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LAUTSPRECHER: Frühlingsaktion in der ZAD

Am 13. April findet eine Grosskundgebung in der ZAD statt. Sie schliesst an den Widerstand der letzten Monate an und lädt ein, gemeinsam das Landwirtschaftsjahr zu beginnen.
Seit dem 16. Oktober verkörpert der erbitterte Widerstand gegen die Räumung der ZAD auch eine Hoffnung: Dass unser Leben, unser Wohnraum und unsere Felder nicht zugunsten der Logik des Marktes und der sterilen Vorstellungen über die Gestaltung der Landschaft niedergemäht werden. Mehr als 200 lokale Solidaritätskomitees sind in den letzten Monaten entstanden und wir sehen neuen Triumphen entgegen, ob nun hier in der Umgebung von Nantes, oder anderswo.
Am 17. November haben wir bewiesen, dass sie uns trotz Polizeieinsatz nicht aus der ZAD vertreiben konnten und dass wir zu 40 000 wiedergekommen sind, um alles wieder aufzubauen. Anfang Januar machte die dortige Landwirtschaftskommission einen Aufruf, auf den durch Vinci bereits enteigneten Grundstücken auf der ZAD im Rahmen von verschiedenen Projekten die zerstörten Gärten wieder herzustellen und durch neu angekommene LandwirtInnen zu bewirtschaften. Obst- und Gemüsegärten, Hühnerhöfe und Kornfelder sind bereits in etwa zehn Projekten entstanden.
Anfang April soll ein Wendepunkt werden: Die «Dialogkommission» ist beendet worden. Sie wurde von der Regierung eingesetzt, um die «Notwendigkeit des Flughafens besser zu erklären». Dies lässt erneut gross angelegte Räumungsaktionen befürchten. Dem setzen sich langfristig angelegte Landwirtschaftsprojekte entgegen, die im Laufe der Besetzung der ZAD entstanden sind. Die Menge an wieder kultiviertem, bereits enteignetem Land ist unsere Art, einen Strich unter diesen Pseudodialog zu setzen. Wir bauen lustvoll wieder auf, und trotzen damit der nach wie vor massiven militärischen Blockierung der Strassen dieses Landstrichs. Auf diese Weise kann auch eventuellen Bauarbeiten auf einem Teil des bedrohten Geländes kurzfristig zuvorgekommen werden.
Diese Art von Aktionen wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht Bauern und Bäuerinnen und Besetzer_innen von ausserhalb kontinuierlich zusammengearbeitet hätten. So wurde das Land und der Garten des Hofes «Sabot» im Mai 2011 urbar gemacht.  Die Höfe «Rosier» und «Chataigne» sind im November mit Hilfe von mehreren Dutzend aneinander geketteten Traktoren verteidigt worden. Nicht zu vergessen ist die dramatische Besetzung des Hofes «Bellevue», bevor er Ende Januar doch zerstört wurde. Abgesehen von diesen ganz prägnanten Ereignissen bewirkten die regelmässigen Landwirtschaftsversammlungen sowie die im Alltag geknüpften Beziehungen – sei es bei gemeinsamen Mahlzeiten oder auf gemeinsamen Barrikaden – dass die von den Machthabenden geschaffenen gesellschaftlichen Kategorien im Kampf gegen diesen Flughafen unwichtig geworden sind.
Was sich heute in Notre Dame des Landes abspielt, erinnert an die bewegte Geschichte von Bauernbewegungen in den vergangenen Jahrzehnten. Es gibt starke Bezüge1 zu den Streiks und Demonstrationen von ’68, den direkten Aktionen gegen das Diktat der Industrie, die Landbesetzungen gegen «Landgrabbing».
Auf diesem Mist stark geworden, appelliert die grosse Kundgebung vom 13. April an eine gemeinschaftliche Nutzung des Landes und dessen Bewirtschaftung. Als Antwort auf den weltweiten Tag des bäuerlichen Kampfes verstehen wir folgendes:
- Eine Praxis des Teilens, die im Gegensatz steht zu den grossen Landwirtschaftsunternehmen, die den Zugang zu Grund und Boden für kleinbäuerliche Neuanfänge verhindern.
- Gegenseitige Hilfe, gemeinschaftliche Nutzung von Mitteln und Werkzeug, aber auch die Möglichkeit zur Gründung von Kollektivprojekten.
- Ein fruchtbarer Dialog zwischen herkömmlichen bäuerlichen Methoden und experimentellen Praktiken, unter Profis, Bauern und Bäuerinnen ausserhalb des herkömmlichen Rahmens.
- Gemeinsames Nachdenken über die Frage der Ernährung, etwa über eine eigenständige Produktion, die unabhängig ist von den Agroindustrien, sowie die mögliche Einbeziehung der Stadt Nantes und ihrer Bewohner_innen.
- Die Fähigkeit, landwirtschaftliche Themen in Beziehung zu bringen mit der Frage nach Lebens- und Wohnformen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen.
Praktisch geht es darum, am 13. April mit Werkzeug in der Hand ausgehend von den umliegenden Dörfern in Richtung der ZAD zu ziehen, um sich auf die verschieden landwirtschaftlichen Tätigkeiten zu verteilen. Auf dem Programm stehen - je nach Nässegrad des Bodens - : Das Pflanzen von Obstbäumen, Hecken und Büschen, Bienenstöcke aufstellen, jäten, umpflanzen, Infrastruktur aufbauen (Schuppen, Gewächshäuser), Entwässerungsrohre verlegen, Zäune reparieren, die während der Auseinandersetzungen zerstört worden sind und Forstwege wieder markieren. Ausserdem vorgesehen sind Saatgutbörsen, die Ausstellung von alten, heute nicht mehr zugelassenen Sorten, Diskussionen und Workshops über landwirtschaftliche Praktiken und – abends - Fest, Tanz, Bankette. Wir laden hiermit alle ein, die gegen diesen Flugplatz sind, sich auf die Beine zu machen. Kommt, um die Rückkehr des Frühlings zu feiern und um zu zeigen, dass wir ihren Flugplatz und die Welt, die da mit verbunden ist, nicht wollen, weder hier noch anderswo. Unsere Stärke ist, das fruchtbar zu machen, was sie steril machen wollen.
Eine genauere Liste, mit den für die verschiedenen Einrichtungen benötigten Dingen, wird wenige Wochen vor der Kundgebung herum geschickt werden.
Hier noch mal zusammengefasst:
Treffen 10 Uhr mit der Hacke in der Hand, auf mehreren Marschrouten von den umliegenden Dörfern aus das Land besetzen, die Baustellen beginnen.
Mittags ist jede_r eingeladen, mitgebrachtes Essen mit den anderen zu teilen. Abends gibt es Festmahl und Tanz.
Sème ta ZAD
Mehr praktische Infos über Treffpunkte, Materialbedarf, Empfang und anderes auf der Website: http://zad.nadir.org/semetazad


1. Erinnert sei an Flughafen Frankfurt Startbahn West, Atommüll-Endlager Gorleben im Wendland.  Anm. d. Übersetzerin.

 03.04.2013, eingestellt von ute
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 213 (03/2013)

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