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SCHWEIZ: Das Boot ist nicht voll!

«Wie kann man auf eine andere Art das Thema des Empfangs von Asylbewerber_innen in der Schweiz angehen? Indem man in die Geschichte eintaucht! So entdeckte ich die  Freiplatzaktion der 1970er-Jahre.
Endlich war ich fündig geworden; eine lehrreiche und positive Geschichte gab es da zu erzählen: die Geschichte einer Bewegung des zivilen Ungehorsams, die der Schweizer Regierung mit grosser Beharrlichkeit die Aufnahme von politischen Flüchtlingen aus Chile nach dem Militärputsch von Pinochet abtrotzte.
Diese Geschichte erscheint etwas seltsam im Jahr 2014: Die extreme Rechte reiht eine ausländerfeindliche Kampagne an die andere, um aus der Angst der Bevölkerung Stimmen zu gewinnen. (...) Wäre unter diesen Umständen eine grosse Mobilisierung für die Flüchtlinge wie die der Freiplatzaktion auch heute noch möglich? Jedenfalls erscheint es mir als wichtig, diese verkannte Geschichte zu erzählen. Sie möge in Zukunft zu neuen Freiplatzaktionen inspirieren!»
So erklärt der Dokumentarfilmer Daniel Wyss seine Motivation für seinen Film «Das Boot ist nicht voll». Wie ein roter Faden führen die Erzählungen von Hannes Reiser,  Gründungsmitglied des EBF und der Europäischen Kooperative Longo maï, durch den Film. Er war damals selbst in der Freiplatzaktion impliziert und berichtet engagiert und humorvoll über das Erlebte. Die Freiplatzaktion für Chileflüchtlinge war eine breite Bewegung von Tausenden Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, von politischen Gemeinden und Kirchgemeinden, von Einzelpersonen und ganzen Familien, die sich bereit erklärten, einen Flüchtling oder auch mehrere Exilant_innen aus Chile bei sich aufzunehmen - und dies gegen den Willen der Schweizer Regierung.
Daniel Wyss hat - neben dokumentarischen Filmaufnahmen der Repression in Chile und des Empfangs der ersten Chile-Flüchtlinge in der Schweiz - damalige Stellungsnahmen von Politiker_innen und Behördenvertreter_innen gesammelt, die via die Flüchtlingsfrage ein grelles Licht auf die Stimmung des Kalten Krieges werfen. Damalige und heutige Stellungnahmen der Vertreter_innen der Freiplatzaktion wechseln sich ab. Der Filmemacher erteilt gleichzeitig das Wort an mehrere chilenischen Flüchtlinge, die durch die Freiplatzaktion gerettet wurden und seitdem in der Schweiz leben: berührende Erzählungen über die Schwierigkeiten des Exils, aber auch über Momente des Glücks und der Hoffnung.
Der Film von Daniel Wyss wurde bereits von einem grossen Publikum an den diesjährigen Solothurner Filmtagen und an anderen Orten mit viel Beifall aufgenommen. Es handelt sich um einen Film, der Freude und Mut macht, trotz des dramatischen Hintergrunds. Zudem bleiben die Fragen, die er aufwirft, aktuell.


«Das Boot ist nicht voll», Dokumentarfilm von Daniel Wyss, 56 Min.; Sprachen: Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch; Untertitel: Deutsch, Französisch, Italienisch; Schweiz, 2013. Preis DVD: 20 CHF


Kontaktadresse: daniel(a)climage.ch; mehr Informationen über die Vereinigung der unabhängigen Filmemacher: www.climage.ch
Stellungnahme zu «Ein Schwob in der Schweiz»
Aufgrund von mehreren negativen Kommentaren zum Text «Ein Schwob in der Schweiz» im Archipel Nr. 224 möchte ich als Autor kurz Stellung beziehen: Bei dem Artikel handelte es sich um eine Satire, die – zugegeben – etwas bissig daherkam. Mir ging es nicht darum, jemanden persönlich zu beleidigen oder die Schweiz ins Lächerliche und in den Dreck zu ziehen. Ich wollte zeigen, wie absurd und gefährlich Vorurteile sein können, die u.a. von den fremdenfeindlichen Initiativen der SVP regelmässig geschürt werden. Dabei ist der Deutsche im Text ebenso vorurteilsbehaftet, wie er es den Schweizern unterstellt. Der letzte Satz des Textes sollte nicht bedeuten, dass Schweizer keine Menschen sind, sondern dass die Nationalität unwichtig sein sollte. Vielmehr geht es darum, mensch(lich) zu sein und zu bleiben. Dass meine Satire trotzdem zu Missverständnissen führen konnte, nehme ich gerne als Kritik entgegen.
Michael Rössler 

verfasst von Michael Rössler, EBF ,  09.06.2014, eingestellt von ute
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 226 (05/2014)

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