LANDWIRTSCHAFT: Die Strategien des Lebenden
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Die Strategien des Lebenden


Trotz eines möglichen irreversiblen biologischen Desasters zögert der Mensch, der das irdische Ökosystem unter dem Vorwand des Wachstums und des Fortschritts zerstört, der totalen Ausbeutung der Natur ein Ende zu setzen. Zum jetzigen Zeitpunkt schreitet der industrielle Raubbau schneller voran als die natürliche Erneuerung der Artenvielfalt. Die Gefahrenschwelle ist überschritten worden, die unbedingt zu einem Bewusstsein und zu internationaler Vernunft führen


Auf internationaler Ebene - durch Abkommen und Verträge - und durch eine Vielfalt von Mikroinitiativen zur Erhaltung der Natur wird der Umweltschutz zur großen politischen Sache des 3. Jahrtausends.


Die Mittel zur Erhaltung


Vielerorts wird versucht, der Zerstörung unseres Planeten entgegenzuwirken. Oft steht man dabei vor scheinbaren Gegensätzen wie zum Beispiel zwischen der Erhaltung der Arten und der Ernährungssicherheit. Der Widerspruch zwischen menschlicher Aktivität (Industrie, Energieproduktion, Landwirtschaft, Jagd, Fischerei) und den natürlichen Ressourcen, die dadurch dem Ökosystem der Erde entnommen werden, ist nicht leicht zu lösen.


Das World Resources Institute sagt für 2010 ein Anwachsen der Ackerflächen um 30 Prozent voraus (2000 Millionen Hektar, davon 950 für die Getreideproduktion). Eine Studie der Welternährungsorganisation FAO (2000) hingegen, zitiert von B. Charrier in seinem Aufsatz «Schlacht um den Planeten» (Ed. Economica) fasst die Problematik so zusammen: «Auch wenn Neuland erschlossen wird, so gibt es nicht mehr landwirtschaftlich nutzbare Flächen auf der Welt. Dem Landgewinn gegenüber stehen Erosion, Urbanisierung, die Entstehung von Wüsten, Übersalzung, intensive Beweidung und unangepasste landwirtschaftliche Praktiken. Der Schutz der Böden ist eine absolute Priorität geworden und erfordert drastische Maßnahmen.»


Leider gehen die Maßnahmen nicht immer in die Richtung des natürlichen Gleichgewichts. Länder wie Indonesien und Brasilien, wo ein großer Anteil der Bevölkerung unterernährt ist, haben sich für die intensive Nutzung des Bodens entschieden - und das immer unter dem Vorwand, die ganze Bevölkerung ernähren zu wollen. Im Nordosten Brasiliens zum Beispiel, wo riesige Flächen abgeholzt wurden, hat die Zuckerrohrmonokultur nur zu den herrschenden Hungersnöten beigetragen. Ist es ein Zufall, dass innerhalb eines Jahrzehnts in 15 der am höchsten verschuldeten Länder, die oft große Wälder besitzen, die Abholzung dreimal so schnell vorangeschritten ist als früher und dass sich am Lebensstandard der Bevölkerung nichts verbessert hat?


Auch wenn es schwer ist, diese beiden Aspekte des Überlebens miteinander zu vereinbaren, gibt es auf internationaler Ebene Versuche, aus der Not eine Tugend zu machen. Es gibt heute über 6.000 große Nationalparks, Reservate und geschützte Zonen weltweit. Zu diesen staatlich geschützten Territorien, die 4,5 Prozent der Erdoberfläche ausmachen (9 Prozent Europas), kommen Tausende regionale oder private Umweltschutzinitiativen dazu: botanische Gärten (1.600, davon 650 in Europa), zoologische Gärten (500), Genbanken (60), wissenschaftliche Aquarien (40), wo an der Erhaltung der Biodiversität gearbeitet wird. Unberührt von Landwirtschaft und Industrie, verschont von Jägern, Fischern und Sammlern, sind diese Räume auch Orte der ständigen Ausbildung und Erziehung.


Ich denke zum Beispiel an die «Reservate der Biosphäre», ein von der UNESCO ausgearbeitetes und realisiertes Konzept. Die Flächen sind in konzentrische Kreise aufgeteilt, die streng geregelte Funktionen haben: Erhaltung der Arten im innersten Kern, umweltfreundlicher Anbau und traditionelle Viehzucht in einer Pufferzone, Aktivitäten in Richtung dauerhafte Entwicklung in der äußeren Zone. Trotz ihrer Beschränktheit in Raum und Zeit sind diese RB (360) Beispiele einer Synergie (Landwirtschaft/Biotope), welche die Natur vor den Folgen der «Raumplanung» schützt. Sie garantieren die Verträglichkeit von Ökologie und Wirtschaft und könnten die Idee versinnbildlichen, die Erde zum Allgemeingut der Menschheit unter dem Schutz der UNO zu erklären. So wäre sie vor ausschließlich wirtschaftlichen und finanziellen Interessen geschützt.


Die weltweite Politik zur Erhaltung der Artenvielfalt ist sicherlich noch weit von den Anforderungen der Natur entfernt. Ein europäisches Dekret setzt fest, dass in jedem Mitgliedsland 10 Prozent des Territoriums unter Naturschutz zu stellen seien, doch die meisten Länder respektieren das nicht. Nur Luxemburg (28 Prozent), Schweden (25 Prozent), Österreich (19 Prozent), Großbritannien (19 Prozent) und Deutschland (14 Prozent) halten sich an diese minimalistische Weisung. Biologen wie zum Beispiel die Experten der UICN 1 schätzen, dass man 30 Prozent der gesamten Erdoberfläche unter Naturschutz stellen müsste, nur um die Biodiversität auf ihrem jetzigen Niveau zu erhalten. Dafür bräuchte es einen viel strengeren juristischen Rahmen mit schweren Strafen für jene, welche die Regeln nicht einhalten. Wenn man zum Beispiel nur den Sektor der Schifftransporte von gefährlichen Substanzen betrachtet, kann man sicher sein, dass große Handelslobbies gegen diese Art von Maßnahmen erbitterten Widerstand leisten werden.


Der Kampf um die Erhaltung der Artenvielfalt


Auf der Ebene der Information und der Gesetzgebung wurden ab dem Beginn der 1970er Jahre wichtige Fortschritte erzielt. Nach 30 Jahren Produktivismus, der sich wenig um die Auswirkungen auf das Ökosystem sorgte, machten nun einerseits Wissenschaftler und andererseits Bürgerbewegungen auf die vom industriellen Wachstum verursachten Schäden aufmerksam. Damals wurde auf der Grundlage von wissenschaftlichen Expertisen viel geschrieben (siehe z.B. die Schriften von Illich). Ein neues Bewusstsein bildete sich und verlangte nach entsprechenden Maßnahmen. Wir finden eine Synthese dieser Schriften im «Red Data Book», das 1990 von der UICN herausgegeben wurde. Dieses kollektive Werk listet eine Reihe von verschwundenen, im Aussterben begriffenen, bedrohten oder seltenen Arten auf, um die sich die öffentliche Hand kümmern soll. 1994 publizierten das Nationale Naturgeschichtsmuseum und der WWF das «Rote Buch, Inventar der bedrohten Fauna in Frankreich», eine Aufzählung der tatsächlich ausgestorbenen oder bedrohten wild vorkommenden und gezüchteten Arten. Die von einigen Forschern und Aktivisten lancierte Dynamik verbreitete sich weltweit auf internationaler politischer Ebene bis hin zu täglichen lokalen Praktiken.


1971 demonstrierten eine Handvoll amerikanischer und kanadischer Pioniere gegen einen geplanten US-Atomversuch in Alaska und gründeten eine emblematische Interventionsgruppe, Greenpeace. Ihr Aktivismus war Ausdruck der fieberhaften Unruhe, die sich der Gesellschaft bemächtigte in Bezug auf die Konsequenzen militärischer Aktivitäten (Versuche in der Sahara, in Polynesien, in Neu-Mexiko, in Sibirien, während des Vietnamkriegs etc.) und der Industrie (Katastrophen von Seveso 1976, Bhopal 1984 …).


In den 20 Jahren nach dem Auftauchen avantgardistischer Umweltschutzgruppen strukturierte sich die ökologische Bewegung in Organisationen und politischen Parteien, die sich an den verschiedensten Fronten engagierten (gegen Atomkraft, Verschmutzung der Ozeane, für die Erhaltung der tropischen Regenwälder, bedrohte ethnische Minderheiten usw.). Hunderte Organisationen und NGOs arbeiten nach mehr oder weniger politischen Kriterien in allen von der Produktion bedrohten Sektoren (WWF, WSPA, World Resource Institute usw.) In Frankreich entstand die Umweltbewegung im Umfeld der Präsidentschaftswahlen von 1974, für die René Dumont kandidierte. In den 1980er Jahren festigte sie sich während der Kämpfe gegen die zivile Atomkraft (Malville, Plogoff) und die militärische (Larzac), gegen die Verschmutzung der Meere (Amoco, Cadiz) oder Projekte wie den Rhein-Rhone-Kanal. Auch wenn diese politischen Gruppierungen sehr klein waren, hatten sie doch einen großen Einfluss vor allem im Bereich der Landwirtschaft.


In den letzten zwei Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts findet das neu gewonnene Bewusstsein der Zivilgesellschaft Ausdruck in der Dynamik der Antiglobalisierungsbewegung. Seit der UNO-Umweltkonferenz von Stockholm 1972 ist ein Zusammenkommen zwischen der ökologischen Bewegung, der Fortschrittskritiker und dem Widerstand der Bauern zu bemerken. Seit den ersten antiliberalen Demonstrationen in Afrika, Asien und Lateinamerika, die als «Hungerrevolten» bezeichnet wurden, wird die Frage der Zerstörung der Lebensräume, verbunden mit Strukturanpassungsplänen und Verschuldung, zu einer vitalen Frage.


Vom Gegengipfel in London (1984), «The other summit» alias «TOES» 2 bis zu dem von Johannesburg (2002) haben alle NGOs, welche die Proteste gegen die Kongresse der Uruguay Round, der WTO, gegen IWF oder Weltbank organisiert haben, die Frage der Artenvielfalt in ihren Prioritätenkalender aufgenommen. In Punta del Este, Berlin, Paris, Lyon, Birmingham, in Köln, Seattle, Evian, Okinawa, Genua, Siby oder an den Sozialforen von Porto Alegre, St. Denis, London und Bombay wurde die Frage der Verwaltung der Ressourcen (Austausch, fairer Handel, Rohstoffpreise) ausgeweitet auf eine kritische Bilanz des Zustands unseres Planeten.


Während der Jahre, in denen sich der weltweite Widerstand gegen die neoliberale Globalisierung organisierte, schossen Vereinigungen und NGOs wie Pilze aus dem Boden. In Frankreich und später in Europa kristallisierte sich eine seiner militanten Ausdrucksformen rund um ATTAC. 1987 radikalisierte sich der ländliche Protest in Europa und in mehreren Ländern der südlichen Hemisphäre. Gewerkschaften wie die SOC 3, die Confédération Paysanne und ihre europäische Ausweitung CPE sowie Bewegungen wie die MST 4 in Brasilien, der Zusammenschluss der indischen Bauern in Karnataka entstanden und schlossen sich 1992 in Managua zu einem breiten Netzwerk (70 Organisationen aus 40 Ländern), der Via Campesina 5, zusammen.


Die indische Bewegung gegen die Patentierung des Lebens und Genmanipulationen, die über 10 Millionen Bauern vereinigt, widersteht erfolgreich der produktivistischen Politik der Regierung und dem Eindringen multinationaler Biotechnologie- und Saatgutkonzerne. Es gelang ihnen, nach mehreren Jahren Kleinkrieg und Materialsabotage, in gandhischer Tradition, d.h. ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, den Konzern Monsanto aus ihrer Provinz zu vertreiben 6.


Der Aufstand in der mexikanischen Provinz Chiapas 1994 war der Auftakt zur Entstehung von originellen Formen der Autonomie und trug dazu bei, dass die Frage der politischen Ökologie in den Ländern des Nordens wie des Südens auf die Tagesordnung kam.


Juristische Rahmen


Unter dem Druck dieser neuen Dynamik erließen die verschiedenen Staaten und die UNO eine Reihe von Gesetzen über die Erhaltung des Ökosystems. Ein ganzes Arsenal von Maßnahmen entstand, um die Nutzung der natürlichen Ressourcen zu reglementieren und - im Prinzip - deren Zerstörung zu bestrafen. 1971 erklärte die Konferenz von Ramsar die Notwendigkeit, feuchte Zonen wie Flussdeltas, Seen, Moore usw. sowie die Lebensräume der Wasservögel unter Schutz zu stellen. Ihre Direktiven wurden zur Jurisprudenz im Bereich der Küstengestaltung und lancierten die Idee der «nationalen Reservate». Die Konferenz der Vereinten Nationen erstellte 1972 in Stockholm eine Reihe von Rahmenregelungen, die schrittweise die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen bremsen sollen.


1973 wurde die Konvention von Washington über den internationalen Handel von bedrohten Pflanzen- und Tierarten vereinbart und zwei Jahre später ratifiziert. Diese Verzögerung beim Inkrafttreten von Gesetzen wird sich von nun an bei allen internationalen Treffen wiederholen. Die Texte von Bonn und Gaborone (79 und 83) verstärkten das Gesetz von 1975. 1981 definierte ein von der Berner Konvention erarbeitetes Gesetz die Normen für die Konservierung der Umwelt in Europa, Vorspiel zur europäischen Direktive «Habitats», welche die Unterzeichnerstaaten verpflichtet, eine Aufstellung der Lebensräume von Pflanzen und Tiere zu machen, die geschützten Zonen zu definieren («Natura 2000») und eine Typologie der europäischen Biotope («Corine biotopes») zu erstellen. Die ad hoc aus dieser Arbeit hervorgegangenen Kommissionen schlossen sich 1983 zur Internationalen Kommission der phytogenetischen Ressourcen zusammen, welche zur Aufgabe hat, ein System zur Erhaltung des vegetalen Genmaterials auf der ganzen Welt auszuarbeiten. Im Namen dieses universellen Gemeinguts definierte sie einen gesetzlichen Rahmen, der die Staaten dazu verpflichtet, einen gerechten Austausch von germinativem Plasma 7 auszuhandeln. Sie legte ein Prinzip von finanzieller Kompensation fest, das oft nicht eingehalten und anlässlich der Konferenzen von Rio und Johannesburg unter dem Druck der reichen Länder wieder in Frage gestellt wurde.


In Europa trat 1983 ein Gesetz für die Erhaltung der Natur und den Landschaftsschutz in Kraft, ausgearbeitet von der Konvention Benelux (82) und gültig in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft. Ein Jahr vor Rio wurde in London auf Empfehlung von Wissenschaftlern, die sich für verlässliche Indikatoren des Zustands der Ökosysteme interessierten, eine Regelung zur Erhaltung der Fledermäuse erstellt. 1985 folgte die Konvention von Wien über den Schutz der Ozonschicht. Theoretisch haben 22 Länder diese Konvention ratifiziert, welche 1987 durch das Protokoll von Montreal und 1990 durch die Erklärung von London, die 92 Länder unterzeichnet haben, ergänzt wurde.


Wir werden jedoch bei der Unterzeichnung des Protokolls von Kyoto sehen, dass gewisse Industriemächte, vor allem die USA, andere Absichten haben.


20 Jahre nach der Konferenz von Stockholm führte die Arbeit der Brundtland-Kommission 8 schließlich zum Gipfel «Planet Erde» (siehe Kasten) in Rio de Janeiro, organisiert von der Kommission der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (CNUED).


Beim Protokoll von Kyoto konnte man sehen, wie die Industrieländer wie ein Clan ihre Interessen vertreten haben (siehe Kasten).


Weder der Gipfel über dauerhafte Entwicklung von Johannesburg (2002), noch die Konferenz von Buenos Aires (2004) konnten die amerikanische Haltung beeinflussen, sei es in Bezug auf Abgase, erneuerbare Energie oder Subventionen für die Landwirtschaft. Die NGOs und die meisten Länder der südlichen Hemisphäre mussten sich damit begnügen, Resolutionen über Partnerschaften und über Prinzipien der «gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung» zu verlesen. Keine Zwänge, keine Zeitpläne, keine Konzessionen in Bezug auf die Politik der WTO. Eine monumentale Niederlage oder, wie die Schlagzeile der französischen Wochenzeitschrift Politis lautete: «Johannesburg, der Gipfel der Lächerlichkeit»?


Es ist also nicht weiter erstaunlich, dass die Antiglobalisierungsbewegung am Sozialforum von Bombay hauptsächlich über regionale Initiativen und marginale alternative Praktiken diskutierte und sich vom vagen oder teilweisen Reformismus der so genannt fortgeschrittenen Länder distanzierte.


Im Widerstand gegen die Genmanipulationen, gegen die Patentierung des Lebens, in der respektvollen Nutzung der Natur, der Rehabilitierung der bäuerlichen Landwirtschaft und der Schaffung von Räumen, in denen die Artenvielfalt erhalten bleibt, muss Tag für Tag die Antwort auf die gefährliche Tragödie des Fortschritts erarbeitet werden.


Jean Duflot


EBF-Frankreich


 


Rio


Dort wurde über verschiedene Erklärungen zum Thema der massiven Zerstörung der Lebensräume und der negativen Auswirkungen des industriellen Wachstums verhandelt. Jene über die weltweite Regulierung der Nutzung der Wälder blieb in einer Sackgasse stecken: Die Industrieländer wollten das selektive Abholzungsverbot auf die tropischen Wälder beschränken, die «Entwicklungsländer» unter der Führung Malaysias hingegen plädierten dafür, das Verbot auch auf die Wälder der gemäßigten Zonen (USA, Kanada, ex-UdSSR) auszudehnen.


Im Allgemeinen haben die «Entwicklungsländer» darauf bestanden, dass der Schutz der Umwelt vereinbar sein müsse mit dem Überleben der Bevölkerungen und dass eine von der UNO empfohlene weltweite Partnerschaft bedeute, dass sich alle an den Kosten zur Erhaltung der Umwelt beteiligen und dass die Handelsgesetze neu verhandelt werden müssen.


Die 27 Prinzipien der Plattform «Das Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur» (Prinzip 1) sind, laut der Schlussresolution, «eine prinzipielle Erklärung, ohne juristischen Zwang, für einen weltweiten Konsens über die Nutzung, die Erhaltung und eine ökologische vertretbare Ausbeutung der natürlichen Ressourcen».


Die meisten grundlegenden Probleme blieben jedoch offen im Hinblick auf spätere Abkommen.


Der Rückgang der finanziellen Hilfe zwischen 1992 und 2000 (von 69 auf 53 Milliarden Dollar) zeigt sehr klar, dass die Angst vor einem Ökozid nicht die Hauptsorge der reichen Länder ist.


 


Kyoto


Mit den USA an der Spitze der Gegner radikaler Reformen in Bezug auf Gase, die den Treibhauseffekt hervorrufen, haben Länder wie Australien, Ägypten, Indonesien, Sambia, Kasachstan zusammen mit 189 Ländern das Schlussprotokoll unterzeichnet, ohne es zu ratifizieren. Das Abkommen besagt, grob gesagt, dass sich 38 Länder mit starkem Industriewachstum verpflichten, bis 2012 den Ausstoß von CO2 um mindestens 5,5 Prozent im Verhältnis zu 1990 zu verringern. In Anbetracht der Tatsache, dass diese Maßnahme die amerikanische Wirtschaft in ihrem Wachstum beeinträchtigen würde (die USA produzieren 25 Prozent der für den Treibhauseffekt verantwortlichen Abgase weltweit), weigert sich die Bush-Administration standhaft, sie zu ratifizieren. Sie rechtfertigt sich damit, dass China, an zweiter Stelle der Abgas-Produktion, sich geweigert hat, das Abkommen von 1997/98 zu unterzeichnen und dass die «Entwicklungsländer» wie zum Beispiel die Mitglieder der OPEP, Indonesien, Südkorea und China selbst Kompensationen fordern und bisher nur dazu verpflichtet sind, ihre Abgasproduktion zu messen. Russland (17 Prozent) hat schließlich 2004 das Protokoll unterzeichnet und hat das Recht auf 20 Prozent mehr, berechnet auf der Grundlage von 1990.


Die Polemik von Kyoto führte schließlich sogar zu einigen für die Großmächte vorteilhaften Ausnahmeregelungen. Sie verdanken den USA die Entstehung eines «Verschmutzungsmarktes», auf dessen Grundlage die Industrieländer den anderen ihre Quoten von umweltschädlichen Auswirkungen abkaufen können.


 

verfasst von Jean Duflot (EBF-Frankreich),  21.02.2005, eingestellt von ute
Thema im Archipel 123 (01/2005)
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Dieser Text stammt aus dem Archipel

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