DOSSIER LANDWIRTSCHAFT : Die Landwirtschaft ? Achillesferse der Globalisierung
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Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des Buches des Agrarwirtschaftswissenschaftlers Jacques Bertholet*, in dem er die Mechanismen der amerikanischen und europäischen Abkommen und Subventionen in der Landwirtschaft analysiert.


Der Norden produziert Überschuss, im Süden herrscht Mangel. Einem Bericht der FAO zufolge sind etwa eine Milliarde Menschen unterernährt, davon drei Viertel in der bäuerlichen Welt.


Dieses Buch diente einigen Hunderten von Vereinigungen in Frankreich als Basis für eine Kampagne für die sofortige Neuorientierung der europäischen Landwirtschaftspolitik (GLP), kurz vor der nächsten "Runde" der WTO (Welthandelsorganisation), die sich diesmal um ein "allgemeines Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen" drehen wird und wo auch die Landwirtschaft auf dem Spiel steht.


Historischer Hintergrund


Die Landwirtschaft hat sich im Lauf der Jahrhunderte nur langsam entwickelt. In den reichen Ländern des Westens beginnt die agrarische Revolution mit all ihren Abweichungen nach dem Ersten Weltkrieg. Die Amerikaner bringen die Ford-Traktoren auf den Markt, das Pferd verschwindet als Zugtier, sein Mist als Dünger. Millionen Hektaren, auf denen früher Heu und Hafer für die Pferde produziert wurden, werden frei (ein Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der USA). Dies kommt der Entdeckung eines neuen Kontinents gleich. Soja, eine Leguminose, die den Sauerstoff der Luft fixiert und die Böden anreichert, ersetzt den Mist. Die Herstellung des eiweissreichen Sojakuchens in Verbindung mit Mais sind der Ausgangspunkt der Industrialisierung der Viehzucht. Das GATT (Abkommen über die Zolltarife und den Handel), Vorläufer der WTO (Welthandelsorganisation), wird 1947 gegründet, um den vom Krieg angeschlagenen Welthandel wieder in Gang zu bringen.


In Europa beginnt die "landwirtschaftliche Revolution" erst nach 1945 mit der massiven Einführung von Traktoren, Kunstdünger, Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln - Technologien, die während der zwei Weltkriege entdeckt und entwickelt worden waren. Die GLP beginnt in den sechziger Jahren mit dem Ziel, dass Europa in bezug auf seine Ernährung autonom wird. Die USA akzeptierten damals, dass Europa seinen Getreidemarkt schützt unter der Bedingung, dass Soja ohne Einschränkungen eingeführt werden darf. Dieses Abkommen ist der Ursprung der zukünftigen Funktionsweise der GLP und hat die Intensivierung der Viehzucht zur Folge.


In den siebziger und achtziger Jahren produzierte Europa einen Überschuss an Wein, Milch, Zucker und Fleisch. 1986 passt sich die GLP dem Freihandelsmodell des GATT und an die Globalisierung des Marktes an, interveniert aber gleichzeitig massiv, um seine Überschüsse zu exportieren. Maßnahmen werden beschlossen, um die negativen Folgen der Industrialisierung einzuschränken (Mac Scharry 1992, Fischler 1999, Agenda 2000), ohne sie jedoch grundsätzlich in Frage zu stellen. Die Lobbies der Agro-Industrie sind mächtig geworden und sitzen sowohl in Brüssel als auch in den Ministerien.


Das Scheitern der "Milleniumsrunde" in Seattle 1999 deckt die Tragweite der totalen Privatisierung des Landwirtschaftssektors auf.


Einige Zahlen


In der Zwischenzeit ist die Europäische Union auf 15 Mitglieder angewachsen und hat drei Viertel ihrer Landwirte verloren (es gibt noch sieben Millionen, was vier Prozent der aktiven Bevölkerung entspricht). In Frankreich war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch die Hälfte der aktiven Bevölkerung und noch ein Drittel nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Durchschnittsgröße eines europäischen Betriebes beträgt zur Zeit 18 bis 20 Hektaren. Die Erträge sind etwa 120 Zentner pro Hektar für Mais, 60 Zentner für Weizen, aber mit großen Unterschieden: Im portugiesischen Alentejo liegt der durchschnittliche Ertrag noch bei 10 Zentnern pro Hektar für Weizen.


In den USA gibt es drei Millionen Landwirte (ein Prozent der aktiven Bevölkerung) mit einer Durchschnittsfläche pro Betrieb von 200 Hektaren und einem Durchschnittsertrag von 30 Zentnern pro Hektar für Getreide.


Auf Weltebene ist die Situation ganz anders, denn die Bauern stellen noch über 45 Prozent der aktiven Bevölkerung dar, vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika, wo sie hauptsächlich eine Subsistenzlandwirtschaft außerhalb der Handelsmechanismen betreiben, mit wenig Geldzirkulation, viel Handarbeit und wenig Arbeitstieren auf Flächen von einigen Aren bis 1 oder 2 Hektaren. Was haben heute ein amerikanischer oder europäischer Landwirt, der pro Jahr 1500 bis 2000 Tonnen Getreide produziert, und ein Bauer aus Mali, der jährlich eine Tonne produziert, gemeinsam? In Afrika stagnieren die Getreideerträge bei 7 bis 8 Zentner pro Hektar, wie in Europa im Mittelalter oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Jeder amerikanische Landwirt erhält eine Subvention, die dem Hundertfachen des Einkommens eines philippinischen Maisproduzenten entspricht. Heute kostet ein Kilo Brot soviel wie 30 Kilo Weizen (mit denen man 30 Kilo Brot herstellen kann).


Mystifizierung


Die Theorie der "vergleichbaren Vorteile" von Ricardo (1817) zieht eine Spezialisierung der Produktionen in den verschiedenen Regionen, Ländern und Kontinenten sowie einen Rückgang des Bauerntums in der ganzen Welt nach sich. Im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts wird dieses Prinzip der "vergleichbaren Vorteile" mit Gewalt durchgesetzt (Kolonialismus, Imperialismus). Die Länder, die vom Kolonialismus nach diesen Vorteilen "spezialisiert" wurden, sind "unterentwickelt" geblieben (Afrika, Lateinamerika) und sehr anfällig auf Krisen (Kaffee, Kakao, Bananen). Die "asiatische Krise" von 1997 deckte ein Wirtschaftswachstum auf, das sehr vom Export ausländischen Kapitals abhing. Die Länder, die ihre Landwirtschaft geschützt hatten wie Taiwan und Südkorea, sind besser durchgekommen. Ehrlichkeitshalber muss noch dazu gesagt werden, dass die anderen Länder (Indien, China, Brasilien, USA, Europa) ihre Industrie im Schatten eines starken Protektionismus ihrer Landwirtschaft aufbauten.


Chancengleichheit


Es gibt zwischen Ländern und Kontinenten enorme Unterschiede in bezug auf die Fruchtbarkeit der Böden, des Klimas, der Kultur usw.


In Europa wurden bedeutende Mittel freigestellt, um die ärmeren Ländern des Südens (Portugal, Griechenland, Spanien) und Irland zu unterstützen. Andere Hilfen existieren, um "natürliche Handicaps" in gewissen Regionen auszugleichen (Berggebiete, trockene oder feuchte Zonen usw.) Die Wechselkurse der verschiedenen Währungen sind auch Faktoren für diese Ungleichheiten.


Preise und Kosten


Die heutige Berechnung von Preisen und Kosten sind auch äußerst diskutabel. Trotz der strukturellen und konjunkturellen Fluktuationen (Klima, Bevölkerungswachstum... beziehungsweise Finanzkrise, Naturkatastrophen, Kriege...) haben die Preise die Tendenz, sich denen des Weltmarktes anzugleichen, die wiederum von subventionierten Exporten bestimmt sind, die nur zehn Prozent der landwirtschaftlichen Produktion sowohl des Weltmarktes als auch Europas ausmachen.


Aber äußerst niedrige Weltmarktpreise heißt auch nichts mehr, wenn diese unter den Produktionskosten liegen. Seit 1990 sind die landwirtschaftlichen Preise in Europa um 15 Prozent gefallen, während die Preise für Nahrungsmittel um 11 Prozent gestiegen sind. Dieser Preisabfall, der durch diverse Unterstützungen verstärkt wird, kommt den Konsumenten nicht zu gute: er ermöglicht der Nahrungsmittelindustrie und den Großverteilern eine steigende Gewinnspanne, denn auf diese Weise können sie billige Rohstoffe einkaufen.


Obwohl der steuerzahlende Konsument letztendlich dafür aufkommt, werden von der industriellen Landwirtschaft verursachte Schäden nicht in die Kostenrechnung einbezogen (weniger Landwirte und Abnahme der ländlichen Bevölkerung, Umweltzerstörung, Krisen in Lebensmittel- und Tierproduktion auf Grund von Konzentration und Spezialisierung).


Die indische Agronomin Vandana Shiva analysiert die "grüne Revolution" in ihrem Land und die daraus entstehenden Kosten anders. In Indien, das traditionell auf Polykultur ausgerichtet ist, werden mit fünf Einheiten an Aufwand (Arbeitskraft, Dünger, lokales Saatgut...) 100 Nahrungseinheiten erwirtschaftet. Die industriellen Monokulturen benötigen für das selbe Resultat 300 solcher Einheiten (hybrides oder genmanipuliertes Saatgut, Kunstdünger, Herbizide, Diesel): 295 vergeudete Einheiten hätten 5900 zusätzliche Nahrungsmitteleinheiten produzieren können. Folglich sind sie keine Lösung für den Hunger in der Welt, sondern schaffen zusätzlichen und treiben die Bauern in die Städte. In diesen Ländern beruhen die zum Export bestimmten Monokulturen auf kurzhalmigen Getreidesorten. Das bedeutet weniger Stroh und somit weniger Mist. Die Folgen sind ärmere Böden, weniger bewirtschaftete Flächen und weniger Herden, ein Mangel an Mistfladen zum Heizen und die Verarmung der Bauern. Die zur Unkrautvertilgung eingesetzten Mittel vernichten auch zahlreiche Wildpflanzen, die in der indischen Ernährung verwendet werden.


Direkte und indirekte Hilfen


Jegliche Form von interner Hilfe - sei sie direkt oder indirekt, an die Produktion gebunden oder nicht - bedeutet einen wirksamen Schutz gegen Importe: Indem sie die inländischen Preise künstlich verringert, verkleinert sie das notwendige Importvolumen. Durch künstliches Senken der Produktionskosten, Anheben des Einkommens oder durch Verringern des Verlustes werden die Landwirte wettbewerbsfähig gemacht. Folglich kann gesagt werden, dass jede Hilfe protektionistisch ist. Aber nur die westlichen Länder haben die finanziellen Mittel, ihre Landwirtschaft zu stützen und zu schützen.


Die Perversion der Hilfen


Die direkten Stützungen für Mais- und Sojakulturen in Amerika oder für Hartweizen in Frankreich zum Beispiel bedeuten eine Einkommensgarantie und orientieren die Produktion. Sie geben den Anreiz, mehr zu produzieren, unter Missachtung jeglichen Preisniveaus und tragen so zum Preisverfall auf dem Weltmarkt bei.


Der Produzent erzielt einen größeren finanziellen Vorteil, wenn er ein Maximum an Land bestellt, auch wenn gewisse Böden nur kleine Erträge aufweisen. Die traditionell auf Nutzung von Weideland basierende Tierzucht verschwindet zugunsten einer industriellen Viehzucht, die Mais, Weizen und Soja verfüttert (Hühnchen, Schweine, Rinder, Milchprodukte).


In Anbetracht der sinkenden Preise und Stützungen, treffen die Landwirte bevorzugt die Wahl - wenn möglich - mehr zu produzieren mittels einer Betriebsvergrößerung. An Stelle zahlreicher sozialer und Umwelt erhaltender Aufgaben, welche die Landwirtschaft kostenlos erfüllt, tritt Intensivierung und Spezialisierung.


Die Stützungen sind sehr ungleich auf die Produzenten verteilt und bewirken eine Diskrepanz zwischen Produktionen und Regionen, begünstigen beträchtliche Bargeldeinkünfte und das Steigen der Bodenpreise. Dank der Subventionen pro Hektar oder pro Vieheinheit können die Getreidebauern und großen Viehzüchter ihre Wachstumsstrategie weiter verfolgen.


All diese Stützungen fördern wettbewerbsfähig gemachte Exportgüter der reichen Länder, sind eine unfaire Konkurrenz gegenüber den Bauern der südlichen Länder und verhindern deren wirtschaftliche Entwicklung.


Die künstlich billigen Nahrungsmittelimporte führen zu einem Verlust jeglichen Interesses an der Produktion. Ein Beispiel dafür ist die russische Krise von 1998/99. Die europäischen Lebensmittelhilfen machten es der russischen Nahrungsmittelindustrie unmöglich, die Krise und die rückläufige Einfuhr von weniger konkurrenzfähig gewordenen Importgütern auf Grund der Abwertung des Rubels zu nutzen. Im selben Zug wurden polnische Kleinproduzenten ruiniert, die ihre Schweine nach Russland ausführten.


Mittel- und Osteuropa


Die mittel- und osteuropäischen Länder sind von einer großen Anzahl kleinster Selbstversorgerhöfe geprägt: 10 Millionen Menschen der aktiven Bevölkerung in den 10 zukünftigen Beitrittsländern sind davon betroffen, vor allem in Polen und Rumänien. Mit ihren wenigen Hektaren kommt diesen Höfen eine wichtige Rolle zu. In Rumänien stieg sogar auf Grund der Industrieflaute die Anzahl der in der Landwirtschaft tätigen Personen von 30 auf 40 Prozent während der letzten 10 Jahren. In Brüssel wird das "versteckte Arbeitslosigkeit" genannt, unlauterer Wettbewerb, es ist aber Widerstand, um nicht von der Globalisierung platt gewalzt zu werden.


Die systematische Subventionierung von europäischen Nahrungsmittelexporten erklären nur zu gut ein seit 1992 steigendes Defizit, das entsprechende Produkte in diesen Ländern erreichen. Eine Ausnahme dazu bildet Ungarn mit besseren Schutzmechanismen für den eigenen Markt. Diese Exportsubventionen beeinträchtigen in gleichem Maß die Ausfuhr von Agrarerzeugnissen aus den Ländern, die für den Europabeitritt kandidieren und eigene, lokale Produktionen, die aufgegeben werden.


Durch die Liberalisierung des Marktes für Grund und Boden entstehen als Nachfolger der sozialistischen staatlichen Genossenschaften riesige Agrargesellschaften von 700 bis 2000 Hektaren, die durch eine Spezialisierung auf Getreideanbau rentabel werden. Hoch mechanisiert verlangt dieser nur wenige Arbeitskräfte, ist stark subventioniert und verdrängt die existierende Tierproduktion. In großen Zucht- und Mastanlagen ohne Weidewirtschaft wird letztere neu aufgezogen, wie man auch in den neuen Ländern der BRD beobachten konnte.


Unter diesen Bedingungen auch nur die Hälfte der durchschnittlichen europäischen Produktivität zu erreichen, würde für diese Länder die Zerstörung von vier Millionen Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft bedeuten: mit anderen Worten eine regelrechte Zeitbombe.


Früher oder später wird die EU die sozialen Auswirkungen der landwirtschaftlichen Erweiterung auf den eigenen Arbeitsmarkt mit tragen, denn das Recht auf Reisefreiheit gilt für das gesamte Territorium des erweiterten Europa.


Schlussfolgerungen und Vorschläge


Die WTO gleicht einer Maschine, die neben Menschen auch Zivilisationen verschlingt und zerstört; die man auch Zivilisation des "Reis -, Mais-, Hirse- und Weizen" nennen kann, denn so kulturell prägend können Nahrungsmittel sein.


Jacques Berthelot schlägt einige einfache und billige Maßnahmen vor, um aus dem Teufelskreis heraus zu kommen. Das Hauptproblem der reichen Länder ist heute nicht der Mangel an Produkten, sondern ihr Überschuss, und es wäre unsinnig die europäische oder amerikanische Landwirtschaftspolitik vorrangig darauf auszurichten, diesen Überfluss subventioniert zu exportieren.


Das sicherste Mittel, eine Entwicklung in den Südländern zu fördern, ist die Unabhängigkeit ihrer Nahrungsmittelproduktion zu begünstigen.


Zuerst muss jedem Land, sei es im Süden oder im Norden, das Recht zugestanden werden, seinen Binnenmarkt vor Importen zu schützen. Tatsächlich ist dies die einzige den südlichen Ländern zugängliche Form, ihren lokalen Produkten die Konkurrenzfähigkeit zu garantieren, dadurch Steuern einzunehmen und diese in den Dienst einer Entwicklung der inländischen Produktion zu stellen.


Der Schutz vor Importen ist hauptsächlich eine andere Methode, die das selbe Ziel der internen Unterstützung verfolgt: ein höheres Vergütungsniveau und besserer Schutz der eigenen Erzeuger.


Die direkten Hilfen müssen aufgehoben und durch ein Anheben der Preise für die Produktion ersetzt werden. Besagte Stützungen machen 50 Prozent des Nettoeinkommens von französischen Betrieben aus und sogar 100 Prozent für bestimmte Produktionen (Fleischrinder, Getreide, proteinhaltige Ölpflanzen...).


Um den perversen Folgen der Stützungen ein Ende zu setzen, muss die Produktion kontrolliert werden. Das bedeutet, beträchtliche konkurrenzunfähige Überschüsse für den Weltmarkt nicht subventionieren zu müssen, um interne Preiseinstürze, die Konzentration von Produktionen und die Isolierung von gewissen Regionen zu vermeiden.


Die Stützungen müssen umorientiert werden und einer Landwirtschaft zu gute kommen, die sich von der Intensivierung abwendet und mit einfachen Maßnahmen und bodenständigem Menschenverstand die Umwelt erhalten: Rückkehr zu Fruchtfolgen auf Grundlage von Leguminosen, Wiedereinführung der Viehzucht, wo sie verschwunden ist, Wiedereinführung von rustikalen und geeigneten Sorten und Rassen, Förderung einer Umkehr zur Weidewirtschaft, um die Sojaimporte einzuschränken und den Getreidearten ihre ursprüngliche Rolle zurückgeben, nämlich die Menschheit zu ernähren.


Statt jährlich 300 Milliarden Euros an die westlichen Bauern zu verteilten, könnte dies dem Steuerzahler erspart bleiben oder umverteilt werden, um ein reges Leben in den ländlichen Gebieten zu erhalten mit zahlreichen und unterschiedlichen Akteuren.


Sollte die EU auf die Vorschläge der WTO eingehen und ihrer Landwirtschaft völlig die schützenden Maßnahmen entziehen, würden nur einige Tausende Landwirtschaftsbetriebe, die ein Mindestmaß an internationaler Konkurrenzfähigkeit aufweisen, in dafür geeigneten europäischen Regionen überleben.


Das Aufheben aller Stützungen, wie es die Ultraliberalen der "CAIRN-Gruppe" (15 große Länder, die ihre Exportware nicht subventionieren und ihre "vergleichende Vorteile" zu Geltung bringen) und zahlreiche mittellose Länder verlangen, sowie die uneingeschränkte Konkurrenz des Marktes, wird die Preise noch mehr in die Tiefe ziehen. Dadurch wird die Wirtschaft der armen Länder noch mehr ruiniert, ihre Exporte sinken und ihre Importe steigen.


In den Ländern des Südens und des Ostens wird vorrangig Landwirtschaft betrieben und es existiert keine Industrie, die in der Lage wäre, die zur Abwanderung aus den ländlichen Gebieten gezwungenen Menschen aufzufangen, wie im Fall von England im 18. Jahrhundert und im 19. Jahrhundert in Frankreich.


Wie der Untertitel seines Buches besagt, gibt Jacques Berthelot "Schlüssel zu einem solidarischen Landwirtschaftsabkommen in der WTO".


Zahlreiche landwirtschaftliche Gewerkschaften, die innerhalb von Via Campesina organisiert sind, gehen jedoch noch weiter und fordern, die Landwirtschaft aus den Verhandlungen der WTO herauszunehmen. Jedem Land soll das Recht auf Autonomie zugestanden werden, damit eine unabhängige ausreichende Nahrungsmittelproduktion gewährleistet ist, die den Grundbedürfnissen seiner Bevölkerung entspricht.


*Jacques Berthelot, "Die Landwirtschaft – Achillesferse der Globalisierung", L’Harmattan 2001

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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 103 (03/2003)

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