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UKRAINE: Engagement für Flüchtlinge in der Ukraine geehrt!

Der Schweizer Menschenrechtspreis «Offene Grenzen» wird an Personen und Gruppen verliehen, die sich aktiv für die Rechte von Flüchtlingen, ImmigrantInnen, von sozial benachteiligten Menschen und bedrohten Minderheiten in Europa einsetzen. Die Ehrung wird im Jahr 2012 dem «Komitee der Medizinischen Hilfe in Transkarpatien (CAMZ)» aus Uschgorod (Westukraine) zugesprochen.<!--break-->
Im September 2011 beschloss der Verein Freundeskreis Cornelius Koch in La Plaine bei Genf, mit diesem Preis das Komitee der Medizinischen Hilfe in Transkarpatien (CAMZ) aus Uschgorod (Westukraine) zu ehren. Die fünf ukrainischen Frauen des Komitees und ein anerkannter Flüchtling aus Bangladesch setzen sich mutig für Flüchtlinge und MigrantInnen ein, die an der östlichen Aussengrenze zur Europäischen Union (EU) abgewiesen werden und oft monatelang in den Lagergefängnissen der Ukraine interniert sind. Nach ihrer Entlassung versuchen diese Flüchtlinge und MigrantInnen «draussen» unter schwierigsten Bedingungen zu überleben. Das CAMZ sorgt für medizinische, juristische und menschliche Beratung und Betreuung. Die Preisverleihung findet anfangs April 2012 in Uschgorod statt. Der Preis ist politisch und religiös unabhängig. Die Dotierung beträgt 10.000 Schweizerfranken.


Geschichte


Im Jahr 1997 ruft der Priester Cornelius Koch aus La Plaine bei Genf, bekannt als Schweizer Flüchtlingskaplan (1940 bis 2001), den Menschenrechtspreis Offene Alpen – offene Grenzen ins Leben. Im selben Jahr wird Pfarrer Don Renzo Beretta geehrt, der in seiner Kirche in Ponte Chiasso (Norditalien) Hunderte von Flüchtlingen empfängt, die an der Schweizer Grenze zurückgewiesen werden. 1998 geht der Preis an die christliche Gewerkschaft ACLI in Como (Norditalien) für deren hervorragende Flüchtlingsarbeit. Im Jahr 2000 wird der Preis auf Grund aktueller Ereignisse zwei Mal verliehen: Im März an den mehrsprachigen Drava-Verlag in Klagenfurt (Kärnten) für die Verteidigung der Kultur von sprachlichen Minderheiten in einem mehrheitlich feindlich gesinnten Umfeld nach der Regierungsbeteiligung der rechtsextremen Freiheitlichen Partei (FPÖ) unter Jörg Haider in Österreich. Im Oktober desselben Jahres geht der Preis an die Mujeres Progresistas (Progressiven Frauen) in El Ejido (Südspanien), die unter Einsatz ihres Lebens marokkanische Landarbeiter vor pogromartigen Angriffen aus der lokalen Bevölkerung schützten.
Neben Cornelius Koch beteiligten sich jeweils andere Persönlichkeiten an der Preisverleihung: Architekt Mario Botta (CH), Clown Dimitri (CH), der Schriftsteller Erich Hackl (A) und Bischof Jacques Gaillot (F). Die Preisvergabe wurde zudem durch Solidaritätsschreiben von Organisationen und Einzelpersonen unterstützt wie Pax Christi (CH), C.E.D.R.I. - Europäisches Komitee zur Verteidigung der Flüchtlinge und ImmigrantInnen (CH), Demokratische Juristinnen und Juristen (CH), Heiner Hesse (CH), Dr. Jörg Wyder (CH), von dem lateinamerikanischen Schriftsteller Eduardo Galeano und von Literaturnobelpreisträger Jose Saramago, Portugal.
Seit dem Tod von Kaplan Koch (August 2001) ist der Preis nicht mehr vergeben worden. Im Jahr 2010 beschliesst der Verein «Freundeskreis Cornelius Koch», der von Kochs Mitarbeitern gegründet wurde, den Preis Offene Alpen - offene Grenzen umzubenennen. Er heisst fortan schlicht Preis Offene Grenzen. Die Zielsetzungen und die Dotierung bleiben gleich, und der Preis wird seit 2011 neu vergeben.


Vorstellung des Preisträgers


Das Komitee der Medizinischen Hilfe in Transkarpatien (CAMZ) wurde im März 2000 als Nichtstaatliche Organisation in der Westukraine gegründet und nach dem Gesetz «Über wohltätige Hilfe und wohltätige Organisationen» amtlich registriert. Gemäß seiner Statuten leistet CAMZ medizinische, soziale und sanitäre Hilfe in Transkarpatien (Ukraine) ohne nationale, ethnische, religiöse oder politische Diskriminierung. Das Komitee realisiert Projekte zugunsten sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen: Kranke, Mittellose, Waisenkinder, behinderte Jugendliche und junge Erwachsene, Flüchtlinge, MigrantInnen. Das CAMZ ist seit seiner Gründung in drei Bereichen tätig: Aufklärungsarbeit und Information der Bevölkerung über medizinisch-soziale Probleme; Erfahrungsaustausch und Weiterbildung der Fachkräfte in sozialen und medizinischen Einrichtungen; materielle und technische Hilfe sowie Verbesserung der Arbeitsbedingungen in sozialen und medizinischen Einrichtungen Transkarpatiens. Die Arbeit mit Flüchtlingen und MigrantInnen kam erst später dazu (siehe weiter unten).
Im Jahr 2006 erhielt das CAMZ den Prix de la coopération vom französischen Premierminister für seine jahrelange Arbeit im Waisenhaus für behinderte Kinder in Vilshany. In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Schweiz–Transkarpatien (NestU, www.nestu.org) und später mit dem Verein Parasolka hat das CAMZ das vorbildliche Wohnheim «Parasolka» für behinderte junge Erwachsene in Tyachiv aufgebaut, das im Herbst 2009 eingeweiht wurde.
Die Arbeit an der EU-Aussengrenze nimmt im März 2009 ihren Anfang und hat die langfristige Verbesserung der Menschenrechtslage von MigrantInnen und Flüchtlingen in Transkarpatien zum Ziel, die von der EU abgewiesen werden. Westliche Partnerorganisationen sind das Europäische BürgerInnen Forum in der Schweiz, der Bayrische Flüchtlingsrat und Pro Asyl Deutschland. Externe Experten, die diese Arbeit unterstützen sind Franck Düvell (Center for Migration, Policy and Society, Senior Researcher der Oxford University), Maksim Butkevych (NGO Soziales Handeln, Kiew, Mitarbeiter des UNHCR, Kiew) und Konstantin Reutski (Human Rights Center Postup, Luhansk, Helsinki Human Rights Group Ukraine). Die konkrete Arbeit in diesem Bereich sieht folgendermassen aus: Bordermonitoring seit 2008 (www.bordermonitoring-ukraine.eu), Sozialarbeit mit Asylsuchenden seit 2009, materielle Verbesserung des Auffanglagers für Migranten in Chop seit 2009, Medizinische und psychologische Betreuung von Asylsuchenden seit 2010, Konferenzen und Seminare an drei Universitäten von Uschgorod im Jahr 2010 (eine Fortsetzung ist vorgesehen). Der Preis möge eine Ermutigung für die weitere Arbeit des CAMZ sein und eine Ermahnung an die EU und die Schweiz, sich menschlicher und offener gegenüber Flüchtlingen und MigrantInnen zu zeigen.
Adresse: CAMZ, Gagarina st.27/1, UA-88000 Uzhgorod, camzua@gmail.com, www.cam-z.org

verfasst von Michael Rössler (Freundeskreis Cornelius Koch),  14.02.2012, eingestellt von ute
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Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 200 (01/2012)

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