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SPANIEN : Neue Verträge, alte Probleme

In Spanien werden seit 2001 immer mehr contratos en origen abgeschlossen. Dies ist eine Art von Saisonvertrag, der große Ähnlichkeit mit dem OMI-Vertragssystem in Frankreich aufweist.

 

Im Archipel haben wir bereits berichtet, dass diese Art von Verträgen in Huelva Einzug gehalten hat, der Gegend Andalusiens, die für ihre industrielle Erdbeerproduktion bekannt ist. Dort handelt es sich vor allem um Frauen, erst Polinnen und Rumäninnen, später Marokkanerinnen, die in ihren Heimatländern nach ganz präzisen Kriterien ausgewählt werden. Man sucht junge Frauen, die an körperliche Arbeit gewöhnt sind (das sieht man ihren Händen an), mit kleinen Kindern, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie nach Ablauf des Arbeitsvertrages wieder in ihre Länder zurückkehren.

Erst seit neuestem haben auch die Arbeitgeber im Plastikmeer von Almeria begonnen, ihre Arbeiter direkt in ihren Heimatländern zu rekrutieren und diese Art von Verträgen abzuschliessen. Seither können wir abschätzen, was für Probleme und Missbrauchsmöglichkeiten diesem Vertragssystem anhaften.

Nehmen wir das Beispiel von 75 Senegalesen, die im September 2007 angekommen sind, rekrutiert von Hortalizas del Almanzora in Pulpi. Sie hatten einen Arbeitsvertrag für neun Monate. Vier Monate später waren vierzehn Arbeiter bereits entlassen, auf illegale Art und Weise, wie selbst ihre Chefs zugeben mussten. Letztere beschuldigten die Senegalesen eines «Mangels an Respekt gegenüber ihren Vorgesetzten, sowie an Produktivität und Interesse an der Arbeit». Die Patrons kündigten an, den Senegalesen Flugtickets zu beschaffen, damit sie in ihr Land zurückkehren.

Die ersten fünf Angeheuerten unterschrieben in Unkenntnis ihrer Rechte und der spanischen Sprache die Entlassungsurkunde, merkten aber an, dass sie diese nicht lesen konnten. Die zweite Gruppe entschied, sich dieser Behandlung zu widersetzen. Sie nahmen Kontakt mit der andalusischen Gewerkschaft SOC (Sindicato de Obreros del Campo) auf. Diese half ihnen, eine Klage gegen das Unternehmen und gegen Coexphal1, die Unternehmervereinigung, welche die Rekrutierung ermöglicht hat, einzureichen.

In ihrer Klage deckten die Arbeiter ständige Verletzungen des Gesamtarbeitsvertrages auf. Dieser schreibt z.B. einen Lohn von 43,12 Euro pro Tag vor, sie haben aber niemals mehr als 30 Euro erhalten. Der Arbeitsrhythmus ist völlig unregelmässig. Im Monat Dezember hatten sie lediglich neun Tage gearbeitet und 157 Euro erhalten. In anderen Phasen war das Arbeitspensum höllisch, die neun Arbeiter sprachen ausserdem von «Schikanen während der Arbeit, sie schrien uns an»2. Bei Arbeitsfehlern, wie wenn zum Beispiel ein Salat nicht so wie vorgeschrieben in eine Kiste gepackt wurde, drohten als Strafe, während drei Tagen das «Cortijo»3 nicht verlassen zu dürfen und selbstverständlich während der Zeit auch nichts zu verdienen.

Die Unterbringung ist inakzeptabel. «Sie leben zusammengepfercht in einem Cortijo, ohne Heizung und 100 km vom Arbeitsort entfernt.»4 Dies obwohl im Vertrag steht, dass sie in einer Stadt untergebracht werden. Sie müssen um fünf Uhr morgens aufstehen, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen, und kehren spät abends ins Cortijo zurück, wo sie sich noch selber eine Mahlzeit kochen müssen. Für Spitou Mendy vom SOC ist diese Isolierung kein Zufall. «Wenn man sie isoliert, lässt man sie im Ungewissen darüber, was los ist. Wenn Einwanderer einander treffen, findet ein Gespräch statt, egal woher sie kommen. Sie tauschen sich darüber aus, wie sie behandelt werden. Wenn das nicht der Norm entspricht, geht das herum wie ein Lauffeuer. Die Arbeitgeber haben kein Interesse daran, ein Bewusstsein für einen Arbeitskampf entstehen zu lassen.»5 

Diese Situation verhindert auch jeglichen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, trotz aller Erklärungen der Regierung zur Förderung der Integration von Einwanderern. «Was ist Integration? Es ist eine Bewegung in beide Richtungen, ein Geben und Nehmen. Wenn der Kontakt fehlt, gibt es auch kein Geben und Nehmen. Wenn man gemieden wird wie die Pest, wenn man nur nützlich ist im Gewächshaus und danach ein unerwünschtes Wesen, wie wollen Sie, dass es da eine Integration gibt? Dies hier ist eine sehr einseitige Integration. Wir sind es, die uns anstrengen Spanisch zu lernen, um mit ihnen kommunizieren zu können, aber sie machen keinerlei Schritte um uns zu integrieren.»6

Hinzu kommt, dass die Unternehmen ihnen bei der Ankunft in Almeria den Pass weggenommen haben. Erst nach einem Streik, bei dem sie zeigten, dass sie keine Angst haben, bekamen sie diese wieder. «Es muss den Leuten jegliche Lust genommen werden abzuhauen. Deshalb werden die Pässe einbehalten. So ist es denn auch passiert. Sobald sie die Pässe wie-der hatten, sind neun von ihnen weggegangen. Sie sagen, sie ziehen die Freiheit und die Illegalität diesen Arbeitsbedingungen vor 7

Ebenfalls beklagt haben sie, dass das Unternehmen ihnen 400 Euro ihres ersten Lohnes nicht ausgezahlt hat, um das Flugtikket zu begleichen. Dies, obwohl laut Vertrag der Arbeitgeber für das Billet aufkommen muss.

An einer Pressekonferenz am 8. Februar bedauert das SOC, «dass die Vertragsabschlüsse im Heimatland, welche von der Staatssekretärin für Migration, Consuela Rumi, als Lösung präsentiert wurden, der illegalen Einwanderung und Marginalisierung ein Ende zu bereiten, ein Reinfall sind.» 8 Selbst die größte Gewerkschaft, welche auf der Einführung dieses Vertragsystems bestanden hat, sieht sich gezwungen, Missbräuche anzuprangern.

Laut Spitou Mendy sind dies die ersten Tests, die mit Senegalesen durchgeführt werden: «Dieses System ist erniedrigend, denn es degradiert den Arbeiter zum Sklaven. Arbeiter, die trotz solcher Bedingungen kommen, sind von der Angst besessen, das nächste Mal nicht mehr eingeladen zu werden. Diese Verträge verbessern in keiner Weise die Lage für diese Leute.» 9

Der Fall der Senegalesen war der erste von Arbeitern mit «contratos de origen», mit dem sich das SOC befasst hat. Es wird sicherlich nicht der letzte sein. Die Gewerkschaft ist bereits von einer Gruppe von ca. dreißig Marokkanern kontaktiert worden, die sich über die schlechte Unterbringung beschweren, gleich gefolgt von einer Gruppe von zehn Arbeitern, die in einer kleinen Garage untergebracht sind, wo Betten, eine Dusche und die Küche auf kleinstem Raum zusammengedrängt sind.

Problematisch dabei ist, dass diese Thematik zu den ohnehin schon schweren Aufgaben des SOC noch hinzukommt. Die Gewerkschaft arbeitet schon unter sehr schwierigen Bedingungen - mit Arbeitern, die weit verstreut sind in einem riesigen Gebiet unter Plastikplanen, unter äußerst prekären Arbeitsbedingungen und die alle einen Wunsch gemeinsam haben: woanders hinzugehen, wo bessere Bedingungen herrschen. Es besteht eine Gemeinsamkeit zwischen den Papierlosen und denen, die einen solchen Vertrag haben: Ihre Isolation, ihr Misstrauen gegenüber den Arbeitgebern, ihre starke Fluktuation, die ein großes Hindernis für jegliche Gewerkschaftsarbeit darstellt.

 

 

1. Cosecheros-Exportadores de Productores Hortifruticolas

2. Teleprensa, 9.Februar 2008

3. Altes verlassenes Gehöft, wo die Arbeiter untergebracht sind

4. Siehe Fussnote 2

5. Auszug aus einem Interview mit Radio Zinzine im März 2008

6./7. ebenda

8. Europapress, 9. Februar 2008

9. Siehe Fussnote 5

Rédigé par Nicholas Bell (EBF), 19.05.2008, recrutés par ute
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 160 (05/2008)

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