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DOSSIER SOC/ ANDALUSIEN: Anwälte, Juristen, haltet Euch bereit!

Die gewerkschaftliche Repression hat in Spanien eine lange Geschichte. Unter Franco waren alle unabhängigen Gewerkschaften verboten. Doch sogar noch nach seinem Tod 1975 wurden immer wieder Gewerkschafter verhaftet, eingesperrt und einer Klassenjustiz unterworfen.


 


Seit nun schon über 20 Jahren arbeiten wir mit den Mitgliedern der andalusischen Landarbeitergewerkschaft SOC (Sindicato de Obreros del Campo) zusammen. Im April 1985 nahmen zwei Spitzenfunktionäre des SOC, Diamantino Garcia und Diego Canamero, am Kongress des CEDRI 1 in Limans (Südfrankreich) teil. Sie sprachen über die Situation der 500.000 andalusischen Tagelöhnerinnen und Tagelöhner und ihren Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und eine Bodenreform.


In Anbetracht der Ungerechtigkeit der feudalen Struktur des Bodenbesitzes führte das SOC Protestaktionen, Straßensperren, «Hungerstreiks gegen den Hunger» und vor allem Landbesetzungen von Latifundien von bis zu mehreren Zehntausend Hektar durch. Die Landbesetzungen in mehreren Dörfern 1978 waren die ersten seit dem Bürgerkrieg2.


Im Dezember 1985 lancierte das CEDRI einen Appell: «In Andalusien stehen zurzeit über 300 Tagelöhner vor Gericht wegen ‚illegaler Besetzung’ von schlecht bewirtschafteten oder verlassenen Großgütern. Anwälte, Juristen, Landwirtschaftsexperten, haltet Euch bereit, an internationalen Beobachterdelegationen in Andalusien teilzunehmen!»


Einer der größten Prozesse fand im Februar 1986 in Sevilla statt. «Die Angeklagten sind acht Verantwortliche des SOC, davon zwei Gemeinderäte von El Coronil. Einer von beiden ist Diego Canamero, Generalsekretär der Gewerkschaft, der in 10 Prozessen angeklagt ist. Im September 1983 besetzten sie das Rathaus friedlich, um Arbeit zu fordern. Die Guardia Civil sprengte die Haupttüre, um sie zu vertreiben. Am Tag der Hauptverhandlung versammelte das SOC zwischen 500 und 600 Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude, welche Slogans gegen die frankistisch gebliebene Justiz und Polizei skandierten. Die internationale Beobachterdelegation fand große Beachtung. Unter den Mitgliedern der Delegation befanden sich zwei Arbeiter-Bauern des CNSTP, drei Mitglieder des CEDRI und ein britischer Anwalt, dessen Perücke im Gerichtssaal für größtes Aufsehen sorgte.» 3 


Heute sind es oft dieselben SOC-Mitglieder, die vor Gericht stehen, wie Diego Canamero, immer noch Generalsekretär, der im von der Herzogin von Alba, einer der größten Landbesitzerinnen angestrengten Prozess angeklagt ist (s. Artikel S. 7).


Europäische Wachsamkeit und Solidarität sind heute genau so wichtig wie vor 20 Jahren, vor allem angesichts der «rechtlosen» Situation, die in der Gewächshausregion der Provinz von Almeria herrscht.


 


1. Europäisches Komitee zur Verteidigung der Flüchtlinge und Gastarbeiter, eine der Gründerorganisationen des Europäischen BürgerInnenforums 1989


2. Mehr Informationen über die Geschichte des SOC finden Sie in Archipel Nr. 120, Oktober 2004


3. Auszug aus dem Bulletin des


CEDRI Nr. 11, März 1986

verfasst von Nicholas Bell (EBF),  14.05.2008, eingestellt von ute
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 159 (04/2008)

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