ALGERIEN: Leere Kassen, tote Städte...?

ALGERIEN: Leere Kassen, tote Städte...?

Anfang Januar fanden einige Tage lang massive soziale Proteste in Algerien, vor allem im Nordosten des Landes, statt. Die Regierung zeigt Anzeichen von Nervosität. Ein Gewerkschafter wurde zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt.Es gibt Jahrestage, an die sich kaum jemand erinnern möchte. Am 11. Januar war es genau 25 Jahre her, dass die algerische Armee den Staatspräsidenten Chadli Bendjedid absetzte. Dadurch wurde zugleich die laufende Parlamentswahl abgebrochen, deren erster Durchgang am 26. Dezember 1991 stattgefunden hatte und deren zweite Runde für Ende Januar 1992 vorgesehen war. Die Stichwahlrunde fiel aus. Auf diese Weise wurde ein, durch Teile der Bevölkerung sehnlich erwarteter und durch andere Gesellschaftsteile als Katastrophe erlebter, Wahlsieg der «Islamischen Rettungsfront» (FIS) verhindert und zugleich die Tür zu einem blutigen Bürgerkrieg aufgestossen, der bis 1999 dauerte. Original Author:  Bernard Schmid, Paris

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IRAK / KURDISTAN: Verlust der Saatgut-Autonomie

IRAK / KURDISTAN: Verlust der Saatgut-Autonomie

Der irakische Teil Kurdistans liegt in der Wiege des Weizens, eine Region, die unter dem Namen Mesopotamien bekannt ist. Dort entstanden vor ungefähr 10'000 Jahren die ersten Versuche Weizen, Gerste und Linsen aus deren Wildarten zu kultivieren. Die Region wurde zum Getreidespeicher des Iraks.Hier wurden bis 1975 fünfundvierzig Prozent des irakischen Weizens produziert1. In dem fruchtbaren Halbmond wurden tausende unterschiedliche Getreide- und Leguminosensorten angebaut, bis im Jahr 2004 geistige Eigentumsrechte auf Saatgut eingeführt wurden. Danach waren nur noch sehr wenige Sorten für den Anbau zugelassen. Nach und nach wurde mithilfe  zahlreicher unterschiedlicher Massnahmen ein neues Landwirtschaftssystem, das auf politischer und technischer Abhängigkeit beruht, eingeführt. Das Ergebnis davon war der Verlust der Lebensmittel-Autonomie, 80% der Lebensmittel müssen importiert werden2. Original Author:  Benedict Bonzi*

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GESTERN - HEUTE - MORGEN: Im Gedenken an John Berger

 GESTERN - HEUTE - MORGEN: Im Gedenken an John Berger

John Berger war ein genauer, sensibler und geduldiger Beobachter, konnte noch im hohen Alter staunen angesichts des vielfältigen Reichtums der Welt. Und stand – trotz seiner sehr realistischen Sicht der Welt – zu Hoffnung und Bejahung des Lebens.«Henry Fords Bemerkung ‚Geschichte ist Humbug‘ ist allgemein unterschätzt worden; er wusste genau, was er sagte. Die Zerstörung der Bauernschaften in der Welt könnte ein letzter Akt historischer Eliminierung sein.» Diesen letzten Satz des «Historischen Nachworts» im Buch «Sauerde»1 von John Berger im Kopf, fuhren wir zu zweit vor nunmehr einem Jahrzehnt in das Dorf in den Bergen Savoyens, unangemeldet, um ihn zu treffen, ihm zu danken für seine Bücher und besonders für die Denkanstösse des oben erwähnten Nachworts. Wir hatten ein paar Kleinigkeiten aus der Produktion der Longo-maï-Kooperativen eingepackt. Eine alte Frau auf der Strasse fragten wir nach dem Haus von Monsieur Berger. Sie zeigte auf ein Haus, das eher dem eines Hirten (frz. berger) ähnelte, als dem eines Schriftstellers. Doch sie bestand darauf, dass es der «écrivain» und nicht der «berger» (Schäfer) sei. Also klingelten wir. Original Author:  Herma Ebinger Longo maï

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Buchempfehlung

 Buchempfehlung

Für sein Buch «Der siebte Mensch», folgte John Berger, gemeinsam mit dem Photographen Jean Mohr, Menschen aus der Türkei, Griechenland, Portugal und dem ehemaligen Jugoslawien auf ihrem Weg ins reiche Westeuropa.In Text und Bild hielten sie die Situation der migrierenden Arbeiter fest. Dieses «Familienalbum», wie J. Berger es selber bezeichnet, hat nichts von seiner Aktualität verloren. Es ist ein zeitloses Zeitdokument, das sich durch seine schriftstellerische und photographische Sensibilität auszeichnet.Hier Passagen aus seinem Vorwort zur Neuausgabe: Manchmal geschieht es, das ein Buch, im Gegensatz zu seinem Autor, mit den Jahren jünger wird. Genau das scheint mir mit «Der siebte Mensch» passiert zu sein. Warum, möchte ich gerne erklären. Original Author:  John Berger, Herbst 2016

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Der schweizerische Menschenrechtspreis „Offene Alpen“ 2017: Unterstützung für Flüchtlinge und MigrantInnen vor der Schweizer Haustür

Der schweizerische Menschenrechtspreis „Offene Alpen“ 2017: Unterstützung für Flüchtlinge und MigrantInnen vor der Schweizer Haustür

Der Schweizer Menschenrechtspreis „Offene Alpen“, der 1997 von Flüchtlingskaplan Cornelius Koch ins Leben gerufen wurde, wird vom Freundeskreis Cornelius Koch, unterstützt vom CEDRI und Europ. BürgerInnen Forum, an Personen und Gruppen verliehen, die sich aktiv für die Rechte von Flüchtlingen, MigrantInnen, von sozial benachteiligten Menschen und bedrohten Minderheiten in Europa einsetzen. Die Dotierung beträgt 12’000 Franken. Im Jahr 2017 geht diese Summe je zur Hälfte an zwei Werke. Original Author:  Freundeskreis Cornelius Koch

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MIGRATION UND SOLIDARITÄT: Winterreise nach Como

MIGRATION  UND  SOLIDARITÄT: Winterreise nach Como

Eine kleine Delegation des «Freundeskreises Cornelius Koch», des C.E.D.R.I. und des Europäischen BürgerInnenforums machte sich im November 2016 ins Tessin und nach Norditalien auf, um die Menschen zu besuchen, die sich für die Flüchtlinge hier, vor den Toren der Festung Europa, einsetzen1. Original Author:  Sandra Modica und Michael Rössler

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MIGRATION: Ein Beispiel der Solidarität

MIGRATION: Ein Beispiel der Solidarität

Das «Mouvement Jurassien de Soutien aux Sans-papiers» (MJSSP, Jurassische Bewegung zur Unterstützung von Sans-Papiers) existiert seit 15 Jahren. Zurzeit steht die Initiative einer syrischen Familie bei, die aus der Schweiz abgeschoben werden soll. Wie das MJSSP entstand Original Author:  Caroline Meijers, EBF Schweiz Claude Braun, EBF

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LANDWIRTSCHAFT UND MIGRATION: Casa Sankara

LANDWIRTSCHAFT  UND  MIGRATION: Casa Sankara

Im November 2016 beteiligte sich das EBF an einer Infotour durch die Schweiz, die von Solifonds und Multiwatch organisiert wurde. In mehreren Städten fanden öffentliche Veranstaltungen statt, in denen Carmen Cruz Paredes und Spitou Mendy vom SOC-SAT über die Situation im südspanischen Andalusien berichteten und Hervé Papa Latyr Faye über diejenige in Apulien in Süditalien. Hervé Papa Latyr Faye stammt aus dem Senegal und lebt seit vielen Jahren in der Nähe von Foggia, 150 km nordöstlich von Neapel. Er ist Präsident des Vereins «Ghetto out – Casa Sankara», das zum Ziel hat, die sogenannten Ghettos zu schliessen, wie dasjenige von Rignano, wo in der Hochsaison bis zu 2‘000 Land-arbeiter_innen eine Bleibe in Karton- und Plastikhütten finden. Er beschreibt im folgenden Artikel die Brutalität dieser Strukturen und den selbstverwalteten Gegenentwurf, den sie mit der «Casa Sankara» zu leben versuchen.In der Region Apulien kämpfen Migrant_innen aus dem Senegal seit 2013 gegen die Ausbeutung und Versklavung der hauptsächlich afrikanischen Migrant_innen in der Landwirtschaft. Das System der «Capos» Original Author:  Papa Latyr Faye (Hervé) Präsident der Vereinigung «Ghetto out - Casa Sankara»1

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BUCHVORSTELLUNG: Eine kritische Analyse

BUCHVORSTELLUNG: Eine kritische Analyse

In Frankreich sorgt das «Comité invisible» (Unsichtbares Komitee) mit seinen radikal-revolutionären Ansinnen für Aufsehen. Ein Leser hat uns eine ausführliche Zusammenfassung der letzten Schrift des Komitees zugeschickt und bietet damit die Gelegenheit, sich kritisch mit dessen Thesen auseinanderzusetzen. «Die Gegenwart zu entwirren und stellenweise mit jahrtausendealten Verlogenheiten aufzuräumen» – dieser Satz aus dem Nachwort beschreibt treffend den Ansatz der Flugschrift «An unsere Freunde» des «Unsichtbaren Komitees»1. Entwirren: das Verhältnis von Lokalem und Globalem, Pazifist_innen und Radikalen, Krise und Krisenbewältigung, Regierung und Selbstbestimmung, Organisator_innen und Organisierten und manchem mehr. Das Autor_innen-Kollektiv analysiert eine Vielzahl von Sprach- und Denkverwirrungen und verbindet dies zu einem komplexen Text, der an viele Kämpfe und Bewegungen anschlussfähig ist. Die Fülle der Gedanken ist nicht auf einen Nenner zu bringen oder einzuordnen, das genaue und wiederholte Lesen lohnt. Der folgende Schnelldurchgang durch die acht Kapitel des Buches möchte Lust wecken, dies zu tun.Zur Machtfrage Original Author:  Bernd-Kai Gareseé

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Am 11. Synthetische Bingo-Biologie

Am 11. Synthetische Bingo-Biologie

Am 16. Februar 2016 wurde ein runder Tisch über synthetische Biologie an der Universität Lausanne (UNIL) mit einer spielerischen Aktion gestört.Ein Panel von Expert_innen in synthetischer Biologie, Soziologie, Ethik und Umwelt waren eingeladen worden, in einem mit rund fünfzig Wissenschaftler_in-nen bestückten Auditorium über die gesellschaftlichen Auswirkungen der Fortschritte dieser Forschung zu debattieren. Original Author:  Dieser Artikel wurde mit dem Titel Synthetic Biology Bullshit Bingo in der zweiten Ausgabe der anarchistischen Flugschrift «Rhizom», im Oktober 2016 publiziert.

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