Internationales noborder-actioncamp in Straßburg (19. bis 29.6.2002)
martin.admin (nicht überprüft)

Bewegungsfreiheit und die freie Wahl des Aufenthaltsorts sind menschliche Grundbedürfnisse. Migration ist eine Tatsache, ihre Autonomie konnte und kann nicht reguliert werden, auch wenn Staaten und transnationale Organisationen es wünschen.


Migration ist eine Folge ökonomischer Ausbeutung, politischer Unterdrückung und Krieg, sie ist aber auch Ausdruck des berechtigten Interesses der Menschen an besseren oder anderen Lebensbedingungen.
Bewegungsfreiheit für alle muss Wirklichkeit werden, dafür kämpfen wir mit allen notwendigen Mitteln.
Seit Basisgruppen in den letzten Jahren mit der Durchführung von Noborder - Grenzcamps an unterschiedlichen Grenzen der Festung Europa begannen, war das Recht auf Bewegungsfreiheit eine zentrale Forderung: gegen die militarisierten Grenzen rund um Europa, mit ihren Waffen, Kontrolltechnologien und gegen ihre rassistische Unterstützung durch viele Menschen in den europäischen Ländern. Denn all dies ist das Gegenteil einer Welt ohne Grenzen, von der wir träumen.
Wir leben in einem weltweiten kapitalistischen System, das die Menschen voneinander trennt. Dieses System der Ausbeutung und des Ausschlusses wird durch die inneren und äußeren Grenzen der Festung Europa, des sogenannten „ Schengenlands“ gestützt. Es baut auf rassistische Gesetze und die Barbarei der Haft und Abschiebung. Tausende sind an diesem Grenzregime gestorben.
Gegenwärtig erleben wir, wie der repressive Staats-apparat  auf der ganzen Welt stärker wird. Auch wenn die Kontrolle der einheimischen Bevölkerung und der grenzüberschreitenden Bewegungen der Menschen nichts Neues ist. Sie wird seit den Angriffen auf World Trade Center und Pentagon mit beschleunigtem Tempo fortgesetzt, da die Machthabenden unter dem Deckmantel ihres „Krieges gegen den Terrorismus“ neue drakonische Kontrollmethoden durchsetzen.
In Europa haben wir nach dem Antrag auf eine europäische Anti_Riot-Polizei jetzt das Projekt eines europäischen Haftbefehls und einer einheitlichen „Anti-Terrorismus”-Gesetzgebung. Unter dem Vorwand der „Terrorismusbekämpfung“ ist das wahre Ziel des Staates eine stärkere Kontrolle des täglichen Lebens und jeglicher Kämpfe.
Gegen eben diese Instrumente der staatlichen Kontrolle in ihren vielfältigen Formen wollen wir versuchen vorzugehen. Als Teil dieses Kampfes organisiert das noborder-netzwerk im Sommer 2002 ein Grenzcamp in Straßburg, Frankreich.
In Straßburg befindet sich das Schengener Informationssystem (SIS), ein zentrales Element der Kontrollmaschine. Diese Fahndungs- und Überwachungsdatenbank beinhaltet zehntausende über Europa verteilte Terminals und richtet sich zuerst und vor allem gegen MigrantInnen. Es wird nicht nur für Grenzkontrollen verwendet, sondern dient auch der Ausweitung der staatlichen Kontrolle auf fast jede Strassenecke. Das SIS kann jederzeit abgefragt werden, um festzustellen ob eine Person abgeschoben oder inhaftiert werden soll, daneben liefert es aber auch andere Informationen zur Überwachung der Bewegungen und Aktivitäten einer Person.
Gegen dieses Kontroll- und Unterdrückungsinstrument wollen wir in Straßburg gemeinsam auf die Strasse gehen: mit unseren Protestaktionen und mit unserer Kritik an den europäischen Institutionen und den Interessen, die sie vertreten.
Wir wollen alle Formen der Ausbeutung und Abtrennung bekämpfen, indem wir zusammen neue Formen von Zusammenarbeit und Widerstand entwickeln.
Wir wollen eine Plattform schaffen für den Austausch von Informationen und Erfahrungen zwischen Gruppen und Einzelpersonen aus unterschiedlichen politischen Kämpfen mit einer emanzipatorischen antikapitalistischen Perspektive.
Wir wollen mit selbstorganisierten Gruppen von MigrantInnen zusammenarbeiten.
Wir wollen Menschen aus verschiedenen politischen Richtungen und mit verschiedenen regionalen Erfahrungen zusammenbringen.
Auf dem Noborder-Camp wird es ein breites Spektrum direkter Aktionen geben, von Demonstrationen bis hin zu Formen der “Kommunikationsguerilla”. Das Camp wird Raum für viele internationale Diskussionen und Arbeitsgruppen bieten, für 10 Tage wollen wir ein Laboratorium des kreativen Widerstands und des zivilen Ungehorsams schaffen.
Das Camp in Straßburg drückt unsere Fähigkeit aus, die Orte und Zeitpunkte für unsere Aktionen, unsere Kommunikation und unsere öffentliche Präsenz selbst zu bestimmen.
Wir laden alle interessierten Leute ein zu kommen und teilzunehmen, einen Beitrag einzubringen und diese internationale Ereignis zu unterstützen.
Angenommen durch das europäische noborder-netzwerk am 02.12.2001 in München.

 08.03.2002, eingestellt von martin.admin
Thema im Archipel 092 (03/2002)
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 092 (03/2002)

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