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DOSSIER LANDWIRTSCHAFT: Notkomitee für die Erhaltung der Weizenvielfalt

Auch in diesem Jahr wächst auf den Flächen der Genbank für Kulturpflanzen in Gatersleben gentechnisch veränderter Weizen. Ungeachtet von zigtausend Protestbriefen beharrt die Genbank auf der Weiterführung dieser Freilandversuche, mit denen sie im Jahr 2006 begonnen hat, obwohl sie damit ihren Ruf als sichere und eine der weltweit wichtigsten Genbanken zerstört.


 


Sie wird zu einem Gefahrenherd für eine weltweite Kontamination von Weizen, wenn man bedenkt, dass sie jährlich mehrere hundert Weizenproben in die ganze Welt verschickt und nicht mehr garantieren kann, dass diese Proben gentechnikfrei sind.


In der Archipel-Ausgabe von Juli-August 2007 veröffentlichten wir den Aufruf des «Internationalen Notkomitees zur Erhaltung der Weizenvielfalt ohne Gentechnik», welches auf der internationalen Saatgut-Tagung im Mai 2007 in Halle gegründet wurde. Im vergangenen Herbst hat das Notkomitee 400 Weizenproben auf Anfrage von der Genbank erhalten und an freiwillige Erhalter verteilt. Die Proben stammen von Restbeständen der Sorten, die parallel zu den Gentechnikversuchen in Gatersleben ausgesät wurden. Von ihnen kann die Genbank in Zukunft nicht mehr garantieren, dass sie gentechnikfrei sind.


Eine sinnvolle Verteilung der Sorten an Bauern und Gärtner ist allerdings nicht ganz einfach. Bisher haben viele Menschen aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich reagiert, und eine oder mehrere Sorten übernommen. Die Weizen-sorten in Gatersleben kommen ursprünglich aber aus allen Kontinenten und sind teilweise überhaupt nicht an das europäische Klima angepasst. Deshalb ist es unser Ziel, sie wieder in ihre Herkunftsregionen zurückzubringen. Für die Erhaltung in anderen Ländern und Kontinenten müssen wir erst Kontakte herstellen. Wer uns dabei behilflich sein kann, findet den Aufruf des Notkomitees in verschiedenen Sprachen auf der web-Seite: www.forumcivique.org.


Auch in diesem Jahr haben wir alle bedrohten Sorten von der Genbank angefordert und hoffen, noch vor dem Herbst genügend Erhalter in Europa und darüber hinaus zu finden. Wer sich daran beteiligen möchte, erreicht uns unter der unten angegebenen Adresse.


Alle, die sich für unsere Arbeit interessieren, können uns bei folgenden Gelegenheiten kennenlernen.


Vom 19. bis 21. Mai in Bonn auf dem Vielfalts-Markt anlässlich der beiden UNO-Konferenzen über Biodiversität COP9 und MOP 4. Das Notkomitee verlangt, dass die Gefahr der Kontamination von alten Sorten in Gatersleben auf den Konferenzen diskutiert wird.


Am 29. Juni in Rheinau (CH) in der gentechnikfreien Zone Genau-Rheinau im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Deutschland. Dort hat der Getreidezüchter Peter Kunz zweihundert der Sorten aus Gatersleben ausgesät und wird für alle Interessierten die Sorten in ihrem Reifezustand begutachten. Wir werden mit ihm darüber reden, worauf jeder achten muss, wenn er eine alte Sorte bei sich erhalten will. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr, wer daran teilnehmen will, sollte sich bei Longo Mai, St. Johannsvorstadt 13, 4004 Basel, e-mail: eurocoop@swissonline.ch anmelden.


Der Bericht über die Saatgut-Tagung in Halle ist inzwischen in deutscher Sprache erschienen, demnächst folgt er in Englisch und Französisch. Die Broschüre hat 65 Seiten und gibt die Vorträge und Diskussionen zu folgenden Themen wieder:


- Die Rolle der Genbanken für die Erhaltung der Pflanzenvielfalt


- Die bäuerliche und gärtnerische Erhaltung der Pflanzenvielfalt


- Die Bedeutung des Weizens und die aktuelle Bedrohung seiner genetischen Grundlagen


- Saatgutpolitik in der EU und weltweit und die Verschärfung der Saatgutgesetze


- Zuletzt geht es um die Gründung eines europäischen Saatgut-Netzwerkes und die Liste aller Teilnehmer und ihrer Organisationen.



 

Der Bericht kann für 3 Euro/5 SFr. plus Porto beim Europäischen BürgerInnenforum bestellt  werden.


Adresse Notkomitee:


St. Johanns-Vorstadt 13, CH-4004 Basel, eurocoop(at)swissonline.ch


 

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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 160 (05/2008)

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