6 ha landwirtschaftliche Nutzfläche pro Hof. Mehr als die Hälfte der Höfe haben weniger als 10 ha. Die Familienbetriebe mit insgesamt 120.000 Arbeitsplätzen bearbeiten 94 Prozent des Landes; nur 6 Prozent werden von Großgrundbesitzern und größeren landwirtschaftlichen Gesellschaften bewirtschaftet.


Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Slowenien ein agrarisch geprägtes Land. Nach der kommunistischen Revolution 1945 wurden die Kirche und andere Großgrundbesitzer enteignet. Der Staat wurde rasch und planmäßig industrialisiert. Größere Industrieunternehmen siedelte man auch in entlegenen Gebieten an, um der Landflucht vorzubeugen. Der ländliche Charakter Sloweniens blieb erhalten. Bis heute fühlen sich die Slowenen mit dem ländlichen Leben verbunden und kaufen am liebsten bei ihren Bauern ein. Der hochwertige Wein wird nicht exportiert, sondern im Inland verbraucht. Slowenien erreicht einen Selbstversorgungsgrad von 80 Prozent. Überschüsse werden bei Milch, Hopfen und Geflügel erzielt.


Wie in Österreich haben Ausgleichszahlungen für Bergbauern in Slowenien Tradition. Die Stützungen für die Landwirtschaft wurden in den letzten Jahren verdoppelt. Sie betragen 80,- Euro pro Hektar für Bergbauernhöfe und 40,- Euro pro Hektar für Almen. Angesichts des nahenden Beitritts zur EU im Jahr 2004 verstärkt Slowenien seine Anstrengungen in der Landwirtschaft. Slowenien wäre vom ersten Tag des Beitritts Nettozahler, könnte das Land nicht über die Kofinanzierung von Landwirtschafts- und Umweltprogrammen Geld von der EU zurückholen. Nach österreichischem Vorbild hat Slowenien alle Gebiete, die höher liegen als 700 m, mehr als 20 Prozent Hangneigung haben, eine Agrarquote von über 15 Prozent aufweisen oder mit weniger als 60 Einwohner pro km2 bevölkert sind, zusammen 85 Prozent der Landesfläche, zu benachteiligten Gebieten erklärt, für die besondere Förderungen gelten.


In Anlehnung an das österreichische ÖPUL hat Slowenien das Slowenisches Landwirtschafts- und Umweltprogramm SKOP für den Zeitraum 2001-2006 eingeführt. Seine Inhalte:


- nachhaltige, umweltschonende Bewirtschaftung erhalten


- negative Einflüsse der intensiven Bewirtschaftung verringern


- Ausbildungsprogramme fördern


- Nahrungsmittelsicherheit gewährleisten


- Biodiversität erhalten und erweitern


Slowenien hat in quasi vorauseilendem Gehorsam als erstes der Beitrittsländer die teils widersprüchlichen Instrumente der GAP schon in der Vorbeitrittsphase eingeführt und gleichzeitig versucht, die Qualität der Nahrungsmittel zu sichern und die bäuerlichen Familienbetriebe zu erhalten. Mit dem EU-Beitritt wird sich die Konkurrenz durch landwirtschaftliche Produkte aus der EU verstärken. Die slowenische Agrarpolitik ist deshalb gut beraten, eine echte Reform der GAP in Richtung Ökologisierung und Sicherung der Lebensgrundlagen für künftige Generationen zu fordern. Von den zehn zukünftigen Mitgliedern der EU hat Slowenien sicher die günstigsten Bedingungen für seine Landwirtschaft ausgehandelt, dank vor allem der großen Flächen, die im Berggebiet liegen. Dennoch ist geplant, dass im Lauf der kommenden Jahre über die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe verschwinden sollen – von 65.000 auf 30.000. Das Durchschnittsalter der Bauern ist hoch, ein Großteil von ihnen ist über 60 Jahre alt. Um sich niederzulassen und Subventionen zu erhalten, muss man aber unter 35 Jahre alt sein und mindestens 10 Hektaren besitzen.


Heike Schiebeck


Flächennutzung in Slowenien


Nutzungsart Fläche in %


Bebaute Fläche (Siedlungen) 3,0


Landwirtschaftlich nutzbare Fläche 38,0


Forstwirtschaftlich nutzbare Fläche 56,5


Unfruchtbar 2,5


Landwirtschaftliche Flächen nach Nutzungsart


Nutzungsart Fläche in %


Weinberge 3,3


Wiesen und Almen 59,6


Äcker und Gärten 34,2


Obstgärten 2,9

verfasst von Heike Schiebeck( Longo Mai),  06.03.2003, eingestellt von ute
Thema im Archipel 103 (03/2003)
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 103 (03/2003)

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