BAUER:INNENPROTESTE IN DER SCHWEIZ

von Uniterre, 10.03.2024, Veröffentlicht in Archipel 334

Es ist Zeit zu handeln, um der bäuerlichen Landwirtschaft eine neue Perspektive zu geben. Am 3. Februar waren bei einer Demonstration in Genf mehr als 30 Traktoren und 200 Menschen unterwegs! Auch in Basel demonstrierten Bäuerinnen und Bauern.

Diese Aktionen sind nicht vergleichbar mit den enormen Mobilisierungen in anderen Ländern Europas, doch ein Anfang ist gemacht. Hier die Medienmitteilung von Uniterre*, einer unabhängigen Bäuerinnen- und Bauernorganisation:

«Die europäische Bauernschaft ist in Aufruhr. Die in Europa erreichten Zugeständnisse sind bei weitem nicht ausreichend. Die grundlegenden Forderungen bleiben bestehen. Auch in der Schweiz setzen Freihandelsverträge und asymmetrische Marktmachtverhältnisse die Preise ständig unter Druck und die bäuerliche Arbeit wird nicht fair entlohnt. Diese Politik tötet die bäuerliche Landwirtschaft – täglich verschwinden zwei Bauernhöfe. Die Situation ist untragbar und es muss gehandelt werden:

° Um die Versorgung der Bevölkerung und ein nachhaltiges Ernährungssystem zu gewährleisten, müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass die Bauernhöfe wirtschaftlich überleben können. Steigende Kosten dürfen nicht auf die Erzeugerpreise abgewälzt werden. Als Sofortmassnahme fordern wir eine Erhöhung der Erzeugerpreise um 10 Prozent in diesem Jahr. ° Alle geforderten und erwarteten Leistungen der Landwirtschaft müssen fair und vollständig entlohnt werden. (…) ° Die gesamte Bevölkerung muss Zugang zu einer angemessenen entlohnten einheimischen Produktion haben – das ist kein Luxus, sondern ein Recht! ° Der Zollschutz für die landwirtschaftliche Produktion muss verstärkt werden, um Sozial-, Wirtschafts- und Umweltdumping entgegenzuwirken, die Freihandelsverträge müssen in Frage gestellt werden! Es dürfen keine Freihandelsverträge mehr unterzeichnet werden! ° Die Transparenz der Gewinnmargen muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewährleistet werden, um die Verhandlungsposition der Bäuerinnen und Bauern zu verbessern. ° Es braucht Produzentenpreise, die nicht unter den Produktionskosten liegen, unter Berücksichtigung einer Entlohnung von Fr. 40.-/Stunde. Verträge, in denen Preise, Menge, Qualität, Anzahlungen und der Zeitplan für die Lieferung im Voraus festgelegt werden. ° Das Agrarbudget muss für die Jahre 2026 bis 2029 um 5 Prozent erhöht werden und das System der Direktzahlungen muss bis 2030 vollständig überarbeitet und vereinfacht werden. Wir müssen Teil dieser Überlegungen sein.»

*Uniterre setzt sich u.a. für faire Preise, transparente Wertschöpfungsketten, Ernährungssouveränität und den erleichterten Zugang zu Land v.a. für Frauen und junge Menschen ein. Die Organisation steht im Widerspruch zum Schweizer Bauernverband (SBV), denn dieser opfere die Landwirtschaft «auf dem Altar des Marktes».