DOSSIER VOGELGRIPPE: Fowl play - Falsches Spiel Erster Teil
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Grain ist eine internationale, regierungsunabhängige Organisation, die nachhaltiges Management und das Nutzen von agrarwirtschatlicher Biodiversität unterstützt. Dieses Dossier mit dem Untertitel "Die zentrale Rolle der Geflügelindustrie in der Vogelgrippekrise" ist in seiner vollständigen Version auf ihrer Website zu finden.*



(...) Die Vogelgrippe ist wirklich nichts Neues. Sie hat über Jahrhunderte eher friedlich mit wilden Vögeln, den kleinen Geflügelfarmen und den Lebendmärkten koexistiert. Aber die Welle der hoch pathogenen Stämme der Vogelgrippe, welche während den letzten 10 Jahren die Geflügelpopulation dezimiert und Menschen auf der ganzen Welt getötet hat, ist beispiellos – genau wie die heutige transnationale Geflügelindustrie.


«Hühner satt» - Kollektivierte Hühnerproduktion


Der Wandel in der Geflügelproduktion in Asien war in den letzten Jahrzehnten schlichtweg Schwindel erregend. In den asiatischen Südostländern, in denen sich die meisten Vogelgrippeausbrüche häufen - Thailand, Indonesien und Vietnam - ist die Produktion in den letzten 30 Jahren um das 8-fache gestiegen 1.


Die Hühnerproduktion Chinas verdreifachte sich während der 1990er Jahre auf über 9 Millionen Tonnen pro Jahr. Praktisch alles dieser zusätzlichen Geflügelproduktion ist in den Massentierhaltungsbetrieben geschehen, die außerhalb der Hauptstädte geballt angesiedelt werden und in transnationale Produktionssysteme integriert sind. Das ist der ideale Nährboden für die hoch pathogene Vogelgrippe - wie dem Stamm H5N1, der droht, zu einer menschlichen Grippepandemie zu mutieren 2.


Dennoch bringen die vielen Arbeiten, Aussagen und Strategiedokumente, welche von der Food and Agriculture Organization (FAO), der World Health Organization (WHO) und den relevanten Regierungsämtern herausgegeben werden, nicht andeutungsweise die Rolle des industriellen Geflügels in der Vogelgrippekrise zum Ausdruck. Statt dessen sind die Finger auf die Hinterhofhaltungen gerichtet, mit Forderungen nach strengeren Kontrollen ihrer Betriebe und größeren «Umstrukturierungen» des Geflügelsektors. Die großen Geflügelkonzerne versuchen sogar, die Vogelgrippeausbrüche als «Gelegenheit» zu nutzen, um zu beseitigen, was noch von den kleinen Geflügelhaltungen übrig geblieben ist.


«Wir können die Zugvögel nicht kontrollieren, aber wir können sicher alles daran setzen, um soviel wie möglich Hinterhofhaltungen zu schließen,» sagte Margaret Say, Direktorin des USA Geflügel- und Eierexportrates in Asien .


Die Reaktionen von einigen Wissenschaftlern sind nicht minder unverschämt. Forscher in Großbritannien planen transgene vogelgripperesistente Hühner. «Sobald wir die aufsichts-rechtliche Genehmigung haben, glauben wir, dass es nur zwischen vier und fünf Jahren dauert bis genügend Hühner ausgebrütet werden können, um die gesamte Weltpopulation zu ersetzen,» sagte Laurence Tiley, Professor der molekularen Virologie an der Cambridge Universität.


Die Hinterhofhaltung ist kein nutzloser Zeitvertreib für Grundbesitzer. Sie ist unerlässlich für die Sicherstellung der Ernährung und des auf der Landwirtschaft basierenden Lebensunterhalts Hunderter von Millionen armer Bauern in Asien oder anderswo und stellt ein Drittel des Proteinverzehrs für den durchschnittlichen ländlichen Haushalt zur Verfügung. Fast alle ländlichen Haushalte in Asien halten mindestens ein paar Hühner für Fleisch, Eier und eben Düngemittel und sie sind häufig das einzige Vieh, das sich arme Landwirte leisten können. Das Geflügel ist stark von den unterschiedlichen Haltungsbedingungen abhängig, ebenso wie die genetische Diversität des Geflügels überhaupt von dem langfristigen Überleben der Geflügelhaltung auf kleinen Bauernhöfen abhängt.


Die FAO weiß das


Bevor die Asiaten die Grippekrise heimsuchte, rühmte sie den Nutzen des Hinterhofgeflügels für die ländliche Armut und die Biodiversität, und ließ Förderungsprogramme laufen. Aber heute, mit dem H5N1-Virus vor den Toren Westeuropas, ist es alltäglich, die FAO von den Gefahren der Hinterhofhaltungen reden zu hören. Das ist ein leichtsinniger Fehler. Wenn es zur Vogelgrippe kommt, ist eine vielfältige, kleinstrukturierte Geflügelhaltung die Lösung, nicht das Problem.


Das Argument, das gegen die Hinterhofhaltungen verwendet wird, lautet im Allgemeinen so: In den Hinterhofhaltungen läuft das Geflügel im Freien herum und kommt häufig in Kontakt mit wilden Vögeln, die das Vogelgrippevirus tragen, und Menschen werden anfällig für eine Übertragung. Diesen Haltungen wird folglich nachgesagt, wie ein Schmelztiegel für den konstanten Kreislauf der Krankheit zu fungieren. Hinterhofhaltungen sind auch für Behörden frustrierend, schon allein weil ihre Natur - sie sind klein, die Tiere laufen frei, die Höfe liegen weit verstreut, und sie entsprechen nicht den für die industrielle Geflügelhaltung geltenden Vorschriften (sind nicht registriert, usw.) — Schwierigkeiten bereitet, ihre beiden Hauptkontrollmaßnahmen durchzuführen: Keulung und Schutzimpfung.


Dieses Argument wird durch weitgehend alle Regierungen rund um die Welt angenommen, und heute versuchen die meisten Agrargesetze und die -politischen Richtlinien zur Kontrolle der Vogelgrippe, Geflügel getrennt von den wilden Vögeln zu halten.


Im Großen und Ganzen sind diese Gesetze und Politik für kleine Farmer völlig unpraktikabel. In Südostasien weisen Regierungen, mit der Unterstützung der FAO, Landwirte an, Maschendraht- oder Bambusumzäunungen für ihr Geflügel aufzustellen. Aber die Kosten - geschätzte US $50-70 — liegen für Kleinhalter Asiens, die gewöhnlich weniger als US $1 am Tag verdienen, außer Reichweite und in Regionen wie Thailand, in denen solche Maßnahmen verordnet worden sind, hat es kleine Farmer unmittelbar zur Aufgabe des Geflügels gezwungen.


Sogar Biolandwirte in der Schweiz geben ihre Bestände auf, weil sie sich die zusätzlichen Kosten der Aufstallung für ihr Geflügel nicht leisten können. Außerdem riskieren Biobauern, die ihrem Vieh keine Freilandhaltung gewähren können, die aber von Bio-Standards rund um die Welt gefordert wird, den Verlust ihres Bio-Zertifikates. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen sind bereits heute für Farmer bittere Realität, auch wenn die Vogelgrippe nicht in ihren Gebieten existiert — und auch obwohl es keinen Beweis gibt, dass die Aufstallung des Geflügels das Virus stoppen kann.


Entgegen solcher Aussagen von der FAO oder der WHO, gibt es bisher kaum Beweise, dass Zugvögel, die in hohem Grade pathogenes H5N1 tragen, dieses auch übertragen. Nach der Untersuchung von Hunderttausenden wilder Vögel auf die Krankheit, haben Wissenschaftler nur selten lebende Vögel identifiziert, die die Vogelgrippe in einer hoch pathogenen Form tragen 3.


So hat die FAO erst kürzlich im November 2005 angegeben: «Bis heute hat die umfangreiche Untersuchung, der klinisch unauffälligen Zugvögel in den Ausbruchsländern, zu keinen positiven Ergebnissen mit H5N1 geführt.»


Beinahe alle wilden Vögel, die positiv auf die Krankheit getestet wurden, waren tot und wurden in den meisten Fällen in der Nähe von Ausbrüchen bei Hausgeflügel gefunden. Sogar bei den jüngsten Fällen von H5N1 bei wilden Vögeln in Europa, bekräftigen Experten, dass sich diese Vögel wahrscheinlich in der Region am Schwarzen Meer mit dem Virus ansteckten, wo H5N1 im Geflügel sehr verbreitet ist, und starben während dem Flug westwärts, um dem ungewöhnlich kalten Bedingungen zu entkommen.


Ein Vorfall, der gerne als Argument gegen wilde Vögel zitiert wurde, war ein Massenausbruch von H5N1 unter Gänsen am Qinghai See in Nordchina. Daraus wurde schnell eine Theorie konstruiert, wie das Virus dann durch Zugvögel in den Westen nach Kasachstan, Russland und sogar in die Türkei getragen wurde. (…) Der größte Schwachpunkt in der Zugvogeltheorie ist, dass die geographische Verbreitung der Krankheit nicht mit Zugrouten und Jahreszeiten übereinstimmt.


«Keine Vogelart wandert von Qinghai (China), also vom Westen nach Osteuropa» sagte Dr. Richard Thomas, von BirdLife International. «Nach graphischen Darstellungen folgt das Muster der Ausbrüche hauptsächlich Straßen und Bahnrouten, nicht Flugrouten. Und das Fehlen von Ausbrüchen in Afrika, in Süd- und Südostasien und in Australasien im letzten Herbst ist schwer zu erklären, wenn wilde Vögel die Primärüberträger sein sollen.» Wenn Zugvögel die Krankheit übertragen, warum hat die Vogelgrippe die Philippinen noch nicht, oder Birma nicht schon früher getroffen, und warum konnte sie in Laos auf einige kommerzielle Betriebe begrenzt werden, wenn alle drei Länder durch Vogelgrippe betroffene Länder umgeben sind? Selbst wenn es für Zugvögel möglich ist, die Krankheit zu transportieren, was die neuen Fälle in Europa nahe legen, gibt es viel bedeutendere Verbreitungsfaktoren, die im Fokus der Aufmerksamkeit stehen sollten. Es gibt einfach keinen triftigen Grund «die Schotten dicht zu machen» und das Geflügel im Stall einzusperren.


Hühner im Hinterhof-Überträger oder Opfer?


Die hoch pathogenen Stämme der Vogelgrippe entwickeln sich in Geflügelhaltungen, höchst- wahrscheinlich in solchen, die den niedrig pathogenen Viren, wie sie in Wildvogelpopulationen vorkommen, ausgesetzt sind.


In beengten Geflügelhaltungen entwickelt sich das Virus rasch zu stärker pathogenen und ansteckenderen Formen, die in der Lage sind, die Artengrenze zu überschreiten und zurück zu den Wildvögeln zu springen, die gegen diese neue Form keine Abwehr haben. So gesehen, ist H5N1 ein Geflügelvirus, das Wildvögel tötet, und nicht umgekehrt.


Dasselbe Argument gilt auch für kleine Geflügelhaltungen. Vogelgrippe entwickelt sich nicht in Hinterhofhaltungen zu hochpathogenen Formen, wo geringe Besatzdichte und genetische Vielfalt die virale Belastung auf einem niedrigen Niveau halten. Hinterhofhaltungen sind die Opfer von Vogelgrippe-Stämmen, die von anderswo eingebracht werden.


Wenn Hinterhofhaltungen von den Quellen hochpathogener Vogelgrippe getrennt werden, scheint das Virus zu verschwinden oder sich in eine niedriger pathogene Form zu entwickeln.


Die FAO und die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) berichten, dass vieles darauf hindeutet, dass sich H5N1 an Dorfhühner in gleicher Weise anpasst wie an Hausenten, und dass es zunehmend Belege dafür gibt, dass das Überleben des Virus in Kleinhaltungen davon abhängt, ob das Geflügel von Außen immer wieder angesteckt wird. Es sind gerade die industriellen Geflügelbetriebe, mit vielen auf engstem Raum zusammengepferchten Tieren, in denen sich die Vogelgrippe — wie andere Krankheiten auch — rasch entwickelt und ausbreitet.


Es sind vor allem die Verbindungen zwischen der Produktion in Hinterhofhaltungen und der industriellen Geflügelproduktion – in beiden Richtungen – die so problematisch sind. Hinterhofhaltungen können als Virenreservoire dienen, wie es die FAO feststellt, und die Vogelgrippe ohne Eingriffsmöglichkeit der Behörden solange beherbergen, bis sie schließlich einen Weg findet, in Intensivhaltungen zu gelangen, wo sich die Seuche ausbreitet und möglicherweise zu einer höher pathogenen Form mutiert, mit dem Potential einer Übertragung von Mensch zu Mensch. Hinterhofhaltungen sind auch oft mit dem industriellen System eng verknüpft, durch Märkte, Zukäufe (wie Eintagsküken und Futtermittel), und sogar durch die tierärztlichen Dienste.


Es besteht immer die Möglichkeit, dass hochpathogene Vogelgrippe vom industriellen System auf Kleinhaltungen übergreift oder umgekehrt.


Umstrukturierung der Geflügelproduktion



Hinter dem Angriff auf die Hinterhof-Geflügelhaltung steckt ein sehr düsterer Plan. Auf der ersten Seite der FAO und der «Globalen Strategie zur progressiven Kontrolle der Geflügelgrippe» der OIE kann man Folgendes lesen:


«Es kristallisiert sich jetzt zunehmend heraus, dass sich viele Infektions- Reservoirs in den Entwicklungsländern befinden, insbesondere in dem Niedrigeinkommens-Viehzuchtsektor, d.h. in der ländlichen armen Bevölkerungsschicht. Diese stellt ein ernsthaftes Risiko für die gesamte Tierproduktion dar, die wiederum einer rapide expandierenden Nachfrage nach tierischen Proteinen in vielen Entwicklungsländern gegenübersteht. Diese wird noch verstärkt durch eine wachsende Urbanisierung, ein wachsendes verfügbares Einkommen und einen Übergang von stärkehaltiger Nahrung hin zu Nahrung auf Protein-Basis. Diese Entwicklung bietet substantielle Möglichkeiten für ökonomisches Wachstum, insbesondere in ländlichen Regionen, die durch diesen Prozess einen Aufschwung erleben, der oft als Livestock Revolution bezeichnet wird.»


Was ist passiert mit der lang anhaltenden Förderung verschiedenster Formen der Geflügelhaltung durch die FAO? Die Agentur ist plötzlich sehr danach bestrebt, die Industrialisierung der Geflügelproduktion (d.h. Livestock Revolution) vor den Risiken der kleinstrukturierten Geflügelhaltung zu schützen. Es ist sogar schon offen die Rede von einer Geflügelproduktion der Zukunft in Asien, die nach der Umstrukturierung in etwa so aussehen soll:


- konzentriertere Märkte mit weniger und dafür größeren Produzenten;


- Geflügelproduktionszonen, in denen sich die Infrastruktur entsprechend verdichtet;


- Produktionszonen für exportierende Länder, so organisiert, dass ein kleinerer Seuchenausbruch in einer solchen Zone den Export nicht sehr stark beeinträchtigt;


- Auslagerung der Lebendtiermärkte in die Randbereiche der Städte, mit weniger lizenzierten Händlern, zentralisierten Schlachtungen und einer großen Anzahl von Supermarkt-Verkaufsstellen in den Städten;


- Weniger Kleinproduzenten;


- Vorschriften, alles Geflügel einzuzäunen bzw. aufzustallen.


Dies wäre dann das Ende aller kleinen asiatischen Geflügelfarmen. Alleine in Vietnam, so gibt die FAO zu, würde die Errichtung solcher Produktionszonen bedeuten, dass möglicher-weise das Einkommen von ca. 1 Mio. kleiner kommerzieller Produzenten verloren geht.


Unglücklicherweise befürworten die meisten Regierungen eine solche Umstrukturierung.


Frühere Statements der FAO weisen jedoch in eine andere Richtung. «Die Hauptbegünstigten des Nachfrageanstiegs (für Fleisch in Asien) sind große, städtische, kapitalintensive Produzenten und Verarbeitungsbetriebe, sowie städtische Mittel- und Oberklasse-Konsumenten. Die überwiegende Mehrheit der Armen haben hier keinerlei Vorteile», sagte Hans Wagner, Oberster Beamter bei Animal Health and Production im FAO Asien- u. Pazifik-Büro. Jetzt aber scheinen die ärmeren Schichten in Asien keine Rolle mehr zu spielen.


GRAIN


Februar 2006


 


* Aus dem Englischen übersetzt von A. Baumann, B. Langrehr und


D. Maennle. Dossier inklusive aller Quellenangaben finden Sie auf www.buendnis-gegen-keulung.de


1. 30.000 Tonnen Hühnerfleisch 1971 gegen 2.440.000 Tonnen 2001


2. H5N1 ist ein aviärer Influenza-Virus Subtypus, der einzige der zur Zeit im Zentrum der Furcht vor einer menschlichen Pandemie steht.


3. Nach Tests an mehr als 13.000 wilden Vögeln in den Sümpfen innerhalb der von Vogelgrippe betroffenen Provinzen in China, identifizierten Wissenschaftler nur bei sechs Enten hochpathogene Vogelgrippeviren.



Newcastle Disease (ND)


In all den Diskussionen über die Vogelgrippe wird seltsamerweise kaum auf Parallelerfahrungen mit anderen Krankheiten Bezug genommen. Newcastle Disease (ND. atypische Geflügelpest) zum Beispiel ist in den meisten Regionen mit Geflügelzucht bereits endemisch geworden, und die Impfung gegen diese Krankheit ist heutzutage eine Routinemaßnahme für Geflügelfarmer auf der ganzen Welt. Wie die Vogelgrippe gibt es auch ND in niedrig und hoch pathogenen Formen. In seiner endemischen Form ist sie kein großes Problem, in einer infizierten Herde sterben einige Küken, und nur gelegentlich stirbt eine größere Anzahl (anfälliger) Tiere.


Das Virus wird jedoch zu einem großen Problem, wenn es in eine Geflügelfabrik kommt. Laut den Forschern Alders und Spreadbrow heißt es: « In großen kommerziellen Geflügelbetrieben gelangt das Virus in den Bestand durch irgendeine Lücke in der Biosecurity [durch Futter, Personal, Eier, Fahrzeuge], durch Einbringen infizierter Tiere in Betriebe mit Tieren unterschiedlichen Alters, oder durch Aerosole [Mikroschwebepartikel in der Luft] aus benachbarten Betrieben. Sind erst einmal ein paar Tiere angesteckt, geschieht die Verteilung in der Herde in erster Linie durch die Luft. Große Betriebe erzeugen erhebliche Mengen virenhaltiger Aerosole [Luft], die sich mit den Bewegungen der Luft auf andere Betriebe verteilen kann.


Besonders unter diesen Gegebenheiten kann das Virus zu einer hoch pathogenen Form mutieren und ganze Bestände auslöschen. Bei einem Ausbruch in Australien z.B. starben 10.000 Tiere, weitere 100.000 wurden geschlachtet. Der Ausbruch überraschte die australischen Behörden völlig unvorbereitet, hatten sie doch durch strenge Quarantänemaßnahmen ihr Land 60 Jahre lang offensichtlich frei von hoch pathogenen Stämmen halten können.


«Wir gingen davon aus, dass das Virus aus Übersee ins Land gebracht wurde.» sagte Jeff Fairbrother, Executive Director der Australian Chicken Meat Federation. Neuere virologische Forschungen ergaben jedoch, dass der Ausbruch passierte, als ein endemischer Stamm des Virus in einen Großbetrieb eindrang und dort in eine virulente Form mutierte.

Die Antwort der australischen Behörden war jedoch nicht, Hinterhofhaltungen oder Wildvögel als potentielle Überträger zu verfolgen, und sie akzeptierten auch nicht einfach die Behauptungen der Geflügelindustrie, was die angebliche «Biosecurity» ihrer Betriebe anging. Sie führten für Farmen über 500 Tiere die Pflichtimpfung gegen ND ein. Und Kleinbestände? Gab es für diese ebenfalls Impfpflicht? Auszug aus der Infobroschüre der Regierung zum Ausbruch von ND: «Nein. Eine sehr milde Form von ND ist in allen Staaten präsent. Vorausgesetzt dieser Stamm mutiert nicht in eine virulente Form mutiert, er bedeutet also keine Gefahr für Vögel. Die Krankheitsherde, die wir auf dem Festland zwischen 1998 und 2002 hatten, wurden durch die Mutation eines milden endemischen Stammes (bekannt als V4 Virus), in einen virulenten Stamm, verursacht. Alle bisherigen Anzeichen nach ist für eine solche Mutation eine große Anzahl von Vögeln auf kleinem Raum notwendig, damit der Mutationprozess ausgelöst wird. Einfach ausgedrückt, kann eine kleine Anzahl von Vögeln nicht genügend Virus erzeugen, um den Mutation
verfasst von GRAIN,  09.05.2006, eingestellt von ute
Thema im Archipel 137 (04/2006)
Tags: DOSSIER VOGELGRIPPE
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Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 137 (04/2006)

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