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LATEINAMERIKA: Putsch in Honduras

Die folgende Presseerklärung wurde auf der Kundgebung zum internationalen Aktionstag zu Honduras am 11.August 2009 vor der Botschaft von Honduras in Berlin veröffentlicht.


 


Das Komitee COSPRAL (Comitee de Solidaridad con los Pueblos en Resistencia de America Latina *) verurteilt den zivil-militärischen Putsch, unter dem die Bevölkerung von Honduras seit über einem Monat leidet.


Wir stellen uns mit aller Energie gegen die Verschwörung der herrschenden Eliten in Honduras, gegen die Putschisten aus Militär, gesellschaftlicher Elite und Unternehmern, die am 28. Juli den Putsch durchgeführt haben, indem sie den demokratisch gewählten Präsidenten Manuel Zelaya entführten und gewaltsam aus dem Land entfernten, um gegen die Bevölkerung von Honduras ein ausschließlich repressives, manipulierendes und mörderisches Unrechts-Regime zu etablieren.


Als wir endlich davon ausgehen konnten, dass die Diktaturen in Lateinamerika endgültig überwunden seien, öffnet sich hier ein neues Kapitel in dieser Schreckensgeschichte. Beweis hierfür sind die permanenten Menschenrechtsverletzungen als Folge der nach dem Putsch ergriffenen Maßnahmen, wie die Ausgangssperren, welche das Recht auf Bewegungs- und Versammlungsfreiheit massiv verletzen, wie die illegalen Hausdurchsuchungen, wie die Verfolgungen ohne rechtlichen Hintergrund, die illegalen Entführungen von DemonstrantInnen, ungezählte Morddrohungen gegen ArbeiterInnen und AktivistInnen der Landbevölkerung, und nicht zuletzt zahlreiche «Verschwundene» oder durch das Regime, durch Polizei und Militär Ermordete.


Ein Beispiel hierfür ist die Ermordung des 19jährigen Isis Murillo durch Militärkräfte am 05. Juli diesen Jahres, während er mit anderen DemonstrantInnen den vergeblichen Landungsversuch des gewählten Präsidenten Zelaya auf dem Flughafen Toncontin erwartete. Später wurde der Vater von Isis Murillo durch Militär entführt, um eine Zeugenaussage über diesen Mord zu verhindern.


Bis heute ist die Anzahl der Verschwundenen und Ermordeten in Honduras nicht bekannt. Das COFADEH, das ist das Komitee der Angehörigen der Verschwundenen, hat einen Bericht veröffentlicht, in dem es von mehr als 1.500 schweren und schwersten Menschenrechtsverletzungen ausgeht. In mindestens 300.000 Fällen sind DemonstrantInnen seit dem Putsch als «Verdächtige» festgenommen und überprüft worden. In der Region Orlando kam es zu massiven Zwangsrekrutierungen durch das Militär unter Jugendlichen unmittelbar nach dem Putsch.


Es ist alarmierend, dass wieder Personen auftauchen, die Produkt der «Escuela der las Americas» (SOA) sind, jener Einrichtung, in der süd-amerikanische Militärs unter Anleitung der USA Folterung, Ermordung und das Verschwindenlassen von


AktivistInnen lernten. Die «Schule Amerikas» ist weiterhin fruchtbar, durch die übriggebliebenen folternden und mordenden Schüler, wie es im Moment der Fall ist bei dem derzeitigen Chef der putschenden Streitkräfte von Honduras, Romeo Vazquez Velazquez.


Wir rufen alle internationalen Menschenrechtsorganisationen auf, aktiv an der Verteidigung der akut bedrohten und täglich verletzten Menschenrechte in Honduras mitzuwirken.


Wir fordern die Europäische Union und speziell die Regierung der BRD auf, dass sie sich explizit gegen den Putsch aussprechen und in diesem Sinne aktiv werden.


Wir fordern, sofort jede finanzielle oder sonstige Unterstützung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, welche offen das antidemokratische Vorgehen der Putschisten in Honduras unterstützt, einzustellen.


Wir fordern die Bestrafung der für den Putsch Verantwortlichen, und wir fordern ihre Bestrafung für Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir wünschen uns von allen heute Anwesenden, dass sie die Informationen über den Putsch in Honduras weiterverbreiten, sich solidarisieren, und dass wir gemeinsam Widerstand leisten, denn Honduras ist heute das Laboratorium, um erneut Militärregierungen in Lateinamerika einzusetzen, und deshalb sagen wir heute, nie wieder Militärputsche, oder zivilmilitärische Putsche, in unserem geliebten Lateinamerika, und auch an keinem anderen Ort der Erde.


Die Repression globalisiert sich - globalisieren wir den Widerstand!


 


Aktionstag


Bei der Kundgebung erschien auch der honduranische Botschafter und erklärte, dass mit dem Putsch in Honduras ein Feuer entstehe, das sich zu einem Flächenband ausweiten könne. Er sagte: «Ich bin der Botschafter der legitimen Regierung von Honduras und nicht der Botschafter der Putschisten. Ich möchte mich bedanken, dass ihr hier seid, um unseren legitimen Präsidenten und die Bevölkerung von Honduras zu unterstützen.» Er bezeichnete den Putsch als: «…völlig illegale Aktion» und sprach sich gegen das «brutale Vorgehen gegen die Bevölkerung» aus.



* «Solidaritätskomitee mit der widerständischen Bevölkerung Lateinamerikas»


Kontakt: cospral(at)riseup.net


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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 174 (09/2009)

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