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DOSSIER SAATGUT: Internationaler Aktionstag in Brüssel

Anlässlich der ersten Vorbereitungsversammlung im Dezember für das Internationale Treffen über Saatgut im April in Brüssel lernten wir mehrere Mitglieder des Vereins Le début des haricots1 kennen. Sie gehören nun bereits zum aktiven Kern des belgischen Vorbereitungskomitees. Eric Pauporté ist ebenfalls eine wichtige Stütze für die Organisation dieses Ereignisses. Er beteiligt sich an einer interessanten Initiative: Le jardin de la Fraternité ouvrière. Wir wollen diese beiden Projekte in unserer Aprilnummer vorstellen.2
«Le Début Des Haricots» (DDH) entstand im Jahre 2005. Einige LandwirtschaftsstudentInnen in Ath (Südbelgien) waren sich einig, dass angesichts der katastrophal ungesunden Ernährung und dem Identitätsverlust der städtischen Bevölkerung unbedingt etwas unternommen werden müsste. Das Projekt begann mit drei solidarischen Einkaufsgruppen in der Region von Brüssel, die mit einem Gemüsebauern zusammenarbeiteten. Aber das Ziel war auch, selbst an Ort und Stelle in Brüssel zu produzieren.

Seither hat DDG fünf Hauptaktivitäten entwickelt:

- Die GASAP (Groupement d’Achat Solidaire de l’Agriculture paysanne), solidarische Einkaufsgruppen, von denen es heute in Brüssel 38 gibt. «Die Nachfrage ist sehr groß, es gibt eine Warteliste von 500 Haushalten.»
- Einen Gemüsegarten von fast einem Hektar, von vier Arbeitslosen und einem Ausbilder betreut. Die Gemüsepakete werden per Esel geliefert, der auch den Boden bearbeitet. «Wir produzieren Gemüse, das die Leute 500 Meter weiter weg verzehren. Das ist ein bisschen meine Motivation, für eine andere Welt zu kämpfen und auch Freude daran zu finden.»
- Ein pädagogisches Projekt: «Dieses Projekt nennt sich «Garten der Farben»: Während längerer Zeit werden Schulklassen betreut mit der Idee, durch die Schaffung eines Garten direkt in der Schule die Nahrungsmittel besser kennenzulernen und so auch besser zu verstehen, was bäuerliche Landwirtschaft bedeutet.»
- Im Moment gibt es fünf Kollektivgärten, die von DDH geführt werden und zwanzig weitere, die diesem Beispiel folgten. «Sie sind kollektiv organisiert, was das Pflanzen und Ernten betrifft. Die Leute lernen, die Gärten nach ihren Bedürfnissen zu gestalten. Wir vermitteln zwischen dem Kollektiv und dem privaten oder öffentlichen Besitzer und helfen mit technischen Ratschlägen. Diese kollektive Verbundenheit macht einen großen Unterschied im Vergleich zu individuellen Gärten. Sie schafft eine gemeinsame Kraft, und es ist auch viel schwieriger für einen Besitzer, Leute die organisiert sind, rauszuschmeissen.»
- Die Verarbeitung von Gemüse und vor allem das Liefern von Mahlzeiten für Feste, Festivals oder Konferenzen. «Für mich ist diese Küche eine Art molekularer Diffusion von unserer Utopie. Man verarbeitet Gemüse, das wir auf biologisch-dynamische Weise produziert haben."
Die Region von Brüssel erklärte sich als genfreie Zone und will die Entwicklung von biologischen Bauernhöfen fördern. Es gibt etwa 500 Hektar Land in der Grünzone, die nicht urbanisiert werden kann. Also viel Platz für neue Gärten... «Die Leute interessieren sich, die Mentalitäten ändern sich, und wenn es sich auch nicht um die große Revolution handelt und die Supermärkte noch nicht bankrott gegangen sind, so reden doch viele Leute darüber.»
Für unsere Freunde von DDH ist die Thematik des Saatguts eine logische Folge: «In der Bewegung der GASAP redet man immer von lokalem Vertrieb. Man denkt dabei fast ausschließlich an das Vertriebsnetz zwischen Produzent und Konsument. Aber es gibt eine ganze Produktionskette vor dem Produzenten, die man umgehen könnte. Die Akkumulation von Kapital der großen Saatgutmultis ist etwas, das wir überhaupt nicht benötigen. Es geht hier um eine grundlegende Diskussion: Boden, Wasser und Saatgut. Mit diesen drei Elementen müssen wir uns in der GASAP auseinandersetzen. Wir machen urbane Landwirtschaft, damit sie in der Vorstellung der Städter konkreter wird. Einige von ihnen glauben noch, dass die Karotten in Büchsen wachsen und dass Saatgut nur in einem Geschäft gekauft werden kann. In Wirklichkeit können wir es in unseren Gärten selbst produzieren.»


Für weitere Informationen (auf französisch): http://www.haricots.org/

und http://www.gasap.be/

1. Im Französischen gibt es den bekannten Ausspruch «la fin des haricots», was ungefähr heißt, dass nichts mehr geht. Die Gruppe hat dieses Sprichwort für ihre Bezeichnung völlig umgekrempelt.

2. Es handelt sich hier um Auszüge aus der Radiosendung «Le début des haricots», produziert von Radio Zinzine mit Laurence, Olivier, Thomas und Maarten von DDH sowie Nicholas Bell vom EBF.

 

 

 

 

 

 

verfasst von Nicholas Bell (Radio Zinzine),  19.05.2011, eingestellt von ute
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 192 (04/2011)

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