GENTRANSFER: Die Kontaminierung des mexikanischen Mais
ute

Der folgende Artikel berichtet über die jahrelange wissenschaftliche Auseinandersetzung bezüglich der genetischen Kontaminierung des mexikanischen Mais. Verfasst haben ihn zwei Wissenschaftler aus Montpellier, in Sorge über den zunehmenden Einfluss der Biotech-Firmen auf die Forschung.


 


Im November 2001 veröffentlichten Professor Ignacio Chapela und einer seiner Mitarbeiter, David Quist, einen Artikel in der Zeitschrift Nature über die Kontaminierung von Mais durch transgenetische Sequenzen in Mexiko. Neben seiner Lehrtätigkeit in Berkeley war Professor Ignacio Chapela in den USA als Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften beauftragt, den Einfluss von GVO (genetisch veränderte Organismen) auf die Umwelt in Mexiko zu untersuchen und zwar in vier ländlichen Gemeinden. Sein Mitarbeiter David Quist entdeckte im Jahr 1998 bei seinen Feldstudien in einer der Gemeinden zufällig die Kontaminierung der lokalen Maissorten durch gentechnisch veränderte Sequenzen: Während eines Forschungsaufenthalts, der zur Entdeckung transgenetischer ADN dienen sollte, benützte er als negative Kontrolle die Proben aus der Nähe von Oaxaca. Quist merkte, dass die kontrollierte Probe und eine weitere aus der lokalen Ernährungsagentur eine Kontaminierung aufwiesen. Überrascht von diesen Resultaten kehrte Quist mit noch anderen Proben in die USA zurück. Er wiederholte die Tests und diese bestätigten die Kontaminierung von mehreren Mustern des mexikanischen Mais.


Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind umso schwerwiegender, weil Mexiko als Wiege des Maisanbaus die größte genetische Vielfalt dieses Getreides besitzt. Die Veröffentlichung des Artikels durch Nature löste eine sehr virulente Kontroverse zwischen Gegnern und Befürwortern der GVO aus. Anonyme Attacken gegen Chapela und Quist tauchten im Internet auf.


Später stellte sich heraus, dass diese direkt aus der Kommunikationsabteilung des Biotech-Unternehmens Monsanto gekommen waren. Ein Jahr später, Mitte Juli 2003, ging der Vertrag zwischen Professor Chapela und der Universität von Berkeley dem Ende zu und hätte ohne Probleme erneuert werden sollen. Doch dazu kam es nicht: Als der Vertrag ausgelaufen war, weigerte sich die Universitätsleitung überraschend, diesen zu erneuern. Chapela konnte auf die Unterstützung eines Großteils der Lehrkräfte an der Universität von Berkeley und auch auf vielen anderen amerikanischen Unis zählen. Doch dies nützte ihm nichts. Chapela veröffentlichte daher einen Brief im Internet, in welchem er seine Absetzung als Ergebnis der Einflussnahme der Biotechnologie-Unternehmen auf die Universitäten denunzierte. Und tatsächlich: Die Universität von Berkeley ist mit der Firma Syngenta durch ein Forschungsabkommen verbunden, dem sich Chapela und weitere Vertreter der Lehrkräfte widersetzt hatten. Trotz weltweiter Proteste wurde der Vertrag mit Chapela nicht erneuert.


 


Die Auseinandersetzung in der wissenschaftlichen Fachwelt


Im Juli 2001 unterbreiteten David Quist und Ignacio Chapela der Zeitschrift Nature einen Artikel, der grünes Licht zur Veröffentlichung bekam. Wegen der politischen Brisanz der Forschungsergebnisse, die im Artikel beschrieben wurden, beschloss Chapela, die mexikanische Regierung im Voraus darüber zu informieren. Das mexikanische Umweltministerium veröffentlichte daraufhin seinerseits die Resultate der eigenen Untersuchung: Danach war der Mais in 15 von 22 untersuchten Ortschaften durch GVO kontaminiert.


Nature veröffentlichte den Artikel von Quist und Chapela am 29. November 2001. Ab diesem Zeitpunkt weitete sich die Kontoverse über das ganze Jahr 2002 aus. Im Januar 2002 berichtete John Hodgson, der Redakteur der Zeitschrift Nature Bio Technology 1 über den Wirbel, der durch den Artikel von Quist und Chapela ausgelöst wurde. Er wies darauf hin, dass große Beunruhigung herrsche über die eventuelle Verunreinigung der Genbänke. Dies veranlasste das «Internationale Zentrum für die Verbesserung des Weizens und des Mais» (CIMMYT), das Saatgut zu untersuchen, das in den Tiefkühlkammern aufbewahrt wird. Die negativen Vorresultate dieser Studie wurden sofort auf der Homepage des Zentrums veröffentlicht, um «die Institutionen und Forschungszentren zu beruhigen, welche Samen aus unserer Genbank beziehen.» John Hodgson berichtete auch über die kritischen Reaktionen der verschiedenen Lobbys auf den Artikel von Chapela und Quist, allen voran die der «Organisation der US-Biotechnologie – Industrie». Vivian Moses, Direktor des CropGen panel 2 machte die ironische Bemerkung: «Der Artikel zeigt, dass sich die Gene in der Natur deplazieren, und das ist ja wirklich nicht neu.» In der gleichen Ausgabe verbreiteten Martinez-Soriano et al. eine beruhigende Meldung. Sie wiesen einfach die Bezeichnung «Kontaminierung» zurück: « Kontaminierung bedeutet eine unerwartete, unerwünschte und unkontrollierbare Verbreitung, was hier nicht der Fall ist». Sie fügen hinzu: «Wenn jemand das Transgen der Pflanzen wegnehmen will, wäre die Prozedur einfach: die sensiblen Maissorten selektieren und vervielfachen und die resistenten Maissorten nicht ernten und nicht vermehren.» Was die «Teosintes» betrifft, die Vorläufer und nahen Verwandten des Mais, «so scheinen sie nicht von dem genetischen Transfer betroffen.»


Ein Monat später zog Hodgson nochmals Bilanz: Während das CIMMYT immer noch keine Spuren von Gentransfer in den lokalen Sorten entdeckt hatte, bestätigten mehrere Laboratorien der mexikanischen Regierung die Ergebnisse von Quist und Chapela. Die Kontaminierung konnte inzwischen kaum mehr bezweifelt werden. So gab Luis Herrera Estrella, der Direktor eines Zentrums für pflanzliche Biotechnologie in Mexiko (CINVESTAV), zu, dass es einen Gentransfer zwischen den verschiedenen Maissorten in Mexiko gibt. Doch gleichzeitig hoffte er, die mexikanische Regierung würde den Druckversuchen widerstehen, welche die Einfuhr von US-Mais verbieten wollten. Und tatsächlich ist es wahrscheinlich, dass die Kontaminierung durch das transgene Saatgut aus den USA verursacht wurde, das ursprünglich als Nahrungsmittelhilfe in Mexiko angekommen war. Dazu unterstrich Luis Herrera Estrella die Bedeutung einer effizienten Kontrolle, um den genetischen Transfer zu vermindern. Er gab zu, dass 80 bis 90 Prozent der importierten Maissamen noch keimen können, obwohl eine vorherige Hitzebehandlung der Samen das Aufkeimen verhindern sollte.


In seiner Ausgabe vom 11.April 2002 publizierte Nature zwei kritische Analysen zu Quist und Chapela von einer seltenen Aggressivität und die Antwort der Autoren. Die Stellungsnahme von Metz und Futterer zog die ganzen Resultate in Zweifel, sogar die Entdeckung des Gentransfers. Um der Kritik Genüge zu tun, untersuchten Quist und Chavela die gleichen Proben durch ADN-ADN-Hybridation. Die Ergebnisse dieser Studie bestätigten die Entdeckung der transgenen ADN, die im Genom der lokalen Maissorten in Oaxaca enthalten ist.


Die Reaktionen auf die Heftigkeit der Attacken gegen Quist und Chapela lassen nicht auf sich warten, ebenso auf ein zweischneidiges Editorial von Nature in dieser Angelegenheit. Am 27. Juni 2002 veröffentlichte Nature eine Tribüne, in der sich Andrew V. Suarez gegen den Rückzug eines Artikels durch Nature auflehnte. Der Brief von Suarez, der von zahlreichen Forschern aus renommierten Universitäten unterschrieben war, fragte nach den Gründen, warum Nature diesen Artikel zurückgewiesen hatte. Die Autoren schrieben, dass Nature seine Unparteilichkeit und seinen professionellen Status zu verlieren droht, wenn die Zeitschrift derart einseitig Partei ergreift. «Dies ist vor allem besorgniserregend, wenn die Artikel wirtschaftliche und politische Interessen betreffen», machte der Brief geltend. In der selben Tribüne bezweifeln Worthy, Billings und Strohman die Objektivität der Kritiken gegen Quist und Chapela.: «Die acht Kritiker von Quist und Chapela haben alle Forschungsaufträge, die ganz oder teilweise vom Torrey Mesa Research Institute (TMRI) finanziert sind, welches ein Abkömmling des Biotechnologie-Unternehmens Syngenta, ehemals Novartis, ist. Die Verbandelung von sieben Autoren mit dem TMRI ist die Konsequenz der 25 Millionen Dollar schweren Allianz mit der Universität von Kalifornien.» Die Autoren des Briefes riefen dabei in Erinnerung, dass sich Quist und Chapela mit anderen Lehrkräften von Berkeley gegen diese Allianz gestellt hatten. Dazu erklärten sie, dass die Interessen der Nature Publishing Group mit denen von Unternehmen wie Syngenta zusammengehen, weil der Herausgeber diese Firmen für die Promotion braucht. Die Autoren stellten fest, dass ein solches Umfeld wenig geeignet sei für eine ausgewogene Bewertung der wissenschaftlichen Arbeiten. Sie luden Nature und die anderen wissenschaftlichen Zeitungen dazu ein, ihr Engagement in der Agro-Biotechnologie zu überprüfen. Sie sollten eine kritische und ausgewogene Auseinandersetzung über die ökologischen und sanitären Folgen der genetisch modifizierten Sorten gewährleisten.


Die Kontaminierung wird zugegeben


Die Feststellung von Quist und Chapela, dass gewisse lokale Maissorten in Mexiko kontaminiert seien, hat also unter den Wissenschaftlern eine heftige Kontroverse ausgelöst. Die chronologische Abfolge dieser Kontroverse ist oben bereits beschrieben. Die Kontaminierung wird dabei nicht in Frage gestellt, insofern sogar die von der mexikanischen Regierung angestellten Wissenschaftler die Resultate bestätigen. Ihrer Studie zufolge waren 95 Prozent der untersuchten Flächen zu 1 bis 35 Prozent kontaminiert, durchschnittlich zu 10 bis 15 Prozent.


Am 7. September 2003 erklärte der mexikanische Umweltminister Cardenas: «Die mexikanischen Maissorten sind tatsächlich genetisch kontaminiert, aber es besteht keine Gefahr weder für die Biodiversität noch für die Gesundheit der Menschen.»


Am 30. September 2003, gaben die Biotech-Firmen endlich zu, dass «in mindestens zwei mexikanischen Bundesstaaten eine Kontaminierung der traditionellen Maissorten stattgefunden hat». Doch merkwürdigerweise beschrieb ein Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, Dr. Villalobos, kürzlich die genetische Kontaminierung in Oaxaca als ein «natürliches Laboratorium, um den Fluss der Gene zu untersuchen.» (El Financiero, 3.10.03)


Am 9. Oktober 2003 wurden endlich die Resultate der Tests veröffentlicht, die von einer NGO (ETC) und einigen Gemeinden im Januar und Juli 2003 durchgeführt worden waren: 48,6 Prozent der Proben beinhalteten genetisch modifizierte Proteine (…). Eine zweite Studie, die im Juli und August 2003 durchgeführt wurde, brachte das Protein Bt Cry9C im Starlink-Mais (Aventis) ans Tageslicht: Diese Maissorte, die Allergien hervorruft, ist in den USA für den Konsum durch Menschen verboten. Wie kommt es, dass das Protein Bt Cry9C in 26,7 Prozent der Proben auftaucht, die im Januar 2003 in Mexiko untersucht wurden, obwohl Mexiko ein Moratorium anwendet und diese Sorte offiziell im Jahr 2000 in den USA vom Markt genommen wurde?


 


Mögliche Auswirkungen auf die Biodiversität


Im Gegensatz zu der optimistischen, nicht argumentierten Meinung gewisser hier zitierter Autoren, kann die Einführung von genetisch modifizierten Pflanzen eine Gefahr für die Biodiversität bedeuten. Zuerst gibt es das Problem der Bewahrung der traditionellen Sorten in Mexiko, der «Wiege» des Mais. Die Einführung von genetisch modifiziertem Saatgut in der «Hochburg» der Artenvielfalt und in ein nicht-industrielles Produktionssystem stellt das Problem der unkontrollierten Vermehrung von Genen, welche die genetische Struktur und das Verhalten wild wachsender oder traditioneller Sorten verändern könnten. In Mexiko sind nur 15 Prozent der Anbauflächen mit gekauftem Saatgut gesät, der Rest sind lokale Sorten. Es gibt in der Tat 25.000 Maissorten, von denen viele wild wachsen, etwa 300 Sorten werden von den Bauern verwendet. Diese Sorten werden von den Bauern selektiert und konserviert und von einer Region in die andere weitergegeben: Dieser Austausch ermöglicht die Einführung neuen genetischen Materials und der konstante Genfluss, der von der regelmäßigen Einführung neuer Sorten in Gang gebracht wird, garantiert einen Polymorphismus intra populatione.


Maiskulturen in Mexiko und den USA unterscheiden sich auf mehreren Ebenen:


- die Größe der Parzellen (10-100 ha in den USA, 2 ha in Mexiko), das Saatgut (jedes Jahr geprüft und erneuert in den USA. Wieder ausgesät in Mexiko).


Aus diesem Grund ist eine in Mexiko ausgesäte traditionelle Sorte anfälliger in Bezug auf die genetische Kontaminierung als eine Sorte, die im «Maisgürtel» in den USA ausgesät wird. Die jährliche Erneuerung des Saatguts in den USA verhindert zudem die Übertragung eines Gens von einer Generation zur anderen, wobei das mexikanische System diese Übertragung innerhalb der lokalen Sorten oder von Sorten auf nahe liegenden Parzellen fördert. (…) So kann die Einführung eines neuen Gens in Mexiko zu einer unkontrollierbaren Verbreitung führen.


Beziehungen zwischen Wissenschaft und Industrie


Die Heftigkeit der Attacken gegen Quist und Chapela sowie die Kampagnen im Internet übersteigen bei weitem den Rahmen der üblichen Kritiken in Wissenschaftlerkreisen: Im Allgemeinen führen die Divergenzen zwischen Wissenschaftlern über Methoden oder Interpretationen zu Debatten, die auf die Fachpresse beschränkt bleiben. Verleumderische Attacken wurden bereits gegen Arpad Pusztai, Losey und andere Forscher geführt, die auf gewisse Auswirkungen genetisch modifizierter Pflanzen hingewiesen hatten. Leider stehen auch gewisse Institute hinter diesen Angriffen. So ist eine der Hauptquellen der Attacken ein Biotechnologieinstitut in Großbritannien, das John Innes Centre. Dieses teils private, teils öffentliche Forschungszentrum wird von mehreren Stiftungen und Biotechnologieunternehmen finanziert: Syngenta, Aventis, Monsanto, Unilever, Dupont usw…


Diese Firmen haben auch ihre Beziehungen zu Universitäten und öffentlichen Institutionen intensiviert. So steht zum Beispiel Syngenta, die aus der Fusion zwischen Novartis und Astra Zeneca hervorgegangen ist, an erster Stelle der biotechnologischen Unternehmen, was Saatgut und Patente betrifft. Ihre Forschungspolitik besteht darin, zahlreiche Beziehungen zu Universitäten in der ganzen Welt zu knüpfen. So unterzeichnete Berkeley im Jahr 1998 einen Vertrag über 25 Millionen Dollar mit Novartis (heute Syngenta), der die Aktivitäten eines ganzen Departements betraf. Dieser Vertrag beinhaltete die Beteiligung von Novartis zu einem Drittel am Budget des Departements für Pflanzen- und Mikrobiologie während fünf Jahren. Im Gegenzug erwarb sich der Schweizer Multi ein Privileg ohnegleichen: das Vorrecht auf die Verhandlungen über die Patente und über ein Drittel der Entdeckungen der Laboratorien des Departements. Besonders eine Klausel dieses Vertrags schuf Unmut: Zwei Vertreter von Novartis sollten Mitglieder einer Kommission von fünf Personen sein, die jedes Jahr die Gelder für die Forschung verteilt. Es ist interessant festzustellen, dass Chapela und Quist sich diesem Projekt widersetzt haben, während ihre Widersacher innerhalb von Nature zum Departement gehören, das unter Vertrag mit Novartis steht.


 


Repression


In einem vorläufigen Beschluss vom 5. Juni 2003 empfahl die Budgetkommission die Entlassung von Prof. Chapela, gegen die Ansicht der meisten Lehrkräfte von Berkeley. Chapela besetzte daraufhin den Campus vom 26. bis zum 30. Juni und erreichte eine Verlängerung seines Lehrauftrags um ein Jahr. Im Herbst 2003 sprach sich das Evaluierungskomitee einstimmig für seine Beibehaltung aus, was die Budgetkommission nicht daran hindert, ihn im Sommer 2004 endgültig zu entlassen. (…)


Der Fall Chapelas sorgte in Berkeley für großes Aufsehen. Zahlreiche Forscher missbilligten die gegen ihren Kollegen angewendeten Methoden. Prof. Wayne M. Getzt (…) sagte aus, dass der Chapela sehr wohlwollend gesinnte Schlussrapport (33 Stimmen für Chapela, 1 dagegen, 3 Enthaltungen) von seinen Widersachern «verdreht» worden war. Ihm zufolge ist Chapela ein politisches Opfer des Interessenskonflikts, der seit dem Vertragsabschluss mit Syngenta in Berkeley herrscht und dass seine Entlassung aufgrund seiner Opposition gegen eine Reihe mächtiger Wissenschaftler zustande gekommen sei, die vom Vertrag mit Syngenta profitierten. (…) Zahlreiche seiner Kollegen meinen, dass die Entlassung Chapelas die Bereitschaft der Universität in Frage stelle, Wissenschaftler zu unterstützen, die sich gegen die mächtigen agro-industriellen Interessen stellen. Seinerseits hat Chapela im Rahmen der normalen universitären Prozedur Berufung gegen seine Entlassung eingelegt, er könnte damit aber auch vor Gericht gehen.


Besorgnis


Obwohl die Kontaminierung des Mais offiziell festgestellt wurde, zeugen diese Attacken und die Entlassung Chapelas von dem Druck, den die biotechnologischen Firmen auf die Wissenschaftler ausüben. Dies wirft sehr ernsthafte Fragen über die Zukunft der Forschung und die wissenschaftliche Neutralität auf. Gut organisierten Finanzkräften gegenüber, die sich auf zahlreiche Institute stützen können, wird die Objektivität der Wissenschaft in Frage gestellt. Fünf Jahre nach der Entlassung von Pusztai in Großbritannien wurde noch kein Experiment durchgeführt, um die Harmlosigkeit oder die Gefahr genetisch modifizierter Nahrungsmittel zu beweisen. Der stetig anwachsende Einfluss der Wirtschaftsinteressen lässt erahnen, dass die Verleumdungskampagnen gegen «schlechte Wissenschaftler» gerade erst beginnen. Über die Wissenschaftler und ihre Interessen hinausgehend, sind wissenschaftliche Objektivität und die Freiheit einer argumentierten Kritik ernsthaft in Gefahr.


 


 


 


1. Publikation der «Nature»-Gruppe


2. CropGenpanel = eine Gruppe von Wissenschaftlern, welche die Vorteile des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen propagiert.


 


 


 


 Genmanipulation in der Welt


Heute sind auf der Welt an die 67 Millionen Hektar mit genetisch modifiziertem Saatgut bepflanzt. 80 Prozent davon befinden sich in den USA (43 Mill.), in Argentinien 14 Mill., in Brasilien 4,4 Mill. und in China 3 Mill.


Das bedeutet fast ebenso viel wie die bebaubaren Flächen der Europäischen Union, oder mehr als die Ackerflächen der 10 neuen Mitglieder der EU.


Soja (41,5 Mill.), Mais (15 Mill.) für Viehfutter sowie Baumwolle (7,2 Mill.) und Raps (3,6 Mill.) stellen 99 Prozent der genetisch modifizierten Kulturen dar, die ein Pflanzenvertilgungsmittel tolerieren (Round-up von Monsanto) oder die ein Insektizid produzieren (Bt). Reis und Weizen, die auf der Welt am meisten angebauten Getreidesorten für die menschliche Ernährung (zwei Drittel der Getreideernte, d.h. 900 Millionen Tonnen), sind im Visier der Biotechnologiefirmen.


Von Kanada bis Mexiko finden wilde Kontaminierungen durch Pollenisierung statt. Percy Schmeiser, ein kanadischer Landwirt, hat Klage gegen Monsanto erhoben, denn sein Raps ist endgültig kontaminiert. Er kommt zu allen Prozessen in Europa gegen die «Delinquenten, die GMO zerstört haben» und erzählt von seinen Erfahrungen. In gewissen Regionen Kanadas ist biologischer Landbau durch die Kontaminierung völlig unmöglich geworden. Auch in den USA sind die Biobauern bedroht.


Sind genetisch modifizierte Pflanzen wirklich harmlos und nützlich?


Jacques Berguerand, EBF Frankreich

verfasst von Lilian Ceballos,Bernard Eddé (BEDE Montpellier),  22.06.2004, eingestellt von ute
Thema im Archipel 116 (05/2004)
Tags: GENTRANSFER
Kommentare zu diesem Artikel
Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.

Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 116 (05/2004)

Hier können Sie aus allen Archipelausgaben seit 2002 auswählen

Home - Themen - Archipel - Über das forumcivique - Shop - Mitmachen - Spenden

Europäisches BürgerInnen Forum - Forum Civique Européen - European Civic Forum - Foro Cívico Europeo