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IRAK: Monsanto in Babylon

«Habt ihr das Erdöl unter Kontrolle, so habt ihr ganze Staaten unter Kontrolle. Mit dem Ernährungssystem habt ihr die Völker unter Kontrolle», sagte Henry Kissinger. Dieser Satz wurde zum Programm der Besatzer im Irak. Die tausendjährige irakische Landwirtschaft wird von den multinationalen Landwirtschafts- und Nahrungsmittelkonzernen zerstört.


 


Vor mehr als zehntausend Jahren wurde im Herzen Mesopotamiens die Landwirtschaft erfunden und ein raffiniertes Bewässerungssystem entwickelt.


Die außerordentlich fruchtbare Schwemmlandebene zwischen Euphrat und Tigris bietet ideale Bedingungen für den Getreideanbau. Hier wurde in der Antike der wilde Weizen entdeckt. Hier kultivierte man fast alle heute bekannten Weizensorten (mehr als 200.000). Dattelpalmen, die andere Lebensquelle des Landes, boten den vielfältigen Gemüsepflanzen Schutz.


 


«Die Samen derDemokratie»*


Seit der Invasion im Jahr 2003, wurde der Irak nicht nur seines archäologischen Erbguts und seiner Ölreserven, sondern auch seiner politischen und seiner Ernährungs-Souveränität beraubt.


Der provisorische Verwalter, Paul Bremer, hat dutzende gesetzesbrecherische Anordnungen herausgegeben, noch bevor eine Marionettenregierung von Washington eingesetzt wurde, obwohl in der irakischen Verfassung und in den Konventionen von Den Haag und Genf festgelegt ist, dass die Besatzungsmacht die Gesetzgebung des besetzten Landes respektieren muss.


Die Anordnung 81 vom 26.April 2004 lieferte das Land den riesigen Konzernen wie Monsanto aus, die den Saatgutwelthandel kontrollieren. Afghanistan ist 2002 dasselbe Schicksal widerfahren.


 


Biopiraterie im Garten Eden


Diese Anordnung verpflichtet die irakischen Bauern, jedes Jahr eine Lizenz sowie genetisch veränderte Samen bei den amerikanischen Saatgutmultis zu kaufen, obwohl im Irak jegliche Privatisierung von biologischen Ressourcen gesetzlich verboten ist. Das wichtigste Reglement dieses Gesetzes für den «Schutz der Pflanzensorten» befasst sich nicht mit Biodiversität, sondern schützt die kommerziellen Interessen der grenzüberschreitenden Saatguthersteller. Um qualifiziert zu werden, müssen die Pflanzen «neu, gekennzeichnet, gleichförmig und stabil» sein. Solche Kriterien können irakische Pflanzen nicht erfüllen. Diese ausländischen Firmen besitzen jetzt während zwanzig Jahren ein Recht auf das Monopol von Erzeugung, Vermehrung, Handel (Export, Import) und Lagerung aller genetisch veränderten Samen und «ähnlicher» Pflanzensorten. Monsanto hat einen Raubüberfall auf das Saatgut im Irak gemacht, um es genetisch zu verändern und patentieren zu lassen. So müssen die Bauern des Iraks heute dafür bezahlen, um das Getreide anbauen zu dürfen, das sie vorher seit Jahrtausenden ausgesät hatten.


Die irakischen Bauern: Geisel der Saatgutriesen


Durch diese Anordnung ist die uralte Tradition der Landwirte, das beste Getreide als Saatgut für das nächste Jahr zu selektionieren, gesetzwidrig geworden. (Laut F.A.O. haben im Jahr 2002 noch 97 Prozent der irakischen Bauern ihr eigenes Saatgut verwendet oder es auf dem Dorfmarkt gekauft.) Durch Kreuzungen erhielten sie Mischsorten, die an das raue Klima der Region angepasst waren.


Heute müssen die Bauern mit hohen Geldstrafen und sogar Gefängnis rechnen, wenn sie selbst produziertes Saatgut verwenden oder auf ihrem Feld nichtregistrierte Sorten gefunden werden. Außerdem werden in so einem Fall ihre Ernten, ihre Arbeitsgeräte und ihre Infrastrukturen zerstört. Der Nahrungsmittel-Terrorismus, der von Multis wie Monsanto in den Ländern, die sie kolonialisieren, praktiziert wird, hat bereits tausende Bauern in den Selbstmord getrieben. Sie werden durch den jährlichen Kauf von gentechnisch verändertem Saatgut und den damit einhergehenden äußerst giftigen chemischen Unkraut- und Insektenvertilgungsmitteln völlig ruiniert.


Das Land ist bereits durch die permanenten Bombardierungen mit Uranmunition seit 1991 zu einer riesigen Atommüllhalde geworden. Auch das 13 Jahre anhaltende Embargo führte so nach und nach zur Zerstörung der irakischen Landwirtschaft. Das Bewässerungssystem, landwirtschaftliches Material und etliche Dattelpalmen wurden vernichtet. Zwischen 1990 (Beginn der Sanktionen) und 2003 sank die Getreideproduktion auf die Hälfte.


Totale Kontrolle der Ernährungskette


Die irakischen Bauern mussten nicht nur die Greueltaten der Besatzer über sich ergehen lassen, inzwischen wurden sie sogar zu ihren Sklaven gemacht – verdammt dazu, künstliche Pflanzen herzustellen, von denen die Hälfte für den Export bestimmt ist und ein Teil für die Besatzungstruppen: So müssen sie Weizensorten anbauen, die sich für die Nudelproduktion eignen; ein dem irakischen Volk völlig fremdes Lebensmittel. Einzig Monsanto und Konsorten profitieren davon. Währenddessen leidet die irakische Bevölkerung unter Hunger.


Die Chimären, die durch diese tödlichen Technologien entstehen, stellen eine sehr große Gefahr sowohl für die Umwelt, die Gesundheit als auch in wirtschaftlicher und ethischer Hinsicht dar. Durch sie entsteht eine genauso unumkehrbare Umweltverschmutzung wie durch abgereichertes Uran. Sie können übrigens auch gut für biologische oder bakteriologische lautlose Kriegsführung verwendet werden.1


Die genetisch modifizierten Organismen (GMOs) sind zu einer der wichtigsten Waffen der Anstifter der neuen Weltordnung geworden, um, eins nach dem anderen, die Völker des ganzen Erdballs zu unterjochen. Der Irak ist zum neuen Laboratorium dieses teuflischen Herrschaftsinstruments geworden und die Irakerinnen und Iraker zu dessen Versuchskaninchen.


Joëlle Pénochet


 


*»Wir sind im Irak, um hier die Samen der Demokratie auszustreuen, sodass sie hier gedeihen und sich in der ganzen Region, wo Totalitarismus herrscht, ausbreiten.» (George Bush)


1. Siehe die Artikel von Mae Wang Ho und Joe Cumming, Institut für Gesellschaftswissenschaft(ISIS). Quellen: Artikel von F.W.Engdahl, Stephan Lendmann, Jeffrey Smith, Jeremy Smith, Michel Chossudovsky und Ghali Hassan auf Globalresearch.ca


 

verfasst von Joëlle Pénochet,  19.05.2008, eingestellt von ute
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 160 (05/2008)

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