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Robert Kurz behauptet (Archipel 106), jene Millionen, die weltweit gegen die Kriegspläne der US-Regierung demonstriert hätten, würden keine andere Sprache sprechen als die US-Regierung selbst. Damit meint er auch mich, denn ich war einer dieser Millionen. Ich weiss meistens, solange ich nüchtern bin, welche Sprache ich spreche, und bin verdutzt, von Robert Kurz so eingeteilt zu werden. In seinem Artikel "Paradoxien der Menschenrechte" folgt eine anregende, originelle und streckenweise scharfsinnige Kritik an der Markt- und Warengesellschaft und ihrer Verknüpfung mit der Menschenrechtsideologie. Diese Kritik ist allerdings unter dem oben erwähnten Protest-Volk bereits weit verbreitet. Viele Betroffene wissen und fühlen, welche Welt sie nicht wollen. Auf der Suche nach Erklärungen haben sie zahlreiche Bücher, Zeitschriften und Analysen mit den verschiedensten Blickwinkeln und Ansätzen gelesen, lesen weiter und diskutieren mit Anderen. Sie misstrauen jedoch all jenen, die sich anmaßen, die Wahrheit gefunden zu haben. Sie schließen sich auch nicht mehr so gerne einer Denkschule, einer Partei oder einem "großen Meister" (frei nach der Devise: "Merci Monsieur, ich denke selbst") an. Ein ziemlich potenter Geisteszustand, der mich, wenn ich mich an einer Aktion beteilige, oder danach mit Freundinnen und Freunden zusammensitze, immer wieder optimistisch stimmt. Möchte Robert Kurz mit seiner interessanten Analyse (die, wie gesagt, eine unter zahlreichen anderen ist) von diesem Protest-Volk vermehrt zur Kenntnis genommen werden, so würde ich ihm raten, etwas weniger im rechthaberischen Gewande herumzustolzieren, sondern auch mal mit diesem Volk auf die Straße zu gehen. Dann könnte er feststellen, dass da schon ein kleiner feiner Sprachunterschied besteht.


 

verfasst von Hannes Reiser (Basel),  26.08.2003, eingestellt von ute
Thema im Archipel 107 (07/2003)
Tags: L E S E R B R I E F
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Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 107 (07/2003)

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