GEORGIEN : Böses Erwachen nach einem Blutsonntag (Teil 2) 1989 und danach
ute


An diesem Tag bin ich in Tbilissi, der noch-sowjetischen Hauptstadt Georgiens. Hier findet kein traditioneller Aufmarsch statt. Rote Fahnen gibt es wohl, aber sie werden von nationalistisch gesinnten Demonstranten auf der Straße verbrannt.


Einige Wochen vorher in Berlin erlebe ich ein anderes, nicht vorhersehbares Szenario: die letzte Feier der DDR zu ihrem vierzigsten Geburtstag. Am Abend sammeln sich Oppositionelle in den Straßen zu Protesten. Sie fordern Reformen und singen die Internationale. Einen Monat später fällt die Mauer. Helmut Kohl kommt zum Rendezvous mit einer ganz anderen Internationale.


In Tbilissi teilen die Georgier die gleiche Ansteckung, aber sie spielen in einem anderen Film. Rote Fahnen in Flammen, das ist kein gutes Zeichen. Aber was bedeutet das? Diese Farbe, Hammer und Sichel waren doch einmal Symbole für Emanzipationsbewegungen und den Sieg über den Faschismus. Diese Symbole haben aber auch die Zäune der stalinistischen Konzentrationslager verziert. Wenn man diese Vielschichtigkeit übersieht, bleiben die Zeichen der Geschichte unverständlich.


Die Straßen von Tbilissi schmücken sich mit einem anderen Rot: eher Bordeaux, weinrot mit einem schwarz-weißen Quadrat im oberen, linken Eck, die Fahne der unabhängigen Republik von 1918–21. Täglich finden Demonstrationen auf den Stufen des Regierungspalastes statt. Derselbe ist verlassen. Ich habe noch nie ein solches Machtvakuum gesehen. Aber die Polizei ist noch da. An den beiden Enden der Avenue Rustaweli regelt sie den Verkehr, damit die Demonstranten nicht gestört werden. Im Laufe der Tage bestätigen mir die Treffen, die Palaver, die Musik, dass es uns gut geht in Georgien. Die Agitation ist von heiterer Verwirrung. Den jungen Demonstranten, die den Kommunismus niederschreien und rote Fahnen verbrennen, graut übrigens vor einer anderen Farbe: "Bald wird die grüne Fahne des Islam über dem Kreml wehen. Raissa, Gorbatschows Frau, ist Mohammedanerin!" Doch die Slogans gehen in Lachen über und der Abend endet mit einem Fest.


Soll man sich da beunruhigen? Die Kirchen sind voll: Man kommuniziert mit der Kerze in der Hand, erfüllt von der Schönheit der georgischen, orthodoxen Gesänge. Beim Begräbnis Merab Kostawas, eines nationalen Führers, der bei einem Autounfall ums Leben kam, defiliert schweigend eine riesige Menschenmenge. Im Stadtviertel um die Zitadelle, wo Kirchen, Moschee und Synagoge nebeneinander stehen, versichern uns die Bewohner – Georgier, Armenier, Aseri und Juden: "Es gibt keinen Krieg. Wir wollen in Frieden leben." Ein paar hundert Kilometer weiter kämpfen Armenien und Aserbaidschan schon um Bergkarabach.


Stalin, in Georgien ein spezieller Fall


Passanten laden uns zum Essen ein. Sie wohnen im Stadtviertel um die Zitadelle, normale Leute, nicht einmal besonders bürgerlich. Das Fest dauert von Mittag bis Mitternacht. Trinksprüche werden ausgebracht auf die Freiheit, auf die Unabhängigkeit, auf Michail Gorbatschow, auf die Liebe. Und auf Stalin. "Damals herrschte noch Ordnung!" Aber das alles wirkt eher komisch, sympathisch und äußerst konfus! In diesem Bild erkennt man keine Orthodoxie, weder die der Stalinisten, noch die der Nationalisten oder der Liberalen Georgiens, die es vorziehen, würdig über die Unabhängigkeit zu sprechen, vor allem aber nicht diesen Stalin zu erwähnen, denn das verärgert nur die westlichen Besucher. Aber wir befinden uns in Georgien. Stalin ist ein Kind des Landes, geboren in Gori, der einzigen Stadt in der UdSSR, in der bis heute eine Statue und ein Museum zu Ehren des Väterchens der Völker existiert. Wie andere hat Georgien unter ihm gelitten. In seinem Vaterland hat er mit den Säuberungen sogar schon früher begonnen: seit 1924 Massen-Repression gegen die Menschewiken, 1937 der "große Terror" ...


Die Entstalinisierung wurde hierzulande jedoch als nationale Demütigung empfunden, als ein hinterhältiger Schlag der Russen, die Nazideutschland besiegt hatten und von der ganzen Welt bewundert wurden, gegen die Georgier. Diesen Eindruck verstärkten noch die sowjetischen Filme nach 1956, in denen die bösen, stalinistischen Polizisten häufig georgische Gesichtszüge trugen. Beria hatte in seiner Polizei auch wirklich vielen Freunden aus seiner Heimat Mingrelien zum Aufstieg verholfen.


Stalin ist also in Georgien ein spezieller Fall: eine Legende, die sich dem rationellen Verständnis entzieht. Als die Verbrechen des Diktators am 20sten Kongress 1 im März 1956 von Chruschtschow denunziert wurden, protestierte die Jugend von Tbilissi in den Strassen. Die Armee griff brutal ein. Auf stalinistische Art. Es gab zahlreiche Opfer. Zu einer Zeit, da das politische Tauwetter Moskau belebt und den kommunistischen Idealen neuen Schwung gibt, herrscht in Tbilissi Trauer und man nimmt Abschied von denselben Idealen. Aber die Entstalinisierung bringt Georgien auch kulturelle Freiheiten.


Alle Liberalisierung wird hier in erster Linie als Distanzierung zu Moskau gesehen. Die jungen "prostalinistischen" Demonstranten kämpften in ihrer Weise auch für mehr Transparenz und Demokratie.


Das antistalinistische Massaker in Tbilissi wird, im Gegensatz zu der Unterdrückung des Aufstandes in Budapest im gleichen Jahr 1956, im Westen nur selten erwähnt. Die Toten lagen der Geschichte im Weg.


Der 9. April 1989, ein unverzeihlicher Fehler


Der 9. April 1989, ein weiterer Blutsonntag, wird zum Wendepunkt der Geschichte. Ungefähr 8.000 Demonstranten hören auf der Avenue Rustaweli die Reden der nationalistischen Führer Merab Kostawa und Swiad Gamsakurdia. "Nach 70 Jahren Unglück, versammelt sich Georgien vor Gott". Radikalismus und Religion: Die radikalen Nationalisten sind Anhänger einer Theo-Demokratie. Seit einer Woche geht es in den Demonstrationen um die Themen "Georgien den Georgiern!" und um die Aufhebung der autonomen Gebiete Abchasien und Ossetien. An diesem Abend treten die Truppen des sowjetischen Innenministeriums in Aktion. Mit Giftgasen "unbekannter" Herkunft, Revolverkugeln und Schaufeln werden 20 Demonstranten umgebracht. Das Blutbad hinterlässt Wut und sprachloses Entsetzen. Einige Georgier sagen zu uns: "Unser Leben zerfällt in zwei Hälften: vor und nach dem 9. April". An diesem Tag wurde das Unverzeihliche begangen. Angesichts der Hoffnungen, die die Perestroika erweckte, ein perfektes Verbrechen


Wer hat den Befehl gegeben? Untersuchungskommissionen des Obersten Sowjets von georgischer Seite und der Sowjetunion kommen nacheinander zu denselben Ergebnissen: Der Generalsekretär der georgischen Partei, D. Patiaschwili, gab den Befehl zum Truppeneinsatz unter dem Kommando des Generals Rodionow. Die Entscheidung fällten im Moskauer Politbüro die politischen Führer der konservativen Strömung, Egor Ligatschow und Tschebrikow, vormals Leiter des KGB. Der Generalsekretär Michail Gorbaschow war auf Reisen in Großbritannien, genauso wie sein Außenminister, der Georgier Eduard Schewardnadse. Die Untersuchungskommission des Obersten Sowjets der UdSSR leitete der verstorbene, russische Demokrat und Antikommunist Anatoli Sobschak. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die willkürliche Alleinherrschaft der Partei beendet werden müsse, denn sie sei für die Tragödie verantwortlich. Sobschak stellt auch die Frage, warum die nationalistischen Führer das Risiko eingegangen sind, die Demonstrationen fortzusetzen, obwohl sie den Beschluss zur Niederschlagung kannten. Er hebt den Extremismus Swiad Gamsakurdias hervor, der laut Sobschak den amerikanischen Staatssekretär James Baker im Frühjahr 1991 um eine Intervention der amerikanischen Truppen in Georgien gebeten habe 2.


Sieg des Separatismus von Tbilissi bis Suchumi


Vor dem 9. April werden die Unabhängigkeitsbestrebungen in Georgien mehrheitlich von einer Volksfront getragen, die auch später diese Positionen beibehält: Die UdSSR soll in eine Konföderation souveräner Staaten umgewandelt werden. Der Separatismus wäre für Georgien eine wirtschaftliche Katastrophe. Gegenüber Russland gibt es keine tiefe Feindseligkeit. Noch ist alles möglich.


Nach dem 9. April haben die radikalen Nationalisten den Wind im Rücken. Der Bruch ist vollzogen. Die abchasische Frage ist ihr bevorzugtes Thema. Im Lauf des Sommers kommt es zu blutigen Zusammenstößen in Abchasien. Die sowjetische Armee marschiert auf. Zwischen Tbilissi und Suchumi, der abchasischen Hauptstadt, wachsen die Spannungen; die Positionen sind unvereinbar. Diejenigen der georgischen Nationalbewegung werden innerhalb der Helsinki-Gruppe zur Verteidigung der Menschenrechte ausgearbeitet. Merad Kostawa und Swiad Gamsakurdia sind aktive Mitglieder – Opfer der Repression. Sie werden vom Helsinki-Komitee in Finnland unterstützt. Ihre Positionen sind kompromisslos: Weder die Abchasen noch die Osseten dürfen ihren "illegalen" Autonomie-Status, der von Moskau nur geschaffen wurde, um Georgien zu teilen, aufrechterhalten 3. Nach Kostawas Tod treffen wir den nunmehrigen Führer und Machtanwärter Swiad Gamsakurdia, der uns erklärt:"Die Sowjetmacht hat den Abchasen Privilegien zugestanden, weil sie den Bolschewiken geholfen haben, in dieser Region Fuß zu fassen. Während die Georgier die Sowjetmacht bekämpft haben, hat diese den Abchasen ein Territorium zugeteilt, das ihnen nicht gehört (...), wo sie nie gelebt haben." Gamsakurdia nimmt an, dass das "historische Land" der Abchasen weiter im Norden liegt, "auf der anderen Seite des Kaukasus", ein Territorium übrigens, das "ihnen nur im 17ten Jahrhundert gehörte". Nur dort, also außerhalb Georgiens, wäre den Abchasen eine Autonomie gestattet. Das wäre etwa vergleichbar mit folgender Situation: Türkische Immigranten im von Russen besetzten Belgien bekämen einen Autonomie-Status und würden daraufhin den Anschluss an Russland fordern. Jetzt ist uns alles klar.


In Abchasien ist es im Herbst 1989 eher ruhig. Die sowjetische Militärintervention wirkt fast lächerlich. Auf der Suche nach Panzern frage ich ein Kind auf der Straße, es antwortet: "Der Panzer? Er fährt jeden Tag um 18 Uhr hier vorbei." Es stimmt, er fährt vorbei ... Der Leiter des abchasischen Forums, Wladislaw Ardsinba, den wir in Suchumi treffen, sagt uns, er sei ein Anhänger der Idee Sacharows von einer neuen Union, in der die Republiken unabhängig von ihrer Einwohnerzahl gleiche Rechte haben. Die föderalistische Option Gorbatschows interessiert die Abchasen. Aber sie fürchten die georgische Vorherrschaft und wollen sich der russischen Föderation anschließen. 1990 erklären die Abchasen ihre Unabhängigkeit. Im Juli 1992, als die UdSSR schon nicht mehr existiert, stellen sie ihre Verfassung von 1925 als unabhängige Sowjetrepublik wieder her. Die Abspaltung ist vollzogen.


Der Tag nach dem Fest: Diktatur und Krieg


Swiad Gamsakurdia wird im Oktober 1990 zum Präsidenten des georgischen Parlaments gewählt und im Mai 1991 mit 87 % der Stimmen zum Präsidenten der Republik. Die ossetische Autonomie hebt er im Dezember 1990 auf, der Krieg beginnt und dauert etwa zwei Jahre. Dann folgt Krieg in Abchasien. Swiad Gamsakurdia wird von georgischen Oppositionellen gestürzt und durch Eduard Schewardnadse ersetzt. Freiwillige aus dem Nord-Kaukasus und Russland kämpfen auf der Seite Abchasiens, ukrainische Rechtsextreme auf der Seite Georgiens. Moskau unterstützt diskret die Abchasen. Von August 1992 bis September 1993 sterben in diesem Krieg 10.000 Menschen, mehr als 250.000 Georgier werden von den abchasischen Separatisten vertrieben, obwohl diese in ihrer Republik in der Minderheit sind. Eine selten brutale "ethnische Säuberung", wie Zeugen bestätigen. Zehn Jahre später entziehen sich die beiden sezessionistischen Gebiete noch immer der Kontrolle Tbilissis. In der dritten abtrünnigen Region, Adscharien, besteht kein ethnisches Problem, auch wenn die Georgier sich unterscheiden, weil sie im Osmanischen Reich islamisiert wurden. Tatsächlich unterhält der autonomistische Führer, Aslan Abaschidse, hier eine Oase wirtschaftlichen Wohlstands, vor allem Dank der Geschäfte mit der Türkei.


Von 1990 bis 1992 erlebte Georgien mit Swiad Gamsakurdia eine nationalistische Diktatur. Gemäßigte Befürworter der Unabhängigkeit und andere Oppositionelle warf der ehemalige Dissident ins Gefängnis. Die politischen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des neuen Präsidenten, den Swiadisten, und ihren Gegnern arteten zu Straßenschlachten aus. Noch im Jahr 2003 sinnen die in Mingrelien stationierten Swiadisten auf Rache.


Dann kümmerte sich der ehemalige Kommunistenführer Eduard Schewardnadse wieder um georgische Angelegenheiten. Seine Rückkehr erweckte neue Hoffnungen in dem nunmehr ruinierten Georgien. Eine paradoxe Rückkehr. Sie wird nicht die einzige bleiben. Schewardnadse wird 2003 gestürzt.


"Freudenfeuer tragen manchmal den Schein einer Feuersbrunst," hieß es 1989 im Kommentar zu einem Film 4. Damals war es nur eine Vorahnung. Der Nationalismus hatte zuerst das Wesen von Festen, von großen, volkstümlichen Zusammenkünften. Lehrende, Studenten, Menschen aller sozialen Schichten berauschten sich an den neuen Freiheiten; in der Luft lagen verrückte Ideen, hochintelligente Überlegungen, Wutausbrüche und Liebeserklärungen an die ganze Welt. Die Überdrehten unter ihnen verbrannten Fahnen und schwenkten Knüppel, schienen aber nicht besonders bösartig zu sein. Die Unverfrorensten zückten jedoch bald das Messer, dann die Kalaschnikow. Sie hatten zwar keine raffinierten Ideen, aber sicherlich die wirkungsvollsten Slogans und statt klar definierter Ziele, leicht zu identifizierende Feinde, aus Fleisch und Blut, ganz in der Nähe, Nachbarn im Stadtviertel oder im Gebäude. Die ethnische Aufwiegelung betrieben anfangs nur einige Fanatiker. Sie machten in den 1990er Jahren die georgische Geschichte. Ein unvergessliches Lehrstück.


Jean-Marie Chauvier


Brüssel, Januar 2004


Übersetzt von Heike Schiebeck


1. Der 20ste Kongress der KPdSU läutet die Entstalinisierung ein mit einem Geheimbericht des Generalsekretärs, der nicht lange geheim bleibt und der teilweise die Repression und die Deportation etwa der Tschetschenen und der Krim-Tataren aufdeckt.


2. Anatoli Sobschak: "Tbilisskii izlom, ili krovavoe voskresen’e 1989 goda", Moskau 1993.


3. "Vestnik Gruzii" Nr. 1, Informationsschrift des georgischen Helsinki-Komitees, 1989


4. "Georgien, von einem Rot zum anderen" ist der Titel eines Films über das Jahr 1989 in Georgien, von Jean-Marie Chauvier und Jean-Jacques Péché im Auftrag des RTBF.


 


 


Abchasien: kleiner Zankapfel, große Zwietracht


Bilder aus den Jahren 1960 bis 70:

kaukasische Riviera, grüne Hügel und Palmen, Strände und tropische Gärten, Affen-Reservate und Versteck hoher Funktionäre, Säulenpalast für sowjetische Sommerfrischler, Regierungsangehörige, Gewerkschafter, Jugendliche und Kinder, Touristen aller Art, umschlungene Liebespaare. Fanfaren und Hits an Tanzabenden.

Bilder Ende der 1980er Jahre:

etwas aus der Mode gekommen, verrostete Karussels, verwahrloste Hotels, geht alles zu Ende? Nein, der Krieg fängt erst an. Der Krieg? Wir machen Witze, wir können es nicht glauben. Aber alles geht so schnell, ein Toter, dann zwei und bald viele, es geht los! Der Sommer 1989. Ähnliches werden wir in Jugoslawien erleben.

Landesfläche:

8.600 km2

Bevölkerung:

537.000 Einwohner vor dem Krieg 1992, 18 % Abchasen "Inhaber der autochthonen Nationalität", 46 % Georgier, 14 % Russen, 14 % Armenier, griechische und andere Minderheiten.

Die Ursprünge:

Die Definition, die Lokalisierung und die Gebietsgeschichte der abchasischen Volksgruppe sind umstritten. Schon zu sowjetischen Zeiten wiedersprachen sich die Bücher, die in Tbilissi und Suchumi publiziert wurden. Gewiss ist nur, dass die Abchasen ein kaukasisches Volk sind und nicht zur Gruppe der Georgier zählen. Sie wurden zum Teil islamisiert, aber es gibt auch Christen und Atheisten. Es ist eine Verzerrung, von einem islamischen Land zu sprechen *.

Nach der russischen Revolution 1917:

Die Menschewiken sind in Georgien an der Macht, aber die Abchasen unterstützen, wie die Tschetschenen und andere kaukasische Völker, entweder die Bolschewiken oder Unabhängigkeitsbewegungen. Die Bergrepublik der Abchasen wird von den Menschewiken zerschlagen; 1921Ausrufung der Sowjetrepublik Abchasien.

1931:

Abchasien wird auf den Status der autonomen Republik innerhalb Georgiens, das nun Teil der UdSSR ist, reduziert. Die Stalinisierung unter Beria, dem Georgier aus Mingrelien und zukünftigen Chef der politischen Polizei Stalins, wird von den Abchasen als georgische Kolonisierung erlebt. Das cyrillische Alphabet, die Sprache und die abchasischen Schulen werden abgeschafft.

1953:

Nach Stalins Tod werden die abchasische Autonomie und Sprache wieder eingeführt. Als die Georgier 1978 erfolgreich die georgische Sprache als einzige Amtssprache verteidigen, fordern abchasische Intellektuelle den Anschluss ihrer Republik an Russland. Der Konflikt mit Georgien verschärft sich.

1992:

Die Abchasen erklären ihre Unabhängigkeit, anscheinend unterstützt von den armenischen und russischen Bevölkerungsteilen. 300.000 Georgier werden vertrieben. Vergebens versucht Tbilissi Abchasien zurückzuerobern. Eine Beobachter-Mission der UNO wird eingesetzt.

2003:

Der Staatsstreich vom November (Rosen-Revolution) stürzt Schewardnadse mit Unterstützung der USA und will die territoriale Integrität Georgiens wiederherstellen. Die Abchasen fordern den Anschluss an Russland, welches tausenden von Abchasen die Staatsbürgerschaft erteilt. Ist ein Kompromiss noch möglich?

* Ein Dokument des Europaparlaments vom 19.3.2002 übernimmt zur Frage des Ursprungs die georgischen Thesen. Den abchasischen Standpunkt finden Sie in den Publikationen des Gulia-Instituts und unter: www.abkhazia.org


 

verfasst von Jean-Marie Chauvier (Brüssel, Januar 2004),  17.02.2004, eingestellt von ute
Thema im Archipel 113 (02/2004)
Tags: GEORGIEN
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